Kolumne Nachgerechnet
Die mickrigen Renditen der Riester-Rente

Nicht viel besser als ein Sparstrumpf sei die Riester-Rente, kritisieren DIW und Friedrich-Ebert-Stiftung. Hohe Gebühren und intransparente Berechnungen zehrten an der Rendite. Wird da eine schöne Sache schlechtgeredet?
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DüsseldorfDie Riester-Rente steht in der Kritik. Zu Recht? Sicher ist, dass der Staat üppige Geschenke dazugibt, solange ein Sparer fleißig einzahlt - bis zum Rentenbeginn. Doch ob die angesparte Rente am Ende höher ist als beim Sparen auf eigene Faust, ist nicht ganz so sicher.

Eine Modellrechnung zur "Twinstar-Riester-Rente Invest" von Axa - ein zufällig herausgegriffenes Beispiel - kann das verdeutlichen. Zahlt ein Single dort 35 Jahre lang monatlich 103,84 Euro ein, bekommt er gleich schon mal direkt eine Zulage vom Staat in Höhe von 154 Euro im Jahr dazugeschenkt. Damit erhöht sich sein Monatsbeitrag auf knapp 117 Euro (1400 Euro im Jahr). Der Mann kann den vollen Jahresbeitrag auch noch von der Steuer absetzen, die Erstattung wird mit der Zulage verrechnet. Alles in allem bekommt er so viel Geld vom Finanzamt zurückerstattet, dass er am Ende vielleicht nur noch 77 Euro aus der eigenen Tasche bezahlt.

Entsprechend kann der Mann dann mit 65 auf eine ordentliche Rente hoffen. Denn über die Jahre, so rechnet Axa vor, würde sich bei einer Vermögensverzinsung von vier Prozent ein Guthaben von gut 87000 Euro ergeben. Und daraus bekäme er dann eine Zusatzrente von 363 Euro. Aus 77 Euro Sparbeitrag 363 Euro Rente gemacht - das lohnt sich doch, oder nicht?

Im Internet gibt es Zinseszinsrechner (z.B. www.zinsen-berechnen.de), die aufzeigen, was aus den Ersparnissen geworden wäre, wenn der junge Mann auf die Riester-Geschenke verzichten würde und bloß die 77 Euro monatlich bis Rentenbeginn anlegen würde. Da müsste er auch noch Abgeltungsteuer bezahlen. Dazugeschenkt bekäme er erst mal gar nichts. Doch - oh Wunder - sein Vermögen würde sich bei einem Zinssatz von ebenfalls vier Prozent über Jahre trotzdem stärker vermehren als mit dem Riester-Produkt. Denn die Abschlusskosten, Provisionen, Verwaltungskosten und andere Posten fressen in den ersten Jahren bei der Twinstar-Riester-Rente die Geschenke vom Staat komplett auf. Nach fünf Jahren hätte der Sparer mit seinen dürftigen 77 Euro schon 4860 Euro angehäuft. Beim RiesterProdukt wären es bloß 4074, fast 800 Euro weniger. Dabei wären dort schon 7000 Euro Beiträge geflossen.

Erst nach ungefähr zehn Jahren würde das Riester-Vermögen das Depot eines 77-Euro-Sparers überholen. Das Vermögen beim Solosparen läge allerdings später zu Rentenbeginn mit rund 63800 Euro weit abgeschlagen hinter dem Twinstar-Vermögen.

Doch nun kommt der große Haken: Der Staat will vom Riester-Rentner Geld wiedersehen. Der Twinstar-Sparer muss seine 363 Euro voll versteuern. Im Ruhestand hätte er vielleicht einen Grenzsteuersatz von 25Prozent. Und schon zurrt seine Zusatzrente auf 272 Euro zusammen. Hätte er dagegen die 77Euro selber angelegt, müsste er auch jetzt nur die Abgeltungsteuer bezahlen. Er könnte mit 283 Euro im Monat rechnen - bis er 97 Jahre alt ist. Er hätte netto mehr.

Natürlich sähe die Rechnung etwa bei einer geringverdienenden Familie mit drei Kindern anders aus - dann gäbe es mehr staatliche Zulagen. Aber in den Broschüren der Produktanbieter geht unter, dass sie die Hand mit aufhalten, solange die staatlichen Geschenke fließen. Die vollen Steuern auf die Rente jedoch muss der Sparer am Ende allein zahlen. Ich persönlich würde die Sache von einem Steuerberater prüfen lassen, bevor ich so eine Rente unterschreibe. Auf den Vertreter allein würde ich mich nicht verlassen.

Kontakt zur Autorin: hussla@handelsblatt.com

Kommentare zu " Kolumne Nachgerechnet: Die mickrigen Renditen der Riester-Rente"

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  • Respekt, Grenzsteuersatz von 25% im Rentenalter... Die meisten werden weniger haben.
    Wenn ich Geld zu 4% p.a. ohne Kosten anlege (wo geht das gerade risikolos?!)hätte ich übrigens 59.167 € Kapital nach Steuern (Freibeträge nicht berücksichtigt. Beim Riesterprodukt sind 95.529 € Kapital vorhanden, die dann noch versteuert werden müssen. Aber mal ehrlich, 40.000 € Steuern für einen Rentner...?! Außerdem schliesse ich das Langlebigkeitsrisiko bei Versicherungslösungen aus.

    Bitte liebes DIW und alle anderen, erst ehrlich rechnen, dann rumtrompeten! Danke!

  • Ich persönlich würde vor allem kritisch nachfragen, wo ich langfristig 4 Prozent Zinsen bekomme und was passiert, wenn ich doch älter werde als geplant und dann plötzlich mein selbst angespartes Geld "leer" ist. Wenn ich beide Fragen zufriedenstellend beantwortet habe: OK.
    Nebenbei bemerkt: Auch das Handelsblatt verdient doch wohl Geld bzw. "hält die Hand auf". Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum Versicherungen ihre Leistungen kostenlos anbieten sollten - dann gäbe es diese Leistungen nicht.

  • Ich habe nachgerechnet: Die Kapitalien stimmen! Aber nur die. Wir müssen lebenslange Renten ... mit lebenslangen Renten vergleichen! Bei der Vergleichsrechnung zum freien Sparen kommen bekanntlich 63.000 Euro heraus, die zu einer lebenslangen Rente von 190 Euro führen (63.000 / 10.000 x Rentenfaktor 30). Welcher Rentenfaktor in 35 Jahren tatsächlich gilt, wissen wir heute nicht! Das sich dadurch ergebende Rentenverhältnis ist 190/272 = 0,70, bezogen auf den Beitrag 77/117 = 0,66 ist es etwas schlechter. Die GENAUE Berchnung sollte also ein Versicherungsmath. Sachverständiger machen, der die exakten Rentenwerte kennt, ... nicht der Steuerberater!

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