Nachgerechnet
Wenn die Rente nur bis 73 reicht

Mit einer Rücklage von 400 Euro pro Monat wollten vier Kinder für einen sorgenfreien Lebensabend ihrer Mutter sorgen. Doch die niedrigen Zinsen machen einen Strich durch die Rechnung. Das Geld ist sehr bald aufgebraucht.
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DüsseldorfMan könnte meinen, 400 Euro im Monat für die Altersvorsorge müssten reichen, um später sorgenfrei in Rente zu gehen. Der Fall eines Lesers hat mich eines Besseren belehrt. Er hat geschrieben, er wolle zusammen mit seinen drei Geschwistern für die Rente der Mutter sparen. Die Mutter verdiene nur 1000 Euro netto im Monat, als Küchenhilfe. Alle Kinder haben studiert, jetzt wollen sie je 100 Euro für sie zurücklegen. „Wie sollen wir das Geld anlegen?“, wollte der Sohn wissen.

Finanzexperte Dietmar Vogelsang aus Friedrichsdorf hat sich gleich ans Rechnen gemacht. Doch dann wollte er über geeignete Anlagen gar nicht erst reden. „Das klappt nicht mehr“, so seine nüchterne Bilanz. Wie bitte?

Die heute 53-jährige Mutter hätte doch noch 13 Jahre Zeit bis Rentenantritt. Würden die Kinder ihre Sparleistung nach ein paar Jahren noch auf 500 Euro erhöhen, hätte die Mutter zu Rentenbeginn im Jahr 2026 ansehnliche 70.800 Euro auf der hohen Kante. Dabei wurde vorsichtig mit einem Sparzins von zwei Prozent gerechnet. Außerdem bekommt die Mutter noch eine kleine staatliche Rente von 610 Euro, wenn sie weiter so einzahlt wie bisher.


Doch der große Haken an der Sache ist: Bei einer angenommenen Inflationsrate von 2,5 Prozent braucht die Mutter ein stetig steigendes Einkommen, wenn sie nur ihren bescheidenen Lebensstandard halten will. Sie müsste 2026 schon 1345 Euro haben, um so leben zu können wie heute. Rund 1700 Euro bräuchte sie, wenn sie 75 ist, und sollte sie es bis 90 schaffen, braucht sie dann schon fast 2500 Euro netto.

Wenn die Zinsen aber so bleiben wie jetzt, können die Kapitalerträge die steigenden Lebenshaltungskosten nicht ausgleichen, und das schöne Vermögen wäre ziemlich schnell aufgebraucht. Genauer: Am 1.7.2033 wäre schon alles weg. Da wäre sie 73 Jahre alt.

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Die „kalte Enteignung“ trifft alle

Kommentare zu " Nachgerechnet: Wenn die Rente nur bis 73 reicht"

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  • Nun, es gibt nur eine Lösung: Rechtzeitig anfangen zu sparen, dann klappt´s auch mit kleinen Beiträgen. Das dann konsequent über mehrere Jahrzehnte durchhalten und das aufgebaute Kapital nicht für unsinnigen Konsum verschwenden. Risiko spielt in der Anfangszeit eine untergeordnete Rolle, eine nachhaltige Rendite ist viel wichtiger; erst im letzten Drittel sollte das Risiko reduziert werden, bzw. wenn zwischenzeitlich Renditespitzen erreicht wurden, können diese auch abgesichert werden. Es soll auch nur keiner anfangen zu jammern, dass man mit wenig Einkommen nichts sparen könne, in Zeiten von Sky-TV und dem Trend zum Zweit-Handy ist es nicht eine Frage des Könnens sondern fast ausschließlich eine Frage des Wollens und der Einsicht.

  • "Alle Kinder haben studiert"

    Aha! (o:) Da sieht man mal wieder, daß ein Studium keine Gewähr für Intelligenz oder gesunden Menschenverstand bietet.
    Aber eigentlich muß man ja nur rechnen können, um zu sehen, daß dieses System nicht mehr funktioniert!

  • Fact ist: Ihr Deutschen habt euch euren Sozialstaat wegnehmen lassen. Schröder hat die Weichen gestellt, Merkl hat perfektioniert. Jeder Staat und seine Menschen verdienen jene Regierung, die gewählt wird.

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