Lebensversicherungen
Versicherer wollen Provisionen geheim halten

Die Verbände machen mobil: In einer abgestimmten Aktion möchten Versicherer, Vertreter und Gewerkschaften verhindern, dass Kunden in Zukunft die Provisionen der Vermittler erfahren. Verbraucherschützer sind empört.
  • 29

DüsseldorfNormalerweise sind sich die Verbände von Unternehmen, Vertrieblern und Gewerkschaften nicht immer grün. Wenn es um sinkende Vergütungen für den Außendienst geht, keilen die Vertreter der Versicherungsvermittler gerne gegen die Branche. Gewerkschaften machen spätestens dann mobil, wenn es um Jobs, Urlaub und Geld geht. Und die Ziele der Lobbyisten der Krankenversicherer decken sich nicht immer mit denen des Gesamtverbandes aller Versicherer.

Nun veröffentlichen gleich neun Interessenvertretungen aus dem Umfeld der Versicherer eine gemeinsame Stellungnahme. Was ist passiert, dass unter anderem der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft, der Bundesverband der Assekuranzführungskräfte, der Gewerkschaft Verdi und der Bundesverband der Versicherungskaufleute Seit an Seit schreiten?

Die Bundesregierung plant im Zuge des neuen Lebensversicherungsreformgesetzes die Offenlegung der Provisionen im Vertrieb unter anderem von Lebenpolicen. Kunden könnten dann erfahren, welche Abschlussprovision der Vermittler von der Gesellschaft erhält. Diese Transparenz möchten die Verbände verhindern.

„Einvernehmlich warnen wir aber vor der jetzt geplanten Offenlegungspflicht für Abschlussprovisionen“, schreiben die Verbandspräsidenten. „Die Neuregelung verleitet nicht nur zu falschen Schlussfolgerungen bei der Produktauswahl des Kunden, sondern sie tangiert die bedarfsgerechte Beratung“.

Die Stellungnahme von neun Verbänden zum Download

Nicht nur das Argument, dass Kunden, die die Provision des Vermittlers kennen, nicht mehr in der Lage sein sollen eine persönlich vorteilhafte Produktentscheidung zu treffen, treibt die Verbände um. Wenn die Provisionen transparent würden, seien auch „zahlreiche Arbeitsplätze bedroht“. Und es kommt noch schlimmer: „In Folge dieser geplanten Veränderung wird die Versorgung der Menschen mit bedarfsgerechten Produkten, die der Altersvorsorge und der Absicherung von Risiken dienen, gefährdet“.

Diese Argumentation bringt die Verbraucherschützer auf die Barrikaden. „Jetzt zeigt die Branche ihr wahres Gesicht“, sagt Lars Gatschke, Referent Versicherungen vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Auf Podiumsdiskussionen erklären sie immer für einen fairen Wettbewerb der Vergütungssysteme, jetzt möchten sie eben diese verhindern“.

Seite 1:

Versicherer wollen Provisionen geheim halten

Seite 2:

„Märchen", „Jenseits von Gut und Böse“

Kommentare zu " Lebensversicherungen: Versicherer wollen Provisionen geheim halten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Transparenz? Man will den Kunden aufzeigen, dass z.B. ein Altersvorsorgeprodukt Geld kostet. Wofür? Geld für die Beratung/Produktauswahl (sofern vernünftig und seriös geschehen) und die Verwaltung. Hier greifen auch die Direktversicherer zu. Kostenlos sind auch deren Produkte nicht, sondern günstiger. Man kann also vielleicht Geld sparen. Klingt erstmal gut, aber man kann sich schnell in der Produktauswahl irren, weil es z.B. nicht Flexibilität, Teilentnahmen oder Hinterbliebenenabsicherung etc. abdeckt. Vielleicht muss das günstige Produkt wieder storniert werden. Das sieht der Verbraucher erst später. Ein Vermittler hingegen sollte in der Lage sein, aufbauend auf der Bedarfs- und Wunschanalyse provisionsunabhängig zu beraten. Dass das nicht immer so gelebt wird, ist unumstritten. Ist aber kein Phänomen der Versicherungsbranche sondern der modernen Wirtschaft, egal ob Jeansverkäufer oder Fensterbauer. Es gibt keinen Grund warum eine Beratung kein Geld kosten sollte. Die Kosten der LVs werden bereits ausgewiesen. Nur noch die reinen Abschlussprovisionen für den Vermittler will man ausweisen. Hier könnte irrational entschieden werden. Die Provisionsdeklaration ändert nichts an den Kosten, die bisher ohnehin anfielen. Der Fokus liegt nun darauf, was mein Gegenüber verdient. Geiz ist Geil Mentalität: sparen bis der Arzt kommt. Geld anhäufen gerne, Geld abgeben und sich solidarisch verhalten Nein Danke. Somit liegt das Problem nicht in der Provisionsdeklaration, sondern an dem ganzen System und die Würdigung dessen, was erbracht und geleistet wird. Das Thema kann man bis zum Versagen ausdiskutieren. Fakt ist aber, dass dieser Schritt nicht dienlich sein wird, auch den Kunden nicht. Und Fakt ist auch, dass die Vergleichsportale i.d.R. von Finanzkonzernen gekauft und gesteuert werden, aber auch das weiß in der Regel niemand. Auf den ersten Blick sieht es informativ aus, also greift der Laie zu.. Fazit: Debatte über ein Symptom, nicht aber über die Ursache.

  • richtig, sowas braucht kein Mensch!!!! In Zeiten von Internet sind auch 95% der Versicherungsvertreter überflüssig, weil zumindest gut informierte Kunden sich die relevanten Informationen und Produkt-Vergleiche auch bequem und übersichtlich online beschaffen können. Und so ist es ja auch nicht verwunderlich, dass bei objektiven Vergleichen meist Versicherungen am besten abschneiden, die auf Vertreter und Strukturvertriebe gleich ganz verzichten und damit ihren Kunden die gleiche Leistung für viel weniger Geld anbieten können....

  • Haha.. - Versicherungs-Vertreter jetzt auch noch mit Ärzten zu vergleichen in puncto Aus- und Fortbildung. Die Verzweiflung muß schon groß sein!!! Obwohl dieser Vergleich schon absurd genug ist - er hinkt auch deshalb, weil es gar nicht primär darum geht, ob der Vertreter kompetent oder inkompetent ist. Es geht darum, dass es einen gewisse nachvollziehbare "Neigung" gibt, den Kunden diejenigen Produkte anzudrehen, bei denen der Vertreter am meisen verdient. Diese Neigung befällt gut-qualifizierte Vertreter wahrscheinlich genauso oft wie schlecht-qualifizierte Vertreter und ist ja auch nur menschlich. Nur ist es nicht mehr als fair, dass die Kunden dann eine Chance haben zu erkennen, wieso unbedingt die Versicherung XY das angeblich "beste" Produkt sein soll. Und wenn es - natürlich gaaaaanz zufälligerweise - das Produkt mit der dicksten Provision für den Verkäufer ist, dann können sie sich ja ihren Reim drauf machen. Aber gerade davor hat die ganze Branche offensichtlich höllische Angst!! Warum nur - einem "so top qualifizierten Vertreter" sollte es doch leicht fallen, seinen Kunden trotzdem zu überzeugen, wenn er denn gute Argumente für das teure Produkt hat..

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%