Nachgefragt
„Die Quellensteuer kostet Rendite“

Sieben Fragen zum Thema Quellensteuer an Martin Lausterer, Experte für Steuerrecht bei Linklaters.

Im Ausland gezahlte Quellensteuer können Anleger häufig zurückfordern. Warum?

Deutschland hat mit vielen Ländern so genannte Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Diese sollen vermeiden, dass Anleger ihre Erträge zweimal versteuern müssen – in ihrem Heimatland sowie in dem Land, in dem der Konzern seinen Hauptsitz hat.

Welchen Anteil kann der Anleger zurückerstatten lassen?

Die Quellensteuer wird beispielsweise bei Dividendenzahlung direkt von der Ausschüttung abgezogen. Hat ein Anleger Aktien eines Schweizer Unternehmen und erhält hierfür 10 000 Euro Dividenden, muss das Unternehmen an den Schweizer Fiskus beim derzeitigen Quellensteuersatz von 35 Prozent 3 500 Euro abführen. Nur den Rest erhält der Anleger. Bei seinen deutschen Steuern werden ihm nach dem Doppelbesteuerungsabkommen aber stets nur 15 Prozent Quellensteuer angerechnet. Das Finanzamt rechnet also so, als hätte der Anleger in der Schweiz nur 1 500 Euro gezahlt. Nach dem deutschen Halbeinkünfteverfahren muss der Anleger in Deutschland 5 000 Euro – genau die Hälfte der Dividendenzahlung – versteuern. Bei einem für die Rechnung leicht vereinfachten Spitzensteuersatz von 50 Prozent wären also 2 500 Euro fällig. Auf diese werden aber nur 1 500 Euro der bereits gezahlten Quellensteuer angerechnet. Insgesamt zahlt er also 3 500 Euro Steuern in der Schweiz und 1 000 in Deutschland. Da ihm in Deutschland aber nur 15 Prozent Quellensteuer angerechnet wurden, kann er von der Schweiz die zu viel bezahlten 20 Prozent zurückfordern – also 2 000 Euro. Insgesamt liegen seine Steuern dann bei 2 500 Euro.

Gilt diese Regelung für alle Ländern?

Nein, ausschlaggebend ist stets, ob zwischen dem jeweiligen Land und Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Zudem erheben nicht alle Staaten eine Quellensteuer, viele zwar für Inländer, manche aber nicht bei Ausländern. Bei Unternehmen, die ihren Sitz in Großbritannien haben, müssen deutsche Anleger beispielsweise gar keine Quellensteuer auf die Dividenden zahlen.

Sind die Quellensteuersätze in allen Ländern einheitlich?

Die Sätze schwanken mitunter recht enorm. Die Schweiz liegt mit 35 Prozent an der Spitze. In den meisten anderen Ländern liegen die Werte zwischen 20 und 25 Prozent.

Sind die Rückerstattungen kompliziert?

Der Vorgang ist von Land zu Land unterschiedlich. Mitunter sind die Prozesse zeitaufwendig, aber machbar. Wer natürlich sein Geld auf viele Unternehmen in unterschiedlichen Ländern verteilt, muss mit ein paar Stunden Arbeit rechnen. Aber ansonsten kann die Quellensteuer durchaus einen Großteil der Dividendenrendite kosten.

Kosten diese Anträge Geld?

Für die Rückerstattung wird von den meisten Staaten keine Gebühr erhoben. Da manchmal aber auch Banken und andere Dienstleister die Anträge ausfüllen und die Schreibarbeit übernehmen, kann dies durchaus etwas kosten.

Gibt es Sonderregeln für Unternehmen, die sich an ausländischen Gesellschaften beteiligen?

Ja. Unternehmen mit größerem Anteilsbesitz sind bei der Quellensteuer in den meisten Ländern besser gestellt als Privatpersonen. Oft verzichten die jeweiligen Behörden gleich bei der Ausschüttung der Dividende auf die Quellensteuer. Eine Rückerstattung ist dann erst gar nicht erforderlich.

Die Fragen stellte Patrick Mönnighoff.

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