Krankenkassen

Alte und Kranke benachteiligt

Wer jung und gesund ist, der ist beliebt bei den Krankenkassen. Diejenigen, die auf ihre Versicherung wirklich angewiesen sind, haben oft schlechtere Karten. Wie sehr Alte und Kranke diskriminiert werden.
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Hilfe im Alter: Die Krankenkassen halten sich zurück. Angeblich versuchten Mitarbeiter einer Kasse sogar, behinderte und chronisch kranke Menschen per Telefon zur Kündigung zu bewegen. Quelle: dpa

Hilfe im Alter: Die Krankenkassen halten sich zurück. Angeblich versuchten Mitarbeiter einer Kasse sogar, behinderte und chronisch kranke Menschen per Telefon zur Kündigung zu bewegen.

(Foto: dpa)

BerlinAlte und kranke Menschen werden in der gesetzlichen Krankenversicherung immer wieder diskriminiert. Das geht aus dem jüngsten Tätigkeitsbericht des Bundesversicherungsamtes hervor, den die Aufsichtsbehörde im Internet veröffentlicht hat. Danach benachteiligen die Kassen Versicherte mit hohem Kostenrisiko oft schon bei der Anwerbung. Daneben habe es aber auch Versuche gegeben, Ältere oder Kranke aus der Kasse herauszudrängen, heißt es in dem Bericht, aus dem zuerst die „Frankfurter Rundschau“ (Mittwoch) zitiert hatte.

Nach Darstellung der Behörde hatten Mitarbeiter einer Krankenkasse kurzfristig sogar versucht, behinderte und chronisch kranke Menschen am Telefon zur Kündigung zu bewegen. „Die dargestellte Verfahrensweise verstößt gegen grundlegende Prinzipien des Sozialgesetzbuches und wird der Verantwortung der gesetzlichen Krankenkassen gerade auch bei der medizinischen Versorgung von behinderten und chronisch kranken Menschen nicht gerecht“, rügt das Bundesversicherungsamt.

Scharfe Kritik übt die Behörde auch an der systemischen „Risikoselektion“ bei der Anwerbung von Versicherten. So habe eine Reihe von Krankenkassen mit ihrem Vertrieb Vereinbarungen mit dem Ziel abgeschlossen, vorrangig einkommensstarke und gesunde Versicherte zu akquirieren.

„Oft zahlen die Krankenkassen ihrem Vertrieb keine Prämien für das Werben von einkommensschwachen oder kranken Versicherten oder verlangen Prämien zurück, wenn die Neumitglieder höhere Krankheitskosten verursachen als erwartet“, heißt es in dem Bericht. „Hierdurch verstoßen die Krankenkassen gegen das Diskriminierungsverbot und das in der gesetzlichen Krankenversicherung zu beachtende Solidaritätsprinzip.“

Die Politik zwingt die Krankenkassen in den Wettbewerb
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10 Kommentare zu "Krankenkassen: Alte und Kranke benachteiligt"

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  • @ Tom

    Sie reden genauso Unsinn!
    Es gibt keine Soziale Gerechtigkeit in Deutschland!
    Und ohne Diese kann sich nun mal nicht jeder "hocharbeiten" oder studieren!

    Ausserdem finde ich 300t Euro im Jahr für einen Manager oder "Verkäufer" absolut ausreichend!
    Wer damit nicht auskommt ist selber Schuld!
    Na dann sollen doch diese angeblich "guten" Geschäftsmänner aus Deutschland verschwinden!

    Ich denke wir werden Sie nicht vermissen und es stehen schon genug Leute Schlange die gerne für dieses Geld arbeiten würden!
    Ausserdem halte ich das für ein Gerücht das nur Überbezahlte Manager, Verkäufer Angestellte oder Arbeitnehmer gute Arbeit leisten! Ich denke es ist genau umgekehrt! Es gibt genug Beispiele! Ron Sommer, Ferdinand Piëch usw. die Liste ist endlos lang!
    Ganz abgesehen von unseren Politikern!

