Leitfaden für eine tragfähige Rente
Vorsorgen und flexibel bleiben

Das Wort klingt unschön: Altersvorsorge. Wer will schon ans Alter oder an Vorsorge erinnert werden? So haben sich viele Menschen in meist unsinnige Kapital-Lebensversicherungen, andere in überteuerte Ost-Immobilien geflüchtet; einige verdrängen das Thema beharrlich. Dabei ist eine schrittweise Planung alles. Die Frage nach dem renditestärksten Produkt steht dabei weit hinten. Ein Leitfaden.

DÜSSELDORF. Schritt eins: Bestandsaufnahme. Wie hoch sind Einkommen und Ausgaben, welche Vermögenswerte sind vorhanden? Das Gehalt ist bekannt. Doch wo das Geld hinwandert, weiß die Mehrheit nicht so genau, wie Peter Sachs von der Finanzberatung Vogelsang und Sachs in Bad Homburg beobachtet. Er rät, ein Haushaltsbuch zu führen. „Da erleben die meisten eine Überraschung“, sagt er. Ausgaben für Kleidung, Essen gehen oder unwichtige Dinge würden oft unterschätzt.

Posten, die nur einmal im Jahr fällig sind, wie etwa Versicherungen oder die Stromabrechnung, geraten ganz in Vergessenheit. Aus den Daten lässt sich erkennen, wo noch Sparpotenzial besteht und wie viel insgesamt auf die hohe Kante gelegt werden kann. Faustregel: drei bis sechs Monatsgehälter müssen für Notfälle jederzeit ohne Kursverluste abrufbar sein. Auch das Geld für Urlaub oder größere Anschaffungen muss auf dem Konto sein.

Ohnehin dürfen Sparer nicht nur für das Alter planen. Heirat, Studium der Kinder, eigene Berufspläne, wie etwa der Schritt in die Selbstständigkeit, gehören mit in die Kalkulation.

Schritt zwei: Versorgungslücke berechnen. Als Grobrechnung ist dieser Schritt unverzichtbar. Was bringt die gesetzliche Rente, was die betriebliche, was die Lebensversicherung? „Dabei sollten die konservativsten Ansätze gewählt werden“, sagt Michael Huber vom VZ-Vermögenszentrum in München. Der Bedarf sollte dagegen großzügig kalkuliert werden. Oft werde dabei die Inflation vergessen, warnt Huber. Auch wenn sich im Lauf eines Lebens viel ändern könne und die Bedarfsprognose mit Sicherheit falsch sei, sei die Kalkulation wichtig: „Dann gibt es schon mal einen Anhaltspunkt. Später kann die Rechnung immer wieder korrigiert werden.“ 75 Prozent seiner Kunden unterschätzten die notwendige Sparleistung, sagt er.

Wenn die Einkommenslücke im Alter feststeht, geben spezielle Rechner im Internet einen Hinweis auf die notwendige Sparleistung – zu finden beispielsweise auf der Webseite des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, (» www.dia-vorsorge.de) In komplexeren Fällen errechnet das ein unabhängiger Finanzberater.

Schritt drei: Bestandsaufnahme der vorhandenen Vermögensposition. Jetzt erst kommt die Produktauswahl ins Spiel. Einen Kardinalfehler stellen Finanzberater immer wieder fest: Sparer denken nicht genug darüber nach, welche Produkte zu ihrer Situation passen. „Wir finden meist ein Sammelsurium von Verträgen vor, die Bankberater oder freie Vertreter in ungeordneter Reihenfolge dem Sparer aufgeschwatzt haben“, sagt Sachs. Da kauften junge Singles eine Wohnung als Anlageobjekt, die sie über viele Jahre bindet und die mit ihren Zinsen und Tilgungen das gesamte frei verfügbare Gehalt auffrisst. Oder ein junger Angestellter schließe zur Riester-Rente und zur Betriebsrente noch eine Kapital-Lebensversicherung ab. Anleger vergessen gerne, dass Berater, die ihren Dienst kostenlos anbieten, ja meist kräftig an den Provisionen verdienen. Bei einer Kapitallebensversicherung etwa gehen häufig zehn bis 15 Prozent der eingezahlten Beiträge für Vermittlung und Verwaltung drauf.

„Besonders vorsichtig sollten Anleger bei Immobilienanlagen sein“, meint Sachs. Angesichts der schrumpfenden Bevölkerung sei es wenig wahrscheinlich, dass die Preise in Zukunft kräftig anzögen, die Rendite sei damit eher mager. Größter Nachteil einer Immobilie: Sie bindet Kapital über viele Jahre. Sachs, der auch Rechtsgutachten bei Fehlberatungen erstellt, erinnert sich an einen besonders krassen Fall: Eine 74-jährige, alleinstehende Dame wurde überredet, ihr gesamtes Geld in eine Immobilienanlage mit einer Laufzeit von mindestens 20 Jahren zu stecken. „Viele Fälle gehen in diese Richtung“, sagt Sachs.

Seite 1:

Vorsorgen und flexibel bleiben

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%