Interview

„Die Deutschen bevorzugen Rechnungen“

Im Interview erklärt E-Commerce-Experte Achim Himmelreich, welche die Bezahlsysteme der Zukunft sind. Mit einem Trick lassen sich sogar die auf Bargeld fixierten Deutschen vom Zahlen mit dem Handy begeistern.
21 Kommentare
Achim Himmelreich, Vorsitzender der Fachgruppe e-commerce im BVDW: Die Deutschen wollen Sicherheit und Rabatte.

Achim Himmelreich, Vorsitzender der Fachgruppe e-commerce im BVDW: Die Deutschen wollen Sicherheit und Rabatte.

Der Deutschen liebstes Zahlungsmittel ist immer noch das Bargeld. Schon das Bezahlen per Debit- oder Kreditkarte hinkt deutlich hinterher. Hat Mobile Payment – Bezahlen per Handy –hierzulande überhaupt eine Chance?
Der große Vorteil beim Mobile Payment ist, dass die Kunden ihr Smartphone sowieso immer dabei haben und das gilt auch für deutsche Nutzer. Komplett verdrängen wird die Technik das Bargeld auf absehbare Zeit sicher nicht, aber bei den Kunden steigt bereits die Nachfrage nach solchen Systemen.

Ein Zwischenschritt zum Mobile Payment sind kontaktlose Bezahlkarten der Sparkassen, Mastercard und Visa. Welchen Stellenwert haben sie?
Kurzfristig helfen die Angebote wie Girogo, Paypass und Paywave dabei, die Kunden daran zu gewöhnen, dass man zum Bezahlen keine Geldscheine und Münzen über den Ladentisch reichen und noch nicht einmal eine Karte aus der Hand geben muss. Langfristig werden sie wohl eher eine Ergänzung zu anderen Zahlungsmitteln sein, aber nicht im Mittelpunkt stehen.

Wenn die Kartenzahlung in den Hintergrund rückt und die Kunden lieber mit dem Handy bezahlen, bedeutetet das dann das Ende für Visa und Co.?
Im Gegenteil. VISA und Mastercard werden ja in die Smartphones integriert. Deshalb werden die Handy-Angebote keine Konkurrenz sein, sondern eine Ergänzung zu den bisherigen Karten. Die Anbieter sind dadurch noch breiter aufgestellt.

Also bahnt sich doch eher ein Siegeszug für die Kreditkartenanbieter an?
Deutschland ist in Sachen Kreditkarte noch ein Entwicklungsland. Hierzulande hat gerade Mal jeder Vierte eine Kreditkarte, in den USA beispielsweise sind es weit mehr als die Hälfte. Die Deutschen bevorzugen immer noch Rechnungen und das Lastschriftverfahren. Damit Mobile Payment schnell Erfolg hat, muss man mit dem Smartphone auch auf das Girokonto zugreifen können.

Was bedeutet das technisch?
Technisch ist es kein Unterschied, ob ich mit dem Smartphone auf das Kreditkarten- oder das Girokonto zugreife. Wichtig ist nur, dass die Kontodaten im Smartphone - oder im Web beziehungsweise der Cloud gespeichert sind und per NFC-Chip an das Kassenterminal übertragen werden.

„Bei NFC gibt es das klassische Henne-Ei-Problem“
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21 Kommentare zu "Interview: „Die Deutschen bevorzugen Rechnungen“"

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  • Und das in Zeiten in denen Mastercard (wieder) plant, die Daten aus den Transaktonen zu Marketingzwecken zu verkaufen. Warum dieser Idiotie aufsetzen und sein Leben dem Kommerz noch weiter offenbaren, als man es bereits jetzt schon durch die (auch auf dieser Seite) verfügbaren Tracking-Tools macht?

  • Bargeld ist Freiheit und Selbstbestimmung. Alles andere ist Aufforderung den Gesslerhut zu grüßen, Freiheit und Selbstbestimmung einzubüßen , Objekt zu sein und nicht mehr Subjekt, das souverän und in eigener Verantwortung ohne Manipulationen jedweder Art sich selber behauptet und so der Freiheit des Individuums den Raum verschafft und gegen Widerstände erkämpft, der notwendig ist, um überhaupt in der Tradition der europäische Aufklärung und im Namen von Individualität und Selbstbestimmung, der europäischen Idee von Freiheit und souveräner Selstentscheidung einen angemessenen Raum zu verschaffen,und somit
    seinen eigenen Standpunkt kreiert und verteidigen, der dem Menschen und seiner unveraüserlichen Rechte angemessen ist.

    Alles Klar? LOL

  • Bietet noch mehr Synergieeffekte für einen wachsenden Schuldenberg der (Klein)-Konsumenten - aber der Umsatz bei DM der steigt... man sieht ja die Ausgaben nicht mehr....und erst die Sortimentsanalyse - was die noch alles bewirken kann.....für wen wohl ?

  • Man kann ja mal überlegen, wie weit im Besonderen das e-commerce und im Allgemeinen die Digitalisierung den Wirkungsradius des Menschen einschränkt.

    Beim Bargeld ist es ganz einfach. Zum ersten will man sein Geld in der Hand halten. Es ist ist pure Energie - für geleistete Arbeit, oder für ein Geschäft, das man getätigt hat, oder nur, um es mal anzugucken.