  • Na das liegt doch auf der Hand woher die hohen Kosten in der gesetzlichen KV kommen nur redet niemand gerne darüber: Hier sind alle Familienmitglieder kostenlos mitversichert, Sozialhilfeempfänger und auch Asylbewerber oder auch Zuwanderer z.B. aus Rumänien etc, die nie eingezahlt haben. Das soll vom Mittelstand mitgetragen werden. Und die höheren Einkommen seilen sich bequem in die private KV ab. Hier stimmt einfach die Haushaltsrechnung nicht mehr. Man kann nicht mehr aus einer Kasse nehmen als einbezahlt wird. Anaonsten wird das System irgendwann "ver-amerikanisiert" werden und es wird nur noch der Krankenversichert werden der es sich leisten kann und alle anderen müssen dann sehen wie sie zurecht kommen ! Das gleiche droht bei den Renten und Sozialkassen Woher soll denn bitte schön das Geld kommen ? Das Konstrukt unserer Vorfahren funktioniert noch aber wie lange noch ? Wir bekommen immer weniger Kinder. Durch Zuwanderung etc. steigen dann die Bevölkerungszahlen, aber wer davon zahlt auch in das System ein ? Das kann nicht ewig gut gehen. Den Preis zahlen dann die schwachen.

  • Wie kann man in unserem Krankenkassensystem von Wettbewerb reden.
    Als GKV Versicherter zahlt man bei allen Krankenkassen den einheitlichen Beitragssatz 15,5% (14,9%). Die Leistungen der einzelnen Kassen sind eigentlich nur geringfügig unterschiedlich, anscheinend will man einen Wettbewerb untereinander andeuten.
    In der PKV ist man bei einer Gesellschaft gefangen, und Altersrückstellungen gehen flöten, wenn man wechselt. Oder ab Alter 55 Jahre kommt man aus PKV gar nicht mehr raus.
    PKV ist eine Beamtemversicherung, wird wohl deshalb am leben gehalten, die restlichen Versicherten können in jungen Jahren dort gut aufgehoben sein, im Alter kommt das Zähneknirschen.
    Mich wundert es nur, dass das Thema Gesundheitspolitik, Krankenkassen, Zweiklassenmedizin vor jeder Bundestagswahl große Wellen macht, jeder Experte die Schwachstellen zu kennen scheint, viele wissen dass das beide Systeme nicht gerecht ist, weil Solidarität von einigen sehr ausgenutzt wird. Oder Versicherte in finanzielle Nöte kommen. Nur wann wird das ganze endlich mal angepackt.
    Die FDP sieht nur die Stärkung der PKV.
    Die CDU will das die GKV gestärkt bleibt, lässt die PKV aber auch walten wie sie will.
    SPD/GRÜNE/LINKE wollen die Bürgerversicherung.
    Man kann sich nun vorstellen was kommen kann.
    Unter CDU/FDP wie will man sich da einigen. Ist schon eigenartig in einer Koalition solch unterschiedliche Standpunkte. Da bleibt wenig übrig für die Interessen der Versicherten.
    SPD/GRÜNE/LINKE Bürgerversicherung, da kann man ja PKV und GKV verpflichten dies anzubieten. Nur ist das sinnvoll????
    PKV abschaffen?????, GKV stärken!!!! Jeder soll einzahlen!!!!
    Wahl für jeden Bürger GKV oder PKV ohne Bedingungen. Dann könnte sich der Leistungunterschied der beiden mal in einem echten Wettbewerb definieren.
    Was der Gesundheitsminister Bahr vor hat, in PKV kann jeder, von PKV in GKV keiner ist der Witz des Jahres.

  • Ich denke, das liegt am Zusatzbeitrag und am Risikostrukturausgleich, der nicht alle Krankheiten und Kosten berücksichtigt. Hat eine Kasse überproportional viele kranke Versicherte, kann sie noch so gut wirtschaften, sie rutscht in die roten Zahlen und muss den Zusatzbeitrag einführen. Dann laufen ihr die gesunden Mitglieder weg. Ist doch logisch, dass sich der Vertrieb wie bei der PKV nur um gute Risiken kümmert. Das muss sich wieder ändern! Wettbewerb ja, aber nicht um junge, gesunde und gutverdienende Mitglieder, sondern um Qualität und Leistungen! Hier ist die Politik am Zug, aber was will man von einem FDP Gesundheitsminister, der nur seine PKV Klientelpolitik im Auge hat, anderes als Nichtstun erwarten!

  • @hanspella:Sie reden Unsinn und beteiligen sich an einer Neiddebatte des kleinen Mannes. Jeder gute Verkaeufer hat 300 Tausend im Jahr und bloss weil sie es nicht haben, heisst das nicht, dass es andere nicht verdienen. Jemand, der fuer tausende Mitarbeiter Verantwortung treaget ist mit dem Betrag verhaltnismaessig unterbezahlt. Bezahlen sie noch weniger, gehen die guten Leute alle in die freie Wirtschaft. Falls sie es besser und billiger machen koennen, machen sie es doch. Aendern sie das System ! Studieren sie Sozialversicherungsrecht, bilden sie sich fort, arbeiten sich hoch, halten sie Reden von hunderten von Leuten etc. Hier rumlabern wirkt ziemlich lahm.

