Kontoüberziehung
Welche Banken vor den Dispozinsen warnen

Banken sollen in Zukunft ihre Kunden über günstigere Alternativen zu den teuren Dispokrediten warnen. Einige Institute preschen vor und warnen vor den hohen Kosten der eigenen Produkte. Was Bankkunden wissen sollten.
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FrankfurtDie ersten deutschen Großbanken wollen ihre Kunden aktiv vor kostspieligen Konto-Überziehungen warnen. Sie kommen damit Forderungen der Bundesregierung und von Verbraucherschützern nach. Die Commerzbank druckt von Freitag an Warn-Hinweise auf ihre Kontoauszüge. Die Direktbank ING-Diba schreibt Kunden, die tief im Dispo stecken, vom 1. September an Briefe, in denen sie günstige Alternativen zur Überziehung des Girokontos anbietet.

Bundesjustizminister Heiko Maas begrüßte die Initiative der Commerzbank. „Es ist eine gute Entwicklung für Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn Banken ihren Kunden bei der Inanspruchnahme des Dispos einen Hinweis geben“, sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich hoffe, dass die Branche hier nachzieht.“

Maas hatte erst vor kurzem gefordert, Banken müssten ihren Kunden ein Beratungsgespräch anbieten, wenn diese über längere Zeit teure Dispokredite nutzen. Zugleich drang er auf mehr Transparenz der Banken bei den Dispokrediten: Die Höhe der Dispozinsen müsse auch im Internet vergleichbar sein.

Dispo- und Überziehungszinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird. Zunächst gewährt die Bank in der Regel einen Dispositionskredit - kurz: Dispokredit oder Dispo. Dieser ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozinssatz. Wird das Konto weiter überzogen, fallen Überziehungszinsen an. Diese liegen in der Regel mehrere Prozentpunkte höher.

Der SPD-Politiker setzt darauf, dass Bankkunden dann etwa auf Ratenkredite umsteigen. Mittelfristig werde es damit für die Banken schwerer, überzogene Dispo-Zinsen durchzusetzen. Diese liegen oft bei mehr als zehn Prozent. Im Koalitionsvertrag hatte die Koalition aus CDU/CSU und SPD bereits Warnhinweise und Hinweise auf günstigere Alternativen gefordert.

Gespräche von Maas mit Vertretern der Kreditwirtschaft ziehen sich allerdings schon Monate hin. Die Commerzbank preschte am Donnerstag vor: „Zu einer guten Beratung gehört, dass die Bank von sich aus ihre Kunden zum Thema Dispo-Zinsen anspricht“, sagte ein Sprecher des zweitgrößten deutschen Geldhauses.

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Hinweis auf dem Kontoauszug

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  • Typisch deutsches Ministerium; um die unwichtigsten Dinge wird sich zuerst gekümmert. Lieber sollte sich das Verbraucherministerium auf die Lebensmittelbranche stürzen und endlich die Fett - und Kalorienampelnpflichtanzeige einführen. Weiterhin sollte selbiges Ministerium sein Kollegenministerium anhalten, in den Schulen verstärkten Wirtschaftsunterricht einzuführen, damit die Allgemeinheit das System einfach mal kapiert; aber das ist scheinbar nicht gewünscht.

    Noch weiter gedacht: soll das Ministerium doch mal was für niedrige Steuern tun; dann haben die Leute eine kleine Chance mehr von ihrem Saldo runterzukommen und ... Banken leben von Dispozinsen; nicht von der Kontoführung.

    Noch weiter gedacht: warum vergibt die KfW nicht direkt Förderkredite?

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