Interview
„Ein Bankkonto ist unentbehrlich“

Sind Bankkonten ein Menschenrecht? Der BVR-Präsident Uwe Fröhlich hält den Zugang für zwingend notwendig, ähnlich wie Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller. Dennoch ist er gegen einen gesetzlichen Zwang.
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Herr Fröhlich, wie hoch schätzen Sie die gesellschaftliche Bedeutung eines Bankkontos ein?
Ein Bankkonto und damit der Zugang zu bargeldlosem Zahlungsverkehr ist unentbehrlich in unserer Gesellschaft. Man bekommt ja kaum einen Job ohne ein Bankkonto, da Löhne ja praktisch nicht mehr in bar ausgezahlt werden.

Dann ist es doch eine gute Idee, dass EU-Kommissar Michel Barnier nun das Konto für Jedermann einführen will, oder?

Das mag für andere Länder in der Europäischen Union eine große Relevanz haben. Aber in Deutschland ist das doch gar kein Thema, da gibt es flächendeckend Zugang zu Bankkonten. Mit der Situation in den USA, wo viele Menschen kein Konto bekommen, ist die Situation erst recht nicht zu vergleichen. Der Vorstoß von Herrn Barnier ist aus unserer Sicht daher unnötig.

Schätzungen zufolge gibt es aber auch eine halbe Million Deutsche ohne Bankkonto.

Die EU-Kommission selbst schätzt, dass 99 Prozent der deutschen Bevölkerung Zugang zu einem Girokonto hat. Es gibt zwar selbstverständlich keine Pflicht, jedem einen Kredit zu geben. Aber den Wunsch auf ein Konto erfüllen die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken In der Regeln jedem Kunden. Das geschieht notfalls eben auf Guthabenbasis, also ohne die Möglichkeit, das Konto zu überziehen. 2,6 Millionen solcher Konten auf Guthabenbasis gibt es in Deutschland insgesamt.

Wenn das in Deutschland alles schon so gut funktioniert, dann muss Sie Barniers Vorstoß aber auch nicht stören, oder?

Aus unserer Sicht sind die Vorschläge der EU-Kommission viel zu weitgehend. Wir finden – anders als Herr Barnier – dass man für die Eröffnung eines Basiskontos einen Bezug zu dem Mitgliedstaat haben sollte, in dem man das Konto eröffnen will. Außerdem sollten die Anbieter das Produkt Basiskonto auch bepreisen dürfen.

Kommentare zu " Interview: „Ein Bankkonto ist unentbehrlich“"

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  • Jeder der noch kein Bankkonto hat sollte sich hüten eins zu eröffnen! So gehört er nicht zu den dummen wo über nacht plötzlich feststellen müssen das etwas auf dem konto fehlt "enteignet für Europäischebankenrettung" für den Irrsinn EURO

  • Die Meinung von Herrn Fröhlich kann man nur unterstützen. Immer, wenn gesetzliche Regelungen umgesetzt wurden, zieht dies eine irrsinnige Bürokratie hinter sich her. Im Bankensektor, der hier wiederum betroffen wäre, würde dies eine Orga sowie deren Prüfung nach sich ziehen. Jedoch will dies der Verbraucher nicht bezahlen. Gesetzliche Regelungen und eine globale Gleichmacherei , wie z. B. im Bankensektor bei unterschiedlichen Bankensystemen, hat noch nie (außer Verteuerungen) zu den gewünschten Erfolgen geführt. Insofern sollte man das in der EU (ursprünglich gewollte) hoch gepriesene Subsidiaritätsprinzip eigentlich immer zuerst ziehen, wir hätten weniger als 50 % der heutigen Regelungen.
    Eine gesetzliche Regelung für den Zugang zu Bankkonten; das Beispiel SEPA lässt grüßen.

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