Krankenversicherung

Privatversicherte müssen deutlich mehr zahlen

Die privaten Krankenversicherer erhöhen ihre Beiträge in diesem Jahr drastisch. Vor allem Männer sind betroffen, sie zahlen bis zu 13 Prozent mehr. Was Versicherte tun können und welche Tarife günstig bleiben.
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Die Kosten für den privaten Versicherungsschutz steigen. In den vergangenen zehn Jahren verteuerten sich die Beiträge im Schnitt um 200 Euro. Quelle: ZB

Die Kosten für den privaten Versicherungsschutz steigen. In den vergangenen zehn Jahren verteuerten sich die Beiträge im Schnitt um 200 Euro.

(Foto: ZB)

DüsseldorfWer eine private Krankenversicherung abschließen möchte, muss in diesem Jahr deutlich mehr zahlen. Im Schnitt steigen die Beiträge gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen von 3500 PKV-Tarifen.

Die steigenden Beiträge sind für Versicherte fatal. Im Schnitt verteuerten sich die Prämien in den vergangenen zehn Jahren um rund fünf Prozent per anno. Vor allem steigende Kosten für Behandlungen und Medikamente sorgen für inflationäre Beiträge. „Auch in Zukunft dürften die Beiträge steigen“, sagt Martin Zsohar, Aktuar und Geschäftsführer bei Morgen & Morgen.

Die für die Branche vorteilhafte Öffnung der PKV für Versicherte mit niedrigeren Einkommen bringt bislang noch keine Entlastung. Die Versicherungspflichtgrenze sinkt 2011 auf 49.500 Euro. Das Bruttoeinkommen der Versicherten muss nur noch in einem statt in drei Jahren oberhalb dieser Versicherungspflichtgrenze liegen. Vor allem junge Versicherte können daher leichter wechseln. Diese Zielgruppe ist wegen der niedrigeren Krankheitskosten bei den Gesellschaften begehrt.

Vor allem Männer müssen mehr zahlen

Von den Preissteigerungen sind männliche Versicherten besonders betroffen. Die Beiträge für einen Mann stiegen in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 5,67 Prozent pro Jahr. Bei Frauen liegt der Anstieg nur bei 4,29 Prozent. „In Zukunft dürften die Beiträge für Männer aufgrund der Einführung von Unisex-Tarifen überproportional steigen“, sagt Zsohar.

Bislang zahlen vor allem junge Männer im Schnitt weniger, weil sie geringere Krankheitskosten verursachen. Ab 2013 müssen Versicherer unabhängig vom Geschlecht Unisex-Tarife anbieten. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden (Rechtssache C-236/09). Die bislang übliche Berücksichtigung des Geschlechts als "Risikofaktor" für Versicherungsbeiträge sei diskriminierend und deswegen ungültig.

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8 Kommentare zu "Krankenversicherung: Privatversicherte müssen deutlich mehr zahlen"

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  • "per anno"

    Das ist Banausenlatein. Per annum ist korrekt, auch pro anno ist möglich.

  • Der Beitrag ist vollkommen veraltet!
    Wir haben inzwischen Juni! Nicht Januar!

  • Gruß Dad

  • Hallo 123456789 die Beiträge für Neukunden setzen sich pauschal aus den kalkulierten Krankheitskosten, dem gesetzlichen Zuschlag, den Kosten und den RFB (Rückstellung für Beitragsrückerstattung) zusammen. Aus diesen RFB-Kapitalstock wird meines Wissens einerseits Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit bezahlt und bei einer Beitragserhöhung eine Art sofortbeginnende Rente, damit anstehende Erhöhungen der Beiträge nicht voll durchschlagen bzw. ganz wegfallen. Neukunden haben natürlich noch keinen Kapitalstock, sieht aber wegen der höheren Prozentwerte im Artikel besser aus.

  • Die Aussage: Beamte profitieren vom Dienstherren bei der privaten Krankenversicherung, zeigt nur wieder eines auf: Eine Unkenntniss von den Arbeitsverhältnissen von Beamten!
    Beamte sind auch unselbstständig Beschäftigte, der Unterschied zu den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsnehmern besteht darin, dass der Arbeitgeber bei denen einen Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung zu leisten hat, bei den Beamten gibt es einen Zuschuss zur Krankenversorgung, die sogenannte Beihilfe. Diese deckt ungefähr den Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung ab. In Einzelfällen stellen die Beamten sich aber schlechter, z. B. gibt es in der PKV keine kostenlose Mitversicherung von Familienangehörigen, die Zuschüsse des Dienstherren (Beihilfe) gleichen dies aber nicht aus.

    Im übrigen wird Beamten ein Eintritt in die gesetzliche KV de facto verwehrt, da der Dienstherr nicht die 50%-Arbeitgeberbeteiligung übernimmt, jeder Beamter müsste sich in der GKV zu 100% selber versichern (übrigens einkommensunabhängig zum Höchstsatz).

  • Der Glaube, dass die private KK nur Gesunde hat, beruht auf Nichtwissen, wofür zahlen die denn sonst? Dass nur Alte in der Gesetzlichen sind, ist genauso daneben gegriffen, ich gehörre zu den Alten. Aber ich habe in bitterer Erfahrung meiner gesetzlich versicherten Mutter dafür GEARBEITET, einmal soviel zu verdienen, um in die Private zu kommen und gelernt, um meine Gesundheit besorgt zu sein (Nichtraucher, Nichttrinker). Das Geld nicht für billige Heftpflaster, Nasentropfen, und läppische Kopfwehtabletten zu vergeuden, sondern dann die Kasse zu nutzen, wenn ich KRANK war! Dazu kommt, dass durch die Vorauszahlung der Kleinrechnungen der KK enorme Kosten im Adminbereich eingespart bleiben. Das könnte die gesetzliche genauso handhaben, zumindest einen Teil über die Steuererklärung verrechnen lassen! Es ist das Bewusstsein, was die Privatversicherten an den Tag legen und nicht das "Rausholprinzip" der Nichtwisser, die in der gesetzlichen KK landen und Abmagerungskuren oder Gymnastikkurse brauchen statt normalen Sport zu betreiben. Jede Gemeinde hat heute einen Turnverein, das kostet Peanuts spart aber viel Geld bei der KK.

  • Der ganze Kram funktioniert doch nur für die 10% weil die anderen 90 % nicht die Möglichkeit des Wechsels in die Privaten haben. Die Kranken und Alten bleiben schön in den Gesetzlichen. Spitze Zungen könnten das System und die Nutzer auch als asozial bezeichnen.

  • Was bedeutet: "Wer eine private Krankenversicherung abschließen möchte, muss in diesem Jahr deutlich mehr zahlen. Im Schnitt steigen die Beiträge gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent." Zahlen also nur Neuverträge 4,9 % mehr? Wieviel zahlen Bestandsverträge mehr?

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