Neukunden-Selbstversuch bei der ING Diba
(K)ein Konto für Stubenhocker

Nie mehr Schlange stehen! Vergangene Woche warb die ING Diba damit, dass Kunden ab sofort von zu Hause aus ein Konto eröffnen können. Doch so einfach ist die Identifizierung per Video (noch) nicht. Ein Selbstversuch.
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DüsseldorfGehören Sie auch zu der fortschrittlichen Spezies der Online-Banker? Falls ja, wissen Sie sicherlich noch wie das war, damals, als Neukunde – wie aufwendig es war und wie lang es sich hinzog, ein Konto zu eröffnen. Mit einem Online-Formular und ein paar Klicks war es nämlich längst nicht getan. Stattdessen kam ein Neukunde nicht umhin zu warten, bis ihm die Unterlagen per Post zugestellt wurden. Es galt, per Hand zu unterschreiben und den Stapel Papier dann wieder in die nächste Postfiliale zu bringen – braves Schlangestehen inklusive.

Endlich an der Reihe, inspizierte der Beamte erst einmal ausgiebig den Personalausweis, warf prüfende Blicke abwechselnd auf das Dokument und das Gesicht des vor ihm staunenden Neukunden. Abgleich der Gesichtszüge, Abgleich der Unterschrift, Häkchen – erst dann war die Legitimation abgeschlossen. Erst dann gingen die Unterlagen an die Bank. Erst ein, zwei Wochen später stand das Konto zur Nutzung bereit.

Die gute Nachricht: Das lange Warten auf ein neues Konto scheint jetzt vorbei. Mit der niederländischen ING Diba bietet seit einer Woche die erste Direktbank ihren Neukunden an, ihr Tagesgeldkonto bequem von zu Hause aus, am eigenen Rechner, Tablet oder Smartphone, zu eröffnen. Legitimieren sollen sie sich per Video-Übertragung.

Beim IT-Branchenverband Bitkom begrüßt man bereits die neue Technologie, sie sei „sehr zeitgemäß“. Und tatsächlich tut sich da ein neuer Trend auf: Weitere Direktbanken folgen. Auch bei Quirion, der Direktbank der Quirin Bank, können sich Kunden seit Freitag über Video legitimieren. Die Comdirect und die Deutsche Kreditbank (DKB) wollen bis zum Ende des Jahres mit einem ähnlichen Angebot nachziehen. Doch wie genau funktioniert die Kontoeröffnung per Webcam? Ist es wirklich so einfach und bequem, wie die Bank es suggeriert? Ich mache die Probe aufs Exempel.

Anfangs gestaltet sich die Sache, zugegeben, wenig spannend. Die Anmeldeprozedur ist identisch zu einer ganz normalen Kontoeröffnung: Ich gebe Name, Anschrift und einige Details mehr zu meiner Person ein. Ich tippe die IBAN meines Girokontos ein – mein neues Tagesgeldkonto braucht offenbar ein Referenzkonto, von und zu dem Buchungen stattfinden können. Ich bestätige meine Eingaben, akzeptiere die AGB und siehe da: „Vielen Dank! Ihr Extra-Konto wurde eröffnet“, informiert man mich.

Was jetzt noch fehlt, ist die Legitimation – die Bank muss schließlich wissen, dass ich wirklich ich bin. Doch bis meine Webcam zum Einsatz kommt, dauert es immer noch einen Moment. Zunächst kann ich die Option „Video-Legitimation“ nämlich überhaupt nicht entdecken. „Sie erhalten Ihre Auftragsunterlagen per Post und senden Sie unterschrieben an uns zurück“, heißt es da nur. Ich bin verwirrt. Denn genau das will ich doch nicht!

Des Rätsels Lösung steckt im Detail. Ich muss erst auