Neue Lebenpolicen
„Die Chance ist da, etwas stärker am Kapitalmarkt zu profitieren“

Die Renditen der klassischen Lebensversicherungen fallen immer tiefer. Die Gesellschaften entwickeln neue Policen. Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata erklärt, was sie taugen.

Im alten 4711-Gebäude in Köln ist der Hauptsitz der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata. Am Donnerstag stellen die Altersvorsorge-Spezialisten ihre neue Studie zur Überschussbeteiligung der Lebenpolicen vor. Das Ergebnis scheint jetzt schon klar: Laufende Verzinsung und Renditen sinken. Die Branche versucht sich an neuen Policen mit neuen Garantiesystemen. Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei Assekurata erklärt, was Versicherte von diesen neuen Policen zu erwarten haben.

Herr Heermann, immer mehr Lebensversicherer bringen flexiblere Produkte auf den Markt. Wie unterscheiden sie sich im Vergleich zur klassischen Lebenpolice mit Garantieverzinsung?
Die neuen Produkte haben eines gemeinsam: Sie sind mit geringeren Garantien ausgestattet als klassische Lebensversicherungen. Viele der neuen Policen bieten aber zumindest eine Bruttobeitragsgarantie – der Kunde bekommt also das Versprechen, dass er seine eingezahlten Beiträge am Ende der Laufzeit mindestens wieder zurückerhält.

Aber ein echter Garantiezins auf den Sparanteil fehlt …
Ja, zumindest bei einigen Tarifen. Die neuen Produkte versuchen dem Kunden eine Renditeerwartung zu geben, die über der von klassischen Policen liegt. Der Preis, den der Kunde dafür zahlt, ist der Verzicht auf einen Teil der klassischen Garantien. Dabei kann er den Umfang der Garantie manchmal sogar selbst wählen: Möchte er 100 Prozent, 80 Prozent, 50 Prozent – oder vielleicht gar keine Beitragsgarantie mehr.

Die laufende Verzinsung der Lebensversicherer ist zuletzt unter drei Prozent gesunken, Tendenz fallend. Können Versicherer neue Garantien nicht mehr finanzieren?
Die laufende Verzinsung ist ein Maß für die Überschussbeteiligung und geht über die Garantieverzinsung im Neugeschäft hinaus. Allerdings müssen die Gesellschaften langlaufende Garantien nach den neuen Solvenzrichtlinien unter Solvency II mit viel Kapital hinterlegen. Je mehr hohe und langfristige Garantien Versicherer vermeiden oder in die Zukunft verschieben können, umso weniger Kapital müssen sie heute vorhalten. Das verschafft ihnen mehr Spielraum.

Viele Gesellschaften verschieben Garantien in die Zukunft …
… indem sie die Faktoren für die Bemessung der Rentenhöhe nicht zum heutigen Stand festlegen, sondern erst zum Anfang der Rentenphase. Allerdings bieten die meisten Tarife noch eine garantierte lebenslange Mindestrente. Dieses Alleinstellungsmerkmal der Lebensversicherung bleibt damit auch bei den neuen Produkten erhalten.

Neben der Garantie – worin unterscheiden sich die neuen Policen noch von den klassischen?
Jedes Produkt enthält einen bestimmten Verzinsungsmechanismus. Die Frage ist dabei, wie die Verzinsung hergestellt wird. Sofern sie zumindest teilweise aus dem klassischen Deckungsstock herrührt, ist die Finanz- und Deklarationsstärke des Anbieters besonders wichtig. Alternativ kann das Geld des Kunden unmittelbar in Fonds fließen – oder neuerdings Indizes.

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„Versprechen, die sie in zehn Jahren womöglich nicht mehr finanzieren können“

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