    Manche müssen sich 2x vergewissern, ob sie den Herd abgestellt haben und andere gehen nie ohne Geld aus dem Haus. Sie wollen sicher sein, ich habe ein genug Bargeld in der Tasche, man weiß ja nie. Für Bargeld kriegt man immer ein Auto geliehen, ein Taxi, eine Mitfahrgelegenheit, etwas zu essen, ein Dach für die Nacht.
    Mit Kreditkarten ist man angewiesen auf die Vernetzung, Supermärkte, Fahrkartenautomaten usw. Ein Geschäft ohne Kontrolle des Staates ist damit gar nicht mehr zu machen wie auf Trödelmärkten, Antik-Märkten, Gelegenheitskäufe usw. Praktisch müßte jedes Geschäft über die Banken laufen. Damit fielen viele Freiheiten weg und man wäre Gefangener der Konsumtempeln. E-commerce ist was für Stubenhocker und Shoppinglegastheniker. Es macht das Leben einseitig und noch dazu tierisch umständlich. Und das nervt.

    Bargeld lacht - nicht umsonst, weil Geld auch Bewegungsfreiheit bedeutet.
    Ein Handy kann ausfallen, Akku alle, man tippt 3 mal die falsche Pin, es kracht auf den Boden und ist kaputt. Bargeld vermittelt das Gefühl von Sicherheit. Ein gutes Gefühl, weil man damit kriegt, was man haben will und überall durchkommt.

    Nur Bares ist Wahres!

  • Geld ist ein gesamtgesellschaftliches Ereignis und nicht der Spielball irgendwelcher Fachidioten. In meiner Statistik schlafen 99,99% der Deutschen im Liegen in einem Bett. Für Stehendschläfer ist Deutschland ein Entwicklungsland.

    Ist er nun ein Fachidiot?

    Jeder Trottel kann ein Balkendiagramm lesen!

  • Ausplünderer Schäuble wäre bestimmt auch an der Abschaffung von Bargeld interessiert - ohne Cash gäbs dann wohl auch keine Schwarzarbeit mehr.

  • Der Mann ist ein Fachidiot. Soviel zum Vorsitzendes von e-commerce.

  • @beate
    trefflich formuliert. Selbst ich als IT-ler sehe das so, komischer weise auch viele meiner Kollegen. Denke bei denen aus der Security sind 100%. Was will uns dsa sagen?
    Ach ja lieber Autor, das einzige was ich jemals gehakt habe, war ein Fisch ;-)

  • Zitat:
    "Die Deutschen bevorzugen immer noch Rechnungen und das Lastschriftverfahren."

    Logisch.
    1. Rechnungen braucht man schon wegen Garantie und Steuer
    2. Lastschrift ist doch auch klar, weil hier kann man zurückbuchen lassen von der eigenen Bank, was unberechtigt ist. Bei allen anderen Bezahlverfahren ist das nicht so einfach sein Geld wieder zu bekommen.

    NFC-Technik ist unsicher, weil auf 20 cm Entfernung auslesbar. Ergo kann ein dieb einfach an einem Vorbeigehen und dabei die Daten klauen. Mitlerweile gibt es schon Geldbörsen mit eingenähten Metallstreifen um dies zu verhindern ;-)
    Handys - sind noch unsicherer. Man schau sich mal Vorführungen eines Herrn Sebastian Schreiber (google suche) an, wie schnell so eine Bluetooth Schnittstelle gehackt ist oder die WLan Schnittstelle in den Smartphones.

  • Es steht dort nicht direkt, dass das Bargeld abgeschafft werden soll - implizit
    versucht aber Herr Himmelreich die Deutschen darauf einzustimmen, das dies die
    eigentliche Absicht ist.

    Lebe seit einigen Jahren in NL und wundere mich bis heute darüber, wie bereitwillig
    die Leute hier ihre Daten an Unternehmen, wie z.B. Albert Hein verkaufen, nur, um
    wie man ihnen weiss machen will, ein paar Cent zu sparen.

    Wer einen AH betritt wird von vielen, großen Plakaten erschlagen, auf denen fett
    das Wort BONUS prangt. Ich denke nicht unrecht zu haben, wenn ich dieses Angebot
    auf rund 90% einschätze. Wer kein Bonuskarteninhaber ist, muss ziemlich mühselig am
    Regal nach dem eigentlichen Preis suchen, den er dann an der Kasse zu bezahlen hat.

    Nun, was mache ich als Deutscher? Ich vermeide dieses Geschäft! Es ist erwiesen, das
    die verschiedenen AH-Filialen ihr Sortiment genau auf die Bonuskarteninhaber
    ausrichtet. Soll heißen, wird in einer Filiale ein bestimmtes Produkt an diese Zielgruppe
    zu wenig verkauft, wird es aus dem Sortiment genommen. Andersherum erhalten
    Kunden, die dem zugestimmt haben, E-Mails mit Angeboten, die sich genau an ihrer
    Einkaufshistorie ausrichten. Da sag ich doch glatt mal: nein, Danke!!
    Hier ist es auch mehr als normal ALLE Beträge mit Karte zu bezahlen. Kein Geschäft
    wird eine Kartenzahlung wegen eines zu geringen Betrages ablehnen. Im Gegenteil, sie
    begründen dies auch explizit mit der Sicherheit für die Angestellten.
    Man hätte auch hier gerne und das schon seit Jahren, dass ein ausschliessliches
    Bezahlen nur noch mit Karte möglich ist. Soll lässt sich jeder Cent problemlos
    nachvollziehen, der auf das Konto geht oder es wieder verlässt.
    Und alles geschieht natürlich NUR zum Vorteil aller.
    Na ja, lassen wir sie weiter träumen und hoffen, das die Deutschen weiter an der
    Barzahlung festhalten werden. Wenn eine große Volkswirtschaft sich nicht dem
    Überwachungswahn beugt, ist es für die anderen auch ein bisschen schwerer

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