  • Ich bin der Meinung unser gesamtes Krankenkassensystem funktioniert nicht richtig. Sowohl PKV als auch GKV haben nur ein Ziel, und das bedeutet immer mehr Gewinne machen. Wieso spricht der Staat von gesetzlicher Krankenkasse und Solidarität wenn er es zulässt dass die schwächsten, und das sind nun mal in der Regel die Alten so im Regen stehen lässt. Man wird mit zunehmendem Älter kränker und hat auch nicht mehr die hohen Einkünfte. Während nun die GKV versucht bei älteren durch Leistungskürzungen oder Verzicht Kosten zu sparen, erhöht die PKV drastisch die Beiträge. Es bringt in Deutschland wenig, wenn sich die beiden Gruppen GKV und PKV gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben, und beide auf dem Fortbestand in der jetzigen Form bestehen. Jeder sollte eine bezahlbare Grundversorgung zu bezahlbaren Tarifen erhalten können. Mir leuchtet in dem jetzigen System nicht ein, was das nebeneinander von GKV und PKV für einen Sinn macht. Da ja GKV auch Igel Leistungen anbietet und die PKV auch den GKV Standard anbietet, sucht man die eigentlichen Vorteile von beiden. Wenn der Unterschied sich beschränkt auf Handschlag vom Chefarzt oder Einbettzimmer, oder für schnellere Termine beim Arzt, dann muss man sich doch fragen warum braucht es dann eine PKV. Diese Unterschiede dürften eigentlich im Sinne von Gleichberechtigung, Diskriminierung, Menschenrechte gar nicht auftreten. Das dann noch ein Arzt für PKV Versicherte den mehrfachen Gebührensatz abrechnen darf für gleiche Leistungen ist eigentlich paradox.
    Da sieht man doch das die PKV nur den Sinn hat den Privilegierten ihr Ego zu befriedigen, und gleichzeitig den Ärzten hohe Mehreinnahmen zu gewähren. Die Berechtigung für PKV dürfte nur für Mehr-, oder Zusatzleistungen gerechtfertigt sein.
    Wo macht es Sinn, das PKV Versicherte den Mehrpreis zahlen müssen, ohne die Versicherung verlassen zu können.
    Auch die GKV müsste dringend mal erklären, wer von dem solidaritätssystem alles profitiert.

  • Dies ist die kalte Fratze des Kapitalismus. Da wünsche ich mir schon ausgleichende Gerechtigkeit.
    Ich rate jedem Krankenversichertern zu einer Absicherung für den Rechtsfall und bei der geringsten Kleinigkeit zu qualifizierten Widerspruch und einlegen von Rechtsmitteln. Danke Frau Ulla Schmidt von der SPD.

  • @ hellboy
    Prinzipiell stimme ich Ihren Ausführungen zu. Der Begriff
    "Nächstenhass" geht dann doch etwas daneben.
    Die Personalkosten der GKV`s müssen reduziert werden und zwar mit aller Gewalt.
    Ein Vorstandsvorsitzender einer GKV, der letzendlich nur
    Beitrage einsammelt, und kein wirtschaftliches Endprodukt herstellt, braucht keinesfalls bis zu 300.000,00 € in Worten: DREIHUNDERTTAUSEND EURO jährlich, nur weil er Mitgliederbeiträge verteilt. Dies gilt auch für seine Mitarbeiter. Schon wäre ausreichend Geld vorhanden. Aber dies ist politisch n i c h t gewollt!!

  • Die Entwicklung ist kein Wunder für eine immer assozialer werdende Gesellschaft!
    Dabei geht der Nächstenhass Hand in Hand mit dem immer schneller und ausgeprägter werdenden Konsumrausch der Bürger!
    Bürger die an das assoziale gewöhnt sind wählen eben dies auch eine solche Regierung und finden an politisch gewollten Diskriminierungen von Sozialschwachen und Randgruppen auch nichts Schlimmes!
    Unsere Gesellschaft verkommt ohne das es den meisten bewust wird und das ist vom System gewollt!

  • Das Problem ist nicht die Tatsache, dass Krankenkassen in den Wettbewerbgezwungen würden. Das Problem ist eher, dass die Regeln unlauteren Wettbewerb erzwingen.
    Es macht bei den Gesetzlichen keinen Sinn individuelle zusätzliche Gesundheitsrisiken für die Kassen zum Wirtschatsrisiko zu machen. Offensichtlich ist der Risikostrukturausgleich unzulänglich.

    H.

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