Lebenszyklus-Fonds
Vorsorge muss sich nach dem Alter richten

Mit der Frage, wie sie für ihr Alter vorsorgen sollen, beschäftigen sich die wenigsten Menschen gerne. Das Dumme nämlich ist: Kaum hat man sich für eine Variante der privaten Vermögensbildung entschieden, kommt man in einen neuen Lebensabschnitt und braucht eine andere Lösung.

HB DÜSSELDORF.Der einfachste Grund hierfür ist die verbleibende Zeit bis zur Rente - je kürzer sie wird, umso weniger Risiko wollen Anleger bei ihrem Kapitalaufbau eingehen. Wer seine Rente erst in 30 Jahren benötigt, kann sorglos alle Chancen am Aktienmarkt nutzen. Wer jedoch noch in diesem Jahrzehnt in den Ruhestand tritt, sollte eine andere Anlagestrategie wählen. Damit die Vorsorgefrage nicht zum Dauerbrenner wird, bieten einige Fondsgesellschaften wie Dit, DWS oder Fidelity ihren Investoren so genannte Lifecycle- oder Target-Fonds an. Das Prinzip ist einfach: Der Anleger wählt entsprechend seinem Alter oder dem anvisierten Rentenantritt ein Produkt, das einen bestimmten Lebenszyklus durchläuft. Dabei wird das Fondsportfolio im Laufe der Zeit vom riskanten, renditeträchtigen zum risikolosen Investment umgeschichtet: von Aktien mit hoher Renditeerwartung über Hochzinsanleihen, sichere Staatsanleihen und Geldmarktpapiere bis hin zu liquiden Mitteln, die das aufgebaute Vermögen erhalten und Schwankungen vermeiden sollen.

Der Vorteil solcher Fonds für den Anleger ist: Er braucht sich um die Umschichtung seines Kapitals nicht selbst zu kümmern. Das läuft automatisch, allerdings nicht starr vorherbestimmt. Richard Skelt, Fondsmanager der Fidelity Target Fonds in London, erklärt den Unterschied: "Würde ein Investor sich von vornherein fest vornehmen, seinen Aktienfonds nach zehn Jahren gemäß des eigenen Lebenszyklus selbst umzuschichten und nach weiteren fünf Jahren alle Fondsanteile zu verkaufen, um in Staatsanleihen zu investieren, würde er den Bewegungen der Kapitalmärkte damit nicht Rechnung tragen. Das kann gefährlich werden." Im Gegensatz dazu würden die Fidelity Target Fonds zwar in Abhängigkeit der Restlaufzeiten gemanagt, aber mit Spielraum, "so dass wir die aktuellen Gegebenheiten an den Finanzmärkten berücksichtigen können", sagt Skelt.

Für Johannes Hasselmeier, Geschäftsstellenleiter bei MLP in Frankfurt, ist das nicht gut genug. Er ist überzeugt, die optimale Altersvorsorge in verschiedenen Lebensabschnitten muss nicht nur die verbleibende Zeit bis zur Rente berücksichtigen, sondern eine Reihe von Faktoren wie den Familienhintergrund, die berufliche Situation, das Gehalt und die Steuerbelastung eines Anlegers. "Das kann ein Produkt alleine gar nicht leisten. Leider denken viele Menschen bei der Altersvorsorge sehr produktbezogen und weniger in übergeordneten Konzepten", weiß Hasselmeier aus seiner Beratungspraxis. Welche Elemente geeignete Konzepte für verschiedene Altersgruppen berücksichtigen sollten, macht er an drei Beispielen klar: "Ein Single ohne Kinder, der jünger als 30 Jahre ist, sollte anfangen, kleine Beträge zu sparen, denn nichts ist für die spätere Rente so effektiv wie der Zinseszinseffekt über viele Jahre. Viel wichtiger aber ist die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit", sagt Hasselmeier. Schließlich müsse der junge Mensch sein Geld erst einmal verdienen, bevor er es zurücklegen könne.

"Im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, wenn die Familiengründung ansteht, ist der Hinterbliebenenschutz ganz zentral. Denn bei der Altersvorsorge geht es nicht nur um die eigene Versorgung, sondern auch um die des Partners", sagt Hasselmeier. Was das Sparen angeht, werde die Nachsteuerrendite immer wichtiger, denn die Einkünfte würden in diesem Lebensabschnitt steigen und damit auch die Steuerbelastung. Riester- und Rürup-Rente böten hier wichtige Förder- und Steuersparmöglichkeiten. Und auch für die Gruppe der über 50-Jährigen lohne sich der Einstieg in die Altersvorsorge noch. "Allerdings lassen sich dann die Versäumnisse nicht nachholen, wenn man in jüngeren Jahren überhaupt nichts gespart hat, auch wenn vielleicht größere Beträge eingezahlt werden können." Hasselmeier geht hier mit den Ansätzen der Lifecycle- und Target-Fonds konform: Je kürzer die verbleibende Zeit bis zur Rente ist, umso kleiner sollte das Risiko bei der Geldanlage sein - und umso geringer auch die Renditeerwartung.

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