Interview Kaido Saar
„Bessere Konditionen braucht es gar nicht“

Die Festgeldzinsen der estnischen Bigbank waren schon mal höher. Vorstand Kaido Saar erklärt, warum er derzeit ohne Kampfkonditionen auskommt – und warum die Deutschen auch einer baltischen Bankengruppe vertrauen können.
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Seit gut einem Jahr sitzt der Este Kaido Saar im Vorstand der estnischen Bigbank. Die Bank vergibt Konsumkredite im Baltikum, in Finnland, Spanien und Schweden – und sammelt zu deren Finanzierung zusätzlich Einlagen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Dabei ist „Big“ die Abkürzung für „Baltische Investmentgesellschaft“, nicht etwa für „groß“. Dementsprechend bescheiden gibt sich Saar beim Interview auf der Stuttgarter Anlegermesse Invest zur künftigen Deutschlandstrategie und den Expansionsgelüsten der Bank.

Herr Saar, seit 2009 sind Sie als Direktbank auf dem deutschen Markt vertreten. Für ihre guten Konditionen wurden Sie in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet. Vor allem bei den kurzfristigen Zinsen haben mittlerweile aber andere die Nase vorn. Wollen oder können Sie nicht mehr ganz oben mitmischen?
Zunächst einmal: Auch heute bieten wir noch Zinsen für Festgelder verschiedener Laufzeiten, die über dem Marktdurchschnitt liegen. Bessere Konditionen braucht es derzeit aber gar nicht, denn wir wollen unser Geschäftsvolumen in Deutschland für den Moment stabil halten.

Sie wollen also keine Neukunden in Deutschland gewinnen? Das unterscheidet sie aber von den meisten Wettberbern.
Wir haben zurzeit etwas mehr als 5.000 Kunden in Deutschland mit Einlagen von rund 120 Millionen Euro, jährlich kommen ein paar Hundert Neukunden dazu – das ist gut. Letztlich stellt sich ja die Frage, warum wir überhaupt Festgeld anbieten. Wir brauchen es für das Konsumentenkreditgeschäft, unser Hauptgeschäftsfeld.

Das Geschäft läuft aber doch gut. Im abgelaufenen Jahr konnten Sie den Gewinn um 3,8 auf 10,8 Millionen Euro steigern. Derzeit decken die Einlagen die Kredite zu 90 Prozent. Wollen Sie ihr Kredit- und Einlagengeschäft denn nicht weiter ausdehnen?
Wir haben ja erst expandiert: Nach der Finanzkrise haben wir uns mit Spanien für einen großen europäischen Markt entschieden, später dann mit Schweden für einen Markt außerhalb des Euros. Irgendwann können wir sicher ein neues Land ins Auge fassen, vielleicht im nächsten Jahr.

Derzeit stehen 238,6 Millionen Euro Einlagen Krediten in Höhe von 261,4 Millionen Euro entgegen – die Deckungsquote liegt bei rund 90 Prozent. Gibt es denn ein Geschäftsvolumen, von dem Sie sagen würden, dass es die Bigbank nicht überschreiten sollte?
An sich nein. Aber wir müssen immer im Auge behalten, dass wir nur gemessen an unseren Möglichkeiten wachsen. Wir können nicht schneller wachsen als es unser Eigenkapital zulässt. Unsere Kernkapitalquote – das Verhältnis zwischen risikogewichteten Aktiva und Eigenkapital – liegt mit 28 Prozent höher als die der meisten Banken. Auch in der Zukunft wollen wird die Quote auf hohem Niveau halten.

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Keine Sorge um die Einlagen

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