Lebensversicherung im Zinstief
Versicherer Zurich kauft Ramschanleihen

Der weltweite Anlagenotstand im Zinstief verlangt den Versicherern einiges ab. Die Zurich investiert jetzt in Hochzinsanleihen. Auch vor Papieren mit schlechten Ratings schreckt der Versicherer nicht zurück.
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Nachdem die Europäische Zentralbank mit ihren Anleihekäufen die Renditen von Qualitätspapieren in den negativen Bereich gedrückt hat, müssen viele Versicherer reagieren. Die Zurich Versicherung reiht sich jetzt unter den Gesellschaften ein, die Hochzinsanleihen und -kredite kaufen.

„Wir sind bereits in den meisten Sektoren des Anleihemarktes investiert - Unternehmensanleihen, Anleihen von Finanzinstituten, Kommunalanleihen und Asset-Backed-Bonds“, sagte Cecilia Reyes, als CIO seit 2010 verantwortlich für die Kapitalanlagen bei der größten Schweizer Versicherung in Zürich. „Wir sind aber noch nicht ganz im Bereich unterhalb von Investmentgrade. Aber das ist der Bereich in den wir nun hineingehen werden, um ein umfassendes Engagement im Anleihemarkt zu bekommen.“

Zurich, mit einem Anlagevolumen von 205 Milliarden Dollar, folgt Versicherungen wie Italiens Assicurazioni Generali und investiert in Junkbonds, nachdem die sinkenden Zinsen die Erträge von Anlagen, die sicherer sind, aufzehren. Analysten, darunter Thomas Seidl von Sanford C. Bernstein in London, haben gewarnt, dass die quantitative Lockerung der EZB, die auf dem Ankauf von Staatsanleihen basiert, zur Bildung von Blasen an den Anleihemärkten führen kann, und Versicherungen, die traditionell die größten Käufer von Anleihen sind, diesen Prozess antreiben werden.

Niedrigere Renditen auf festverzinsliche Anlagen haben zu einem Rückgang um 20 Prozent beim Gewinn für das vierte Quartal auf 858 Millionen Dollar bei Zurich beigetragen. Die Versicherung werde nun mit der Allokation eines sehr kleinen Betrags des Anleiheportfolios auf das Hochzinssegment beginnen, hauptsächlich im Rating-Bereich „BB“ und „BB-“, sagte Reyes.

Gewinne aus dem Verkauf von Anleihen und Aktien im Volumen von drei Milliarden Dollar im vergangenen Jahr haben dazu beigetragen, dass der Anlageertrag bei Zurich von 3,5 Prozent 2013 auf 4,5 Prozent gestiegen ist.

Reyes zufolge entfallen auf Festverzinsliche 80 Prozent der Kapitalanlagen der Versicherung, davon sind rund 40 Prozent Anleihen. Die neue Anlagepolitik mit Junkbondinvestments bedeute auch, dass keine Investmentgrade-Anlagen verkauft werden müssen, wenn deren Ratings in den Hochzinsbereich abgesenkt werden, sagte Reyes.


Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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