Milliardäre
Die unbekannten Reichen aus Afrika

Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es bis zu 200 versteckte Milliardäre, die in Zukunft zum Vorschein kommen könnten. Viele von ihnen sind in andere Länder gezogen, um ihren Wohlstand zu bewahren.
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„Es gibt dort eine Menge versteckten Wohlstand“, sagte Mobius. „Von Dangote hört man, aber es gibt dort unter Umständen 200 Weitere mit vergleichbaren Ressourcen, von denen wir nichts sehen. Die Schattenwirtschaft ist sehr groß.“

Aliko Dangote, der reichste Afrikaner, hat sein Vermögen in diesem Jahr um drei Mrd. Dollar auf 13 Mrd. Dollar gesteigert, wie aus dem Bloomberg Billionaires Index hervorgeht. Er profitiert nicht zuletzt von dem kräftigen Wirtschaftswachstum des Kontinents. Die Wirtschaft Afrikas wird in den nächsten fünf Jahren jährlich um durchschnittlich sechs Prozent wachsen, erklärte Moody's Investors Service am Mittwoch. Voraussetzung sei, dass Europa, der wichtigste Handelspartner, in diesem Zeitraum zwischen null und zwei Prozent zulege.

Dangote kontrolliert Dangote Group, eines der größten Konglomerate des Kontinents. Die Gruppe umfasst börsengehandelte Geschäftsbereiche in den Bereichen Zement, Zucker, Mehl und Salz und macht etwa ein Drittel des Marktvolumens der nigerianischen Börse aus. Viele der reichsten Afrikaner verfügen allerdings nicht über börsengehandelte Unternehmen, sagt Mobius. Ihr Vermögen ist daher schwer einzuschätzen.

„Es ist deutlich, dass diese überaus wohlhabenden Menschen damit beginnen werden, ihren Wohlstand legitimieren zu wollen, indem sie an die Börse gehen. Indem sie ihre Vermögenswerte zusammentun, ein Unternehmen bilden und es dann am Aktienmarkt listen“, sagte Mobius. „Viele dieser Menschen sind nach London oder in andere Länder geflohen, um ihren Wohlstand zu bewahren. Aber dies wird immer schwieriger, wegen der Maßnahmen gegen Bestechung und all der anderen Dinge, die in den USA und in anderen Teilen der Welt vor sich gehen.“

Ein Großteil des „versteckten Wohlstands“ sei in der Bergbaubranche zu finden, erläuterte der Vermögensverwalter. Dangote beispielsweise erklärte im Mai, dass er in den nächsten vier Jahren 7,5 Mrd. Dollar im Bergbau und anderen Branchen investieren „müsse“.

Mobius selbst prüft zurzeit den Kauf von Aktien kenianischer Banken, wobei er am meisten an Instituten interessiert ist, die Kreditkarten herausgeben, Sparkonten eröffnen und Geldtransfer-Dienste anbieten können.

Die Möglichkeit von Ausschreitungen im Vorfeld der im nächsten Jahr in dem Land anstehenden Wahlen sei kein bedeutender Aspekt, meint er. Im Jahr 2007 hatte ein umstrittener Wahlausgang zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt, die zwei Monate angehalten hatten. In ihrem Verlauf waren mehr als 1000 Menschen getötet worden.

„Die allgemeine Ansicht ist zurzeit, dass sie ihre Lektion gelernt haben“, sagt Mobius. „Ich sehe das nicht als ein großes Ding an.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Wie zuträglich für den ehrenwerten Dangote, daß er zumindest in Nigeria auf Unterstützung der Politik bei der Beibehaltung von Importverboten (Mehl, Nudeln) oder der (wirtschaftlichen) Beseitigung von Konkurenten zählen kann, da man ja mit dem Ex-Präsident ein gutes Verhältnis pflegt... (http://thestreetjournal.org/2011/09/wikileaks-cable-obasanjo%E2%80%99s-unfair-advantage-to-dangote-harmed-nigerian-american-markets/)
    Da ist das prophezeite und wenn überhaupt nur ölfinanzierte Wirtschaftswachstums Afrikas eher unwichtig... Dangotes Lebensmittel kauft zwangsläufig jeder arme Nigerianer, die reichen können sich ja vernünftige, schwarz importierte Sachen leisten.
    Tolle Berichterstattung, HB!

  • Marc Dugge, Leiter des ARD-Hörfunkstudios Nord und Westafrika hat im März 2011 unter dem Titel “Kaviar in Afrika” den Reichtum auf dem Kontinent des Hungers untersucht. Er schätzt, dass in Afrika 100.000 Millionäre und zehn Milliardäre leben.Die Schätzung von Mobius von 200 Milliärden trifft m.E. eher zu. Aliko Dangote investiert immerhin mit allen Risiken in Afrika.
    Warum immer mehr zusammengerafft wird erläutert der ehemalige Präsidentenberater im Senegal, Mamadou Bamba N’Diaye: “Alles steht meistens auf tönernen Füßen. Jemand kann sehr reich sein-und wenn er stirbt, fällt alles in sich zusammen. Wir sind eine Konsumgesellschaft. Es fällt uns nicht leicht etwas aufzubauen. Alle die sie umgeben konsumieren. Sie müssen viel produzieren, um das auszugleichen. Der Reichtum hält meist nicht lange an.”
    Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

  • wer kennt wohl den Unterschied "um drei Milliarden auf..." zu "von drei Milliarden auf..."
    Auch im Handelsblatt wird mit großen Beträge geschludert ... wie in der schmerzhaften Wirklichkeit des Lebens.

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