Interview
„Die Deutschen bevorzugen Rechnungen“

Im Interview erklärt E-Commerce-Experte Achim Himmelreich, welche die Bezahlsysteme der Zukunft sind. Mit einem Trick lassen sich sogar die auf Bargeld fixierten Deutschen vom Zahlen mit dem Handy begeistern.
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Der Deutschen liebstes Zahlungsmittel ist immer noch das Bargeld. Schon das Bezahlen per Debit- oder Kreditkarte hinkt deutlich hinterher. Hat Mobile Payment – Bezahlen per Handy –hierzulande überhaupt eine Chance?
Der große Vorteil beim Mobile Payment ist, dass die Kunden ihr Smartphone sowieso immer dabei haben und das gilt auch für deutsche Nutzer. Komplett verdrängen wird die Technik das Bargeld auf absehbare Zeit sicher nicht, aber bei den Kunden steigt bereits die Nachfrage nach solchen Systemen.

Ein Zwischenschritt zum Mobile Payment sind kontaktlose Bezahlkarten der Sparkassen, Mastercard und Visa. Welchen Stellenwert haben sie?
Kurzfristig helfen die Angebote wie Girogo, Paypass und Paywave dabei, die Kunden daran zu gewöhnen, dass man zum Bezahlen keine Geldscheine und Münzen über den Ladentisch reichen und noch nicht einmal eine Karte aus der Hand geben muss. Langfristig werden sie wohl eher eine Ergänzung zu anderen Zahlungsmitteln sein, aber nicht im Mittelpunkt stehen.

Wenn die Kartenzahlung in den Hintergrund rückt und die Kunden lieber mit dem Handy bezahlen, bedeutetet das dann das Ende für Visa und Co.?
Im Gegenteil. VISA und Mastercard werden ja in die Smartphones integriert. Deshalb werden die Handy-Angebote keine Konkurrenz sein, sondern eine Ergänzung zu den bisherigen Karten. Die Anbieter sind dadurch noch breiter aufgestellt.

Also bahnt sich doch eher ein Siegeszug für die Kreditkartenanbieter an?
Deutschland ist in Sachen Kreditkarte noch ein Entwicklungsland. Hierzulande hat gerade Mal jeder Vierte eine Kreditkarte, in den USA beispielsweise sind es weit mehr als die Hälfte. Die Deutschen bevorzugen immer noch Rechnungen und das Lastschriftverfahren. Damit Mobile Payment schnell Erfolg hat, muss man mit dem Smartphone auch auf das Girokonto zugreifen können.

Was bedeutet das technisch?
Technisch ist es kein Unterschied, ob ich mit dem Smartphone auf das Kreditkarten- oder das Girokonto zugreife. Wichtig ist nur, dass die Kontodaten im Smartphone - oder im Web beziehungsweise der Cloud gespeichert sind und per NFC-Chip an das Kassenterminal übertragen werden.

Kommentare zu " Interview: „Die Deutschen bevorzugen Rechnungen“"

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  • Und das in Zeiten in denen Mastercard (wieder) plant, die Daten aus den Transaktonen zu Marketingzwecken zu verkaufen. Warum dieser Idiotie aufsetzen und sein Leben dem Kommerz noch weiter offenbaren, als man es bereits jetzt schon durch die (auch auf dieser Seite) verfügbaren Tracking-Tools macht?

  • Bargeld ist Freiheit und Selbstbestimmung. Alles andere ist Aufforderung den Gesslerhut zu grüßen, Freiheit und Selbstbestimmung einzubüßen , Objekt zu sein und nicht mehr Subjekt, das souverän und in eigener Verantwortung ohne Manipulationen jedweder Art sich selber behauptet und so der Freiheit des Individuums den Raum verschafft und gegen Widerstände erkämpft, der notwendig ist, um überhaupt in der Tradition der europäische Aufklärung und im Namen von Individualität und Selbstbestimmung, der europäischen Idee von Freiheit und souveräner Selstentscheidung einen angemessenen Raum zu verschaffen,und somit
    seinen eigenen Standpunkt kreiert und verteidigen, der dem Menschen und seiner unveraüserlichen Rechte angemessen ist.

    Alles Klar? LOL

  • Bietet noch mehr Synergieeffekte für einen wachsenden Schuldenberg der (Klein)-Konsumenten - aber der Umsatz bei DM der steigt... man sieht ja die Ausgaben nicht mehr....und erst die Sortimentsanalyse - was die noch alles bewirken kann.....für wen wohl ?

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