Lebensversicherungen
Regierung will Garantiezins abschaffen

Die Deutschen lieben Sicherheit, sie hängen an der garantierten Verzinsung bei der Lebensversicherung. Doch ab 2016 will die Regierung keinen Mindestzins mehr vorgeben. Was das für die Kunden bedeutet.

Berlin/FrankfurtEs war viele Jahre das Verkaufsargument für Lebensversicherungen: Ein staatlich garantierte Zins auf den Sparanteil der monatlichen Prämien. Mehr als 90 Millionen Policen gibt es in Deutschland – mehr als das Land Einwohner hat. Doch die anhaltenden Niedrigzinsen haben es für Versicherer im ganzen Land schwieriger gemacht, die Zinsen zu erwirtschaften. Auch eine schrittweise Senkung der Garantie auf 1,25 Prozent scheint nicht auszureichen, die Probleme in den Griff zu kriegen.

Die Bundesregierung gibt jetzt Geleitschutz. Sie will die Mindestverzinsung für die meisten Lebensversicherer zum 1. Januar abschaffen. Grund sind laut einer Sprecherin des Finanzministeriums die neuen europäischen Eigenkapitalvorschriften (Solvency II), die ab 1.1.2016 für die großen Versicherer gelten werden. Fortan würden die Rückstellungen, die Versicherer bilden müssten, um ihre Verbindlichkeiten an die Kunden zu bedienen, nach diesen Vorgaben berechnet. Der bisherige Höchstrechnungszins werde mit dem neuen Regelwerk „für den Zweck der Aufsicht nicht mehr benötigt“, sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums.

Der Höchstrechnungszins, umgangssprachlich auch Garantiezins genannt, ist der maximale Zinssatz auf das eingezahlte Kapital, den die Versicherer ihren Kunden über die ganze Laufzeit des Vertrages fest versprechen dürfen. Er wurde bisher verbindlich vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Man wollte bei Einführung vermeiden, dass Versicherer sich im Wettbewerb um die höchsten Garantien übernehmen, die Versicherer also „vor sich selbst schützen“.

Nun fällt diese Begrenzung nach oben weg. Gibt es also bald wieder einen Wettbewerb um die besten Garantien? Das dürfte nicht passieren. Zwar können Versicherer „trotz des Wegfalls des Höchstrechnungszinses weiterhin Garantieversprechen abgeben“, wie eine Sprecherin des Finanzministeriums klarstellt. Sie müssen allerdings sehen, dass sie sich an die „Solvency II“-Anforderungen halten. Lebenslange Garantien, wie sie jahrzehntelang üblich waren, müssen künftig stärker mit Eigenkapital unterlegt werden – sind für Versicherer also teurer.

Die wenigsten düften sich also an höhere, starre Garantien heranwagen. Wahrscheinlicher ist es, dass das Spektrum an Policen ohne und mit flexibleren Garantien größer wird. In dem Bereich hatte sich im vergangenen Jahr einiges getan. Zuletzt hatten sich immer mehr Lebensversicherer, wie Ergo, Talanx und Generali von klassischen Lebensversicherungen mit langfristigen Garantien abgewandt.

Der Schweizer Versicherer Baloise hatte gar einen Teil des deutschen Lebensversicherungsbestands an eine Abwicklungsgesellschaft verkauft. Der unangefochtene Branchenprimus Allianz Leben rechnet angesichts niedriger Zinsen mit einer nachlassenden Nachfrage nach klassischen Policen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%