Lebensversicherung
So ärgern Sie Ihren Versicherer

Es ist ein Aufruf der Extraklasse: Ab sofort können Versicherungskunden die Auszüge ihrer Lebenpolicen an die Verbraucherzentrale Hamburg schicken. Man will unter anderem testen, wie sehr Niedrigzinsen zu Buche schlagen.
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DüsseldorfAlle Jahre wieder flattert Kunden einer Lebensversicherung ungeliebte Post ins Haus: der aktuelle Wertauszug der eigenen Lebenpolice, auch genannt: Standmittelung. Kunden finden darin Dinge wie Rückkaufswerte, Überschussbeteiligungen, Dynamisierungen. Irgendwo wird – sollte es sich um eine Rentenversicherung handeln – auch die Rente ausgewiesen, mit der der Versicherte zum aktuellen Zeitpunkt in der Zukunft bei Rentenbeginn rechnen kann.

Seit Jahren sind diese Standmitteilungen für Lebensversicherte mehr Frust als Lust. Denn die Bescheinigungen sind nicht nur lang und unverständlich, sondern unterm Strich bleibt auch immer weniger Rente. Schuld daran sind nicht zuletzt die Niedrigzinsen, die es Versicherern schwieriger machen, angemessene Renditen auf den garantierten Sparbeitrag eines jeden Kunden zu erwirtschaften. Und so bald wird sich an der Entwicklung auch nichts ändern: Analysehäuser gehen davon aus, dass sich die laufende Verzinsung der Lebensversicherer in den kommenden Jahren weiter nach unten bewegt.

Die Kombination aus Intransparenz und schwindendem Output hat jetzt auch die Verbraucherzentralen auf den Plan gerufen. Einen großen Vorstoß übt jetzt die Verbraucherzentrale (VZ) Hamburg. Sie hat Versicherungskunden auf ihrer Internetseite aufgerufen, ihre Standmitteilungen samt Versicherungsschein in Kopie einzusenden. Sie sollten möglichst bis 2007 zurückreichen, um Entwicklungen der Überschüsse, aber auch der Darstellung über die Zeit auch nachvollziehen zu können.

Die Verbraucherzentrale Hamburg will dann auswerten, wie sich etwa Niedrigzinsumfeld und die jüngsten Reformen auf die Leistung der Lebensversicherung auswirken. Doch auch die Art und Weise, wie Informationen aufbereitet und dargestellt werden, schauen sich die Verbraucherschützer an. „Bisherige Schreiben enthalten uneinheitliche und zum Teil verwirrende Informationen“, sagt VZ-Chef Günter Hörmann. Sein Ziel ist es, bis zum Frühjahr 2016 Vorschläge für eine Muster-Darstellung machen zu können.

Die Verbraucherzentrale Hamburg ist nur eine von mehreren Verbraucherzentralen, die im Projekt der „Finanzmarktwächter“ mitwirken, das die Bundesregierung unter Federführung von Verbraucherschutzminister Heiko Maas im Oktober an den Start gebracht hatte. Im Fokus der Finanzmarktwächter stehen unfaire Vertriebsmethoden, mangelnde Aufklärung der Kunden, ineffiziente Produkte oder Störungen im Wettbewerb. 

Sara Zinnecker
Sara Zinnecker
Handelsblatt online / Redakteurin

Kommentare zu " Lebensversicherung: So ärgern Sie Ihren Versicherer"

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  • "Lebensversicherung - So schwärzen Sie Ihren Versicherer an"

    Hier hat das Handelsblatt einen sehr eigenwilligen Wortschatz, wenn es von "anschwärzen" spricht, weil einer die Policen "nachrechnen" will.

    Wenn die Redaktion bei dieser Wortwahl bleibt, dann wissen wir auch wie der Hase läuft!

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