Neue Kontonummern verspätet: EU kapituliert vor der Sepa-Umstellung

Neue Kontonummern verspätet
EU kapituliert vor der Sepa-Umstellung

Die EU-Kommission verlängert die Frist zur Umstellung auf das neue Zahlungssystem Sepa. Laut EU-Kommissar Michel Barnier soll ein Chaos vermieden werden. Kritik kommt von Mario Draghi aus der Europäischen Zentralbank.
  • 57

Angesichts der schleppenden Umstellung auf das neue SEPA-Zahlungssystem hat die EU-Kommission entschieden, die Übergangsfrist um sechs Monate bis zum 1. August zu verlängern. Er bedauere die Entscheidung, wolle dadurch aber verhindern, dass es zu Unterbrechungen im Zahlungsverkehr komme, erklärte der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier in Brüssel. EU-Staaten und das Europaparlament müssen dem Schritt noch zustimmen.

Bisher sollte das bargeldlose SEPA-Zahlungssystem zum 1. Februar europaweit in Kraft treten - die Umstellung verlief jedoch langsam. Die Umstellungsrate sei zum jetzigen Zeitpunkt „nicht hoch genug, um einen reibungslosen Übergang“ zu Beginn des kommenden Monats zu gewährleisten, erklärte Barnier. „Ich bedauere, dies tun zu müssen, aber das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um dem Risiko von Zahlungsunterbrechungen und möglichen Folgen besonders für Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen entgegenzuwirken“, fügte der Binnenmarktkommissar hinzu.

SEPA ist der aus 33 Staaten bestehende Einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dazu gehören die 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und Monaco. Ziel der Umstellung ist eine Vereinfachung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs. Er habe in den vergangenen Monaten mehrfach vor der zu langsamen Umstellung gewarnt, sagte Barnier und forderte die Mitgliedstaaten auf, jetzt endlich zu handeln: „Die Übergangsfrist wird nicht über den 1. August hinaus verlängert.“ Verbraucher haben weiterhin eine verlängerte Übergangszeit bis 2016, um sich an die neuen europäischen Zahlverfahren zu gewöhnen.

Prominente Kritik kommt von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Instituten wie der Bundesbank. Das Eurosystem erklärte, Marktteilnehmer sollen am Umstellungsdatum zum 1. Februar festhalten. Die Fortschritte bei der SEPA-Einführung seien gut. Darauf deuteten die letzten Nachrichten aus den einzelnen Ländern. Die große Mehrheit aller Beteiligten werde Ende des Monats damit fertig sein.

Die EZB fordert in einer Meldung alle Marktteilnehmer daher auf, ihre Transaktionsbemühungen bei allen Geld- und Kredittransfers bis zum Monatswechsel zu vervollständigen. Der Vorstoß der Kommission kam für die Zentralbanker offenbar völlig überraschend. Die Idee traf auf wenig Gegenliebe, auch weil diejenigen bestraft werden könnten, die ihre Umstellung bereits erfolgreich vorbereitet haben. „Letztlich ist es aber ein Thema der Kommission“, erklärte EZB-Chef Mario Draghi. EZB und Eurosystem besitzen keine Handhabe, eine mögliche Verschiebung zu stoppen. „Wir glauben, dass vor allem die Verbraucher von Sepa profitieren würden,“ sagt Draghi. Zwar hätte auch in Deutschland bis zum 1. Februar noch einiges getan werden müssen, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele: „Trotzdem waren wir zuversichtlich, dass das gesteckte Ziel erreicht werden kann.“

Auch die in der Deutschen Kreditwirtschaft zusammengeschlossenen Spitzenverbände haben den Vorschlag der EU-Kommission „mit Überraschung“ zur Kenntnis genommen. „Die Fristverlängerung wäre nicht notwendig gewesen, bringt aber Erleichterungen für diejenigen Unternehmen und Vereine, bei denen es mit der Umstellung auf die neuen SEPA-Verfahren zum 1. Februar 2014 möglicherweise knapp geworden wäre“ erklärt das deutsche Bankgewerbe. Banken und Sparkassen stellen sich weiterhin auf den Termin am 1. Februar ein.

Die EU-Kommission möchte offenbar ein allgemeines Chaos bei der Umstellung verhindern. Zuletzt schlug etwa der Privatbankenverband BdB Alarm. Viele Firmen und Vereine in Deutschland seien auf die Änderungen, die am 1. Februar in Kraft treten, nicht vorbereitet, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. „Es besteht immer noch enormer Handlungsbedarf und das unter immensem Zeitdruck.“

Seite 1:

EU kapituliert vor der Sepa-Umstellung

Seite 2:

Warnung der Bundesbank

Seite 3:

Die Gefahren für Privatkunden

Kommentare zu " Neue Kontonummern verspätet: EU kapituliert vor der Sepa-Umstellung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Wahnsinn hat einen Namen: Sepa. Man könnte glauben, die Welt wird neu erfunden. Briefkasten quillen schon seit längerer Zeit wegén "Sepa-Spam" über. Banken und alle mölgichen Versicherungen, Firmen, bei denen man Kunde ist, schreiben einen an, damit ich Kontodaten abgleichen soll. Der ganze "Mist" wandert sofort in den Papierkorb, wenn ich feststelle, dass es um Sepa geht. Ich bin schließlich nicht der Lakai und Erfüllungsgehilfe dieses wohl nicht durchdachten Systems.

  • Gerne hier nähere Erläuterungen:
    Es handelt sich Feststellungen nicht um Anschuldigungen. In zig Veranstaltungen zum Thema SEPA (Banken, Verbände etc.) wurde immer von der 100% SEPA Fähigkeit der Banken berichtet (z. B. Dr. Winter von BBK, van den Berg, Bitkom, Newsletter der Bankverbände usw.).
    In der Praxis habe ich als SEPA Projektleiter ganz andere Erfahrungen gemacht. Alle Sonderfälle landen auf meinen Tisch und ich telefoniere dann mit den Banken bundesweit.
    Da wird dann schon mal zugeben das man auf die Masse von Firmenlastschriften nicht vorbereit ist, täglich bis 20Uhr arbeitet usw. Ärgerlich sind mehrfache Rücklastschriften wo sich zu Schluß rausstellt, dass die Bank einen Erfassungsfehler gemacht hat, es aber nicht zugibt. Es gibt leider nur wenige Bankmitarbeiter die kompetent und freundlich reagieren, viele sind genervt, überarbeitet und schlecht informiert. Die meisten Telefonate führe ich mit Banken 4. Stelle BLZ 6 und 9 ! Bei den Bestätigungen B2B gibt es folgende Probleme: Je nach Bank werden die Mandate zwischen mehreren Stellen hin und her geschickt, nicht jeder hat dafür eine workflow, außerdem gibt es Personalengpässe bei der Erfassung. Das ist nur die Kurzform, sie können gerne mit mir Kontakt aufnehmen.
    Software ist u.a. SAP gemeint, aber auch bei Banken gab’s am Anfang Probleme

  • Wenn man sich die Umstellungs-Statistiken des relevanten Zahlungsverkehrs ansieht - die in Frankreich noch sehr üblichen Schecks sind ja von SEPA nicht betroffen - sind die meisten (nicht alle) südeuropäischen Länder weiter als Deutschland.
    Gerade hier in unserem Land gaben die Zahlen Anlass zur Sorge.
    Allerdings muss man das natürlich auch im Zusammenhang mit der deutschen Mentalität sehen - was der Dezember auch beweist und im Januar noch klarer werden wird: Wenn man Deutschen (Firmen) eine Deadline gibt, zu der sie umstellen sollen, dann stellen die meisten eben auch zu diesem Termin um und nicht (viel) früher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%