Mobiles Bezahlen Alternativen zum Bargeld haben es in Deutschland schwer

Die Deutschen lieben Bargeld und nutzen selten mobile Bezahldienste. Die beliebtesten Apps und warum sie in Deutschland scheitern.
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So sieht es in der Praxis aus. Quelle: Vodafone
Mobiles Payment

So sieht es in der Praxis aus.

(Foto: Vodafone)

An Deutschlands Supermärkten herrscht an den Kassen eine einmalige Geräuschkulisse: Es klimpert und zischt. In China, Indien aber auch in Schweden und Dänemark hören Kunden völlig andere Geräusche. Ein ziehen und piepen. Der Grund: Hierzulande stochern die Kunden in ihren Portmonees nach Münzen und Geldscheinen, die Kassierer sortieren sie in ausgefahrene Kassenfächer und schieben sie danach zurück.

In Asien und den beiden skandinavischen Ländern hingegen zücken viele Kunden ihr Smartphone aus der Hosentasche hervor und bezahlen, indem sie es an ein Lesegerät halten oder den Betrag in Echtzeit überweisen. Möglich machen das sogenannte Mobile-Payment-Apps. Nutzer dieser Apps verbinden ihr Bankkonto oder ihre Kreditkarte mit dem Smartphone. Mittels QR-Code, Zahlencode oder Internetlink können dann Überweisungen getätigt werden.

Das mobile Bezahlen wird immer wichtiger. In Asien verbreitet es sich rasend schnell, da viele ein Smartphone besitzen aber keinen PC. Außerdem halten sich die Sicherheitsbedenken der Nutzer in Grenzen. Laut dem Marktforschungsinstitut Gartner haben 2017 über 141 Millionen Menschen im asiatischen Raum Mobile-Payment-Anwendungen genutzt – so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt.

In Europa waren es gerade einmal knapp 63 Millionen. Und die Deutschen im speziellen pflegen ein inniges Verhältnis zum Bargeld. Nach Angaben der Bundesbank werden hierzulande über 70 Prozent der Transaktionen bar abgewickelt. Doch das könnte sich künftig ändern. Dazu später mehr.

Für viele Deutsche wirkt das mobile Bezahlen bislang wie Science-Fiction. Etliche Restaurants akzeptieren noch nicht einmal Kartenzahlungen. Und wer in Deutschland abends ohne Bargeld dabei zu haben ausgeht, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Trockenen sitzen. Auf die Idee per App zu bezahlen kommen daher nur sehr wenige.

Laut einer aktuellen Deloitte-Studie haben 96 Prozent der Deutschen noch nie mit dem Smartphone bezahlt. Das kann man nun auf zweierlei Weise bewerten. Bewertung eins: Die Deutschen können mit Mobile Payment nichts anfangen. Bewertung zwei: Mobile Payment hat in Deutschland noch riesiges Potenzial.

Letzteres glauben zahlreiche Start-ups und Banken, die alle eigene Payment-Lösungen anbieten. Im App-Store von Apple oder Android kommen die populärsten deutschen Apps von neun verschiedenen Anbietern.

Paydirekt, Cringle, Lendstar – viele Anbieter, kein Standard

Eine von ihnen ist „Paydirekt“, eine gemeinsame Entwicklung deutscher Banken und der Sparkassen, gedacht als Konkurrenzprodukt für den US-Bezahldienst Paypal. Seit 2017 gibt es eine dazugehörige App, mit der Geldbeträge an Kontakte aus dem eigenen Telefonbuch, also im Peer-to-Peer-Verfahren, verschickt werden können. Dafür wählt der Nutzer einen Kontakt aus und tippt den Geldbetrag ein, den er überweisen will.

Bis hierhin ist es einfach, danach aber wird es kompliziert. Denn das Geld fließt nicht sofort an den Empfänger. Stattdessen erhält dieser zunächst einen neunstelligen Code per SMS und eine Aufforderung die Paydirekt-App herunterzuladen. Nach der Installation hat der Empfänger die Wahl sich zu registrieren oder das Geld auch ohne Registrierung zu erhalten. Dafür müsste der Empfänger dann aber in der App den Code eintippen, seinen Namen und seine IBAN.

Und es wird noch vertrackter: Denn obwohl zahlreiche Banken Paydirekt angebunden haben, verfolgen sie jeweils eigene Projekte im Bereich Mobile Payment. So bieten die Sparkassen ihren Kunden das Bezahlen über das Smartphone durch Paydirekt nicht an, weil sie ihre eigene App „Kwitt“ stärker vermarkten wollen. Mit der können Sparkasse-Kunden Beträge bis zu 30 Euro ohne die Eingabe einer TAN überweisen.

Ein Sprecher des Deutschen Sparkasse- und Giroverbandes berichtet stolz von 700.000 registrierten Usern. Wie viele die App auch wirklich nutzen, will er nicht verraten. Nur so viel: Jedes Jahr würden zwei Millionen Transaktionen getätigt.

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