Mehr Milliardäre
Die unendlich Reichen werden noch reicher

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung ist noch reicher als gedacht. Neue Zahlen zeigen, dass Milliardäre bei Umfragen bewusst tief stapeln. Ein weiteres Geheimnis: Mit viel Geld kann man viel Geld verstecken.
  • 21

WashingtonDer Reichtum des wohlhabendsten Prozents der Weltbevölkerung ist im wahrsten Sinne des Wortes unermesslich. Staaten gehen dadurch Milliarden an Steuergeldern verloren und es wird immer schwieriger, verlässliche Daten zur Ungleichheit weltweit zu gewinnen.

Wie aus zwei unabhängig voneinander veröffentlichten Studien hervorgeht, wird der Wohlstand der Superreichen zu gering eingeschätzt. Ein Teil ihrer Reichtümer ist in Steueroasen versteckt; zudem antworten die Milliardäre nicht auf Umfragen, wie aus den Untersuchungen von Philip Vermeulen, einem Volkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) beziehungsweise von Gabriel Zucman von der London School of Economics hervorgeht.

Werden Einkommensdaten um vergleichbare Unzulänglichkeiten bereinigt, dann zeigt sich nach einer Analyse der Weltbank, dass fast der gesamte zwischen 1998 und 2008 erzielte Fortschritt beim Abbau des Ungleichgewichts zwischen Arm und Reich weltweit zunichte gemacht wurde.

„Wir haben schon immer geahnt, dass das reichste Prozent zu niedrige Zahlen angibt“, sagt Volkswirt und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der Verfasser des Buches „Der Preis der Ungleichheit: Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht“. „Immer mehr sind der Überzeugung, dass unser System manipuliert und unfair ist.“

Wenn die tatsächlichen Ausmaße von Wohlstand und Einkommen nicht richtig erfasst werden können, wird es Volkswirten und politischen Entscheidungsträgern schwer gemacht, das Ungleichgewicht zu verstehen und damit umzugehen. So könnten beispielsweise andere Steuerstrukturen eher durchzusetzen sein, wenn bekannt würde, dass Einkommen und Vermögenswerte stärker konzentriert sind, sagt Zucman.

„Wenn wir nicht richtig erkennen, wie die Welt aussieht, fällt es auch schwer zu sagen, wie sich eine bestimmte Maßnahme auswirken könnte“, erläutert Carter Price, Mathematiker am Center for Equitable Growth in Washington, das sich mit Themen der wirtschaftlichen Ungleichheit beschäftigt. „Auch zurückblickend ist es schwer, Auswirkungen von Maßnahmen zu bestimmen.“

In den USA hielten die Reichsten der Reichen - die obersten 0,1 Prozent mit einem Nettovermögen von mindestens 20 Millionen Dollar - im Jahr 2012 23,5 Prozent des Gesamtvermögens der Amerikaner, sagt Zucman. Er war zuvor von 21,5 Prozent ausgegangen, fügte dann jedoch Schätzungen für im Ausland versteckte Gelder hinzu.

Umfragedaten zu den Superreichen insgesamt fallen ebenfalls zu niedrig aus, schreibt Vermeulen in seinem Bericht vom Juli. Das oberste Prozent hielt seinen Nachforschungen zufolge im Jahr 2010 35 bis 37 Prozent des Vermögens – die US-Notenbank geht von lediglich 34 Prozent aus.

Kommentare zu " Mehr Milliardäre: Die unendlich Reichen werden noch reicher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Reichen werden immer reicher? Eine Binsenweisheit für wirklich Informierte!! Gerade in diesem Staate mit den weltweit höchsten Steuern und Abgaben, verbunden mit einem kryptischen Steuersystem, das in Punkto Transparenz an 67. Stelle weltweit rangiert (Weltbank „Paying Taxes 2008), gerade Mal vor dem Königreich Buthan, wo man seine Steuererklärung vom Astrologen fertigen lässt: Dieses Steuersystem sei die größte kapitalistische Schweinerei, die ihm jemals begegnet sei, urteilt ein schwedischer Nationalökonom nach gründlichem Studium. Diese Konstellation hat sich besonders bezahlt gemacht nach Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung (hat sie Kohl deshalb 1988 mit Mitterrand im Tausch gegen die deutsche Einheit ausgehandelt?) und der Manipulation des Kapitalmarktes durch den Übervater der EU- Kommission, Mario Draghi, in der Art der US-amerikanischen Group – 30 - Tradition des Rockefeller- Clans („Inside Jobs“ von Charles Ferguson). Und so ist es gar nicht verwunderlich, wenn die Politik zur Ruhigstellung der Angepassten immer mehr Schulden anhäuft, die sich bis jetzt schon auf mehr als 300% BIP oder 80% des gesamten Inländischen Nettovermögens (einschließlich nachhaltiger Schulden wegen der „Sozialen Sicherheit“- so wie sie Generationenforscher in Bochum und Freiburg feststellen) türmen und gleichzeitig der Anteil der „Reichen und Schönen“ an der Tilgungslast von 36% auf jetzt nur noch 19% rasant sinkt. Wenn man sich das Spiel der Politik mit den Angepassten ansieht, gewinnt man den Eindruck eines Systems des politischen Islamismus: Man verspricht den Angepassten die 1000 Freuden des Paradieses und „wer früher stirbt, ist dann glücklicherweise länger tot“. – Mutti macht´s auch gut – gelle? Wird das aber die AfD mal ändern? Wollen wir doch sehr hoffen!!!

  • "Der Bund gibt derzeit jährlich 500 Milliarden für Pensionen aus, bis 2050 steigt die Pensionslast auf 2 Billionen. Auch das müssen die sogenannten Gutverdiener erwirtschaften."

    Was Sie sagen, ist nicht ganz falsch, jedenfalls unvollständig.

    Die 500 Milliarden kommen, vom Staatsschuldenmachen mal abgesehen, zum geringen Teil von den Gutverdienenden direkt, sondern von _A_l_l_e_n_, auch von den Geringverdienenden und den Hartzern, wenn sie Brötchen kaufen (MWst), beim Autofahren (Mineralöl) oder Fernsehen (Strom).

  • "Dagegen kann man eigentlich nur eins tun - "Oben" die Kapitalmenge kappen und wieder in den Fluss bringen. Oder sehen Sie das anders? Wenn ja, was ist Ihr Ausweg aus der Misere?"

    Was Sie sagen, ist nicht ganz falsch, jedenfalls unvollständig. Reichtum besteht doch nicht nur aus Geld (Kapital). Sondern Wertgegenstände, Immobilien, Ackerland, Aktien ... Der einzige Ausweg aus dieser Misere ist deren Überführung in das Eigentum aller, nicht deren Verstaatlichung, sondern direkte Zuteilung und Überschreibung an alle Privathaushalte.
    Eine Alternative wäre ein Fonds, aus dem das BGE Bedingungslose Grundeinkommen bezahlt wird. Auch die relativ wenigen Reichen können dann ein BGE erhalten, damit keine Neiddebatte seitens der Reichen aufkommt ;-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%