Investmentgesellschaften verzeichnen hohe Nettozuflüsse
Rentenfonds entwickeln sich in Europa zum Verkaufsschlager

Das Geschäft der Investmentgesellschaften in Europa läuft glänzend. Sie werden in diesem Jahr voraussichtlich netto 260 Mrd. Euro an Kapital einsammeln. Das schätzt Feri Fund Market Information (Feri FMI). Dies wären die höchsten Absatzzahlen seit der Aufnahme der Datenerfassung durch das Londoner Researchhaus im Jahr 2001.

FRANKFURT/M. Damals lag der Absatz bei 154 Mrd. Euro. Auch der Anbieter Allianz Global Investors sieht die Branche nach mehreren schwachen Jahren – die Nachfrage war nach dem Platzen der Börsenblase eingebrochen – auf gutem Wege. Elizabeth Corley, Leiterin des Europageschäftes, erwartet, dass das Vermögen von rund 4000 Mrd. Euro um acht Prozent pro Jahr wächst. In fünf Jahren könnte es auf 5900 Mrd. Euro steigen.

Feri-FMI-Chefin Diana Mackay zieht ihren Optimismus aus den gerade ermittelten Zahlen für das erste Halbjahr 2005: „Der Absatz von Anteilen im Gegenwert von 156 Mrd. Euro übersteigt bereits jetzt den Vergleichswert für das gesamte vergangene Jahr von 134 Mrd. Euro.“ Branchenexperten machen mehrere treibende Kräfte für den Boom aus. „Altersvorsorge wird in ganz Europa ein großes Thema, und diese Gelder sind in Fonds gut aufgehoben“, sagt Jan Altmann, Vorstand der Beratungsfirma Funds at Work. Dabei spiele der große deutsche Markt in Europa eine wichtige Rolle: „Fonds profitieren etwa davon, dass die Steuervorteile der Lebensversicherungen zu Jahresbeginn abgeschafft wurden.“

Elizabeth Corley vom Vermögensverwalter Allianz, der in der europäischen Verkaufsstatistik den zweiten Platz belegt (s. „Top-Ten-Anbieter in der Halbjahresbilanz“), weist auf einen zweiten Faktor hin. Institutionelle Anleger entdeckten Fonds: „Sie bieten teilweise Vorteile bei den neuen Bilanzierungsrichtlinien, man kann außerdem auch mit kleinen Summen breit gestreut in Märkte einsteigen.“ Diese Möglichkeiten nutzen laut Corley immer häufiger Großinvestoren, unter anderem in Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz.

Ein weiterer Grund für den neuen Schwung beim Absatz ist laut McKinsey-Partner Martin Huber die verbesserte Grundstimmung für Investments – auch wenn die Risikoscheu weiter dominiere. „Die Anlagegesellschaften haben stärker am Kundenbedarf ausgerichtete, risikobegrenzende Produkte mit so genannten Absolute-Return- beziehungsweise Total-Return-Ansätzen entwickelt“, sagt er.

Huber weist damit auf die dramatisch veränderte Struktur der Nettozuflüsse hin. Früher standen die hochmargigen Aktienprodukte im Vordergrund. Jetzt werden vor allem Anleihen- und Geldmarktfonds verkauft – und mit denen verdienen die Anbieter auf Grund geringerer laufender Gebühren auch weniger.

Der Vergleich der aktuellen Verkaufszahlen mit denen aus dem ersten Halbjahr vergangenen Jahres illustriert den Wandel (s. „Anleihen machen das Rennen“). Der Nettoverkauf von Rentenfonds hat sich mit 71,9 Mrd. Euro mehr als vervierfacht, der Absatz der Geldmarktfonds sich mit 32,3 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Dahinter stehen in starkem Maße die erwähnten institutionellen Großanleger: „Sie entdecken Rentenfonds für ihr eigenes Liquiditätsmanagement und für Anlagezwecke“, sagt Corley.

Dagegen ist der Anteil von Aktienfonds mit 23,4 Mrd. Euro vom Nettoabsatz gesunken. Funds-at-Work-Experte Altmann kommentiert: „Die Gesamtzahlen sind erfreulich, aber die neuen Mittel bringen im Schnitt weniger Einnahmen.“ Huber von McMinsey ist etwas vorsichtiger. Die Hinwendung zu risikobegrenzenden Produktkonzepten hält er für weniger dramatisch, „weil beispielsweise Anleihefonds mit Total-Return-Ansatz nicht mit so niedrigen Gebühren versehen sind wie klassische Rentenfonds“. Für die Ertragslage der Gesellschaften in Europa ist er zuversichtlich: „2004 war bereits ein besseres Jahr als die drei vorhergehenden, und 2005 dürfte noch besser ausfallen.“

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