Konten, Sparbuch und Depots
So spart die deutsche Mittelschicht

Es gibt sie noch, die Mittelschicht. Doch sie besteht aus unterschiedlichen Milieus, die bei der Geldanlage eine größere Rolle als das Einkommen oder die Bildung spielen. Ein Blick auf deutsche Konten und Depots.
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DüsseldorfMini-Zinsen? Anlagenotstand? Ganz egal, die Deutschen sind noch immer ein Volk der Sparer. Etwa neun Prozent ihres Einkommens legen sie zur Seite. Doch auch, wenn Sparpläne, Bausparverträge, Sichteinlagen die Anlagefavoriten sind, gibt es große Unterschiede bei den Sparstrategien. Eine Studie des Handelsblatt Research Institute (HRI) für Union Investment hat nun untersucht, welchen Einfluss Lebensstile auf das Sparverhalten haben. Im Fokus stand dabei die Mittelschicht, der noch immer etwa 60 Prozent der deutschen Haushalte angehören.

Ein Mitglied dieser Bevölkerungsgruppe ist in Deutschland im Schnitt 50 Jahre alt und hat ein monatliches Netto-Haushaltseinkommen von 2.368 Euro. Ein Drittel von ihnen sind Rentner. Insgesamt gilt: Mehr als die Hälfte legen monatlich einen festen Betrag zurück. Und sie sparen lieber kurz- als langfristig, also eher für die Urlaubsreise und für größere Anschaffungen als für den Lebensabend.

Doch homogen ist die Mittelschicht nicht. Es lassen sich fünf verschiedene Milieus unterscheiden: bürgerlich, traditionell, sozialökologisch, adaptiv-pragmatisch und hedonistisch. Das zentrale Ergebnis der Studie: Ähnliche Einkommensverhältnisse und ein ähnlicher Bildungsstand führen nicht automatisch zu einem ähnlichen Sparverhalten. Einen größeren Einfluss haben das Lebensalter und das soziale Umfeld. Im Detail unterscheiden sich die Sparer je nach Milieu so:

Traditionelle

Die Haushalte des traditionellen und gleichzeitig ältesten Milieus sind wirtschaftlich recht gut versorgt. Erreichtes soll bewahrt werden. Sie bevorzugen häufiger als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung sichere und liquide Geldanlagen wie Sparbücher, -konten und -briefe sowie festverzinsliche Wertpapiere.

Bürgerliche

Die bürgerliche Mitte kennzeichnet ein sehr stetiges und regelmäßiges Sparverhalten. Fast alle Sparformen sind verbreitet. Es werden überdurchschnittlich viele Kapitallebensversicherungen fällig und Bausparverträge frei. Damit stellt sich das Problem der Wiederanlage – bevorzugt in sichere Anlagen.

Sozialökologische

Ähnliches gilt für die Haushalte des sozialökologischen Milieus, das durch besonders viele Akademiker und Beamte geprägt ist. Hier wird breit vorgesorgt und der Immobilienbesitz ist überdurchschnittlich hoch. Auffällig ist der relativ hohe Anteil an Fondsbesitz.

Adaptiv-pragmatische

Die Haushalte des adaptiv-pragmatischen Milieus und die der letzten Gruppe, der Hedonisten, sind die jungen Milieus der Mittelschicht. Die Adaptiv-pragmatischen wollen ihre Kapitalanlagen optimiert wissen. Flexibilität ist Trumpf. Sie sind offen für Beratung und streben den Besitz von Immobilien an, die sie als Altersvorsorge sehen. Hinzu kommt ein überdurchschnittliches Interesse an Investmentfonds.

Hedonisten

Für die mehr spaßorientierten Hedonisten steht Wohlstandssicherung noch nicht im Fokus; Bildungssparen schon eher. Das Anlageverhalten ist wenig zielorientiert. Sie haben eine risikofreudigere Anlageneigung und interessieren sich für Börsendaten. Gemeinsam mit den Adaptiv-pragmatischen sind sie die potenziellen Aktiensparer von morgen.

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„Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander“

Kommentare zu " Konten, Sparbuch und Depots: So spart die deutsche Mittelschicht"

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  • Ich befürchte, dass das auch so bleiben wird, bis das Kind endgültig in den Brunnen gefallen ist.

    Bleibt festzuhalten:
    1) Im eigenen Land gilt der Prophet nicht viel ... (Volksmund)
    2) Die Dummen lernen aus den eigenen Fehlern, die Klugen aus den Fehlern der anderen. (Bismarck)

  • Es gibt jetzt sogar wieder eine Partei, die die Interessen der Mittelschicht vertritt, die AFD. Leider wählen immer noch zu viele Menschen aus der Mittelschicht ihre [...] CDU und SPD/Grüne.
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • ????

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