Kapitalflucht
Spanier bringen eilig ihr Geld in Sicherheit

Die Spanier haben offenbar das Vertrauen in ihre Regierung verloren. Im ersten Halbjahr schafften sie mehr als 200 Milliarden Euro über die Grenzen - und damit so viel wie niemals zuvor.
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MadridDie von der Bankenkrise beschleunigte Kapitalflucht aus Spanien hat im ersten Halbjahr einen neuen Rekordstand erreicht. Insgesamt 219,8 Milliarden Euro wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres aus Spanien abgezogen, wie die Zentralbank in Madrid am Freitag mitteilte. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Land noch einen Kapitalzufluss von 22,5 Milliarden Euro verzeichnet.
Allein im Monat Juni belief sich die Kapitalflucht auf 56,6 Milliarden Euro, gegenüber 41,4 Milliarden Euro im Vormonat. Im Mai war die Krise um die marode Großbank Bankia ausgebrochen, die vom Staat zur Sanierung ihrer Bilanzen 23,5 Milliarden Euro benötigt. Die Eurogruppe hat Spanien für die Rekapitalisierung der notleidenen Banken bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Es wird erwartet, dass die Regierung in Madrid im September die genaue Summe bekanntgeben wird, die sie davon beanspruchen will.

Derweil teilte die spanische Banken-Vereinigung (AEB) am Freitag mit, dass sich der Gesamtgewinn der in Spanien angesiedelten Banken im ersten Halbjahr um 51,7 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro verringert habe. Hintergrund seien die umfangreichen Rückstellungen für faule Immobilienkredite. Diese seien in den ersten sechs Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 64 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro gestiegen.
Die Uno warnt derweil vor den Folgen eines Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone.

Das würde zu einem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Europa führen. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in den 17 Staaten würde in diesem Fall um fast drei Punkte gegenüber dem Stand von Ende vergangenen Jahres auf 13 Prozent steigen, sagte der Chef der Prognoseabteilung der UN-Organisation für Arbeit (ILO), Ekkehard Ernst, der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag. In Deutschland würde Ernst zufolge die Arbeitslosenquote 2014 im Vergleich zu 2011 um gut 26 Prozent auf neun Prozent zulegen und über Jahre auf diesen hohen Niveau verharren. Besonders Jugendliche seien betroffen.

Aus der FDP wurde allerdings Kritik an der Studie laut. Er bezweifle, dass die ILO mehr über das genaue Ausmaß eventueller Ansteckungseffekte wisse als alle anderen, sagte Fraktionsvize Florian Toncar der Nachrichtenagentur Reuters. Aus seiner Sicht sei sehr unsicher, was nach einem "Grexit" passieren würde. "Das lässt sich seriös nicht auf die Nachkommastelle vorausberechnen."

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich danke dir Rechner. Deine agressive Art ohne wirkliche Argumente zu liefern, hat dich selbst disqualifiziert. Fakt ist: Ein Rückgang der dt. Target2-Salden gab es mindestens 13x in den letzten 5 Jahren. Trotzdem ist der Saldo in dieser Zeit von 100 Mrd. auf 700 Mrd. angestiegen. Das entspricht einem jährlichen mittlerem Wachstum von 47,6%! Und jetzt kommst du hier mit -0,2%, wo es dies a) schon mehrfach gab und b) völlig irrelevant im Vergleich zu den bisherigen Wachstumsraten ist. Tu mir bitte einen Gefallen: Informiere dich, auch über Stochastik und Normalverteilungen, Fehlerrechnung, etc. Dann wirst du einsehen, dass du dich hier nicht mit Ruhm bekleckert hast.

  • Definieren Sie 'mal "Pleite"! Ein Land ,das nur durch ständigen Zufluss von Fremdkapital zu Sanierungszinssätzen überleben kann ist mbE sowas von Pleite ...

    Der Kapitaldienst erdrückt alle. Oder einfacher "das Kapital" erdrückt alle.

  • 'danke_dir'
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    Wer hier öffentlich von sich gibt, dass ein "Drehen" schon bei einem Monat mit gerade mal -0,2% gegeben ist und jede andere Interpretation "Zocker-Jargon" wäre, der hat sich noch nie ernsthaft mit Stochastik auseinandergesetzt.
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    Ihre Behauptungen darüber, was ich angeblich "öffentlich von mir gegeben habe", sind falsch.

    TATSÄCHLICH habe ich gesagt:

    "Es zeigt eben, daß es im Juli keinen Zufluß von weiterem Geld nach Deutschland gab.

    Was zu dem alarmistischen Geschrei der Anti-Euro-Fundamentalisten nicht paßt.

    Ob es sich dabei jetzt um ein "Drehen" in Ihrem Zocker-Jargon handelt, ist mir ziemlich wurscht."

    ++++

    'danke_dir'
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    Ich hab den Schrott mal nebenher in meinem Studium büffeln müssen und kann dir sagen, dass Rechner, hätte er das auch getan, niemals so eine Aussage gemacht hätte.
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    Ausweißlich der Fehlschlüsse die sie aus Ihrer "stochastischen" Halbbildung ziehen sind Sie ein bemitleidenswertes Opfer der Bildungskatastrophe.

    Und ausweißlich Ihrer Unfähigkeit Texte der deutschen Sprache zu verstehen hätten Sie zu meiner Zeit nie eine Universität von innen gesehen.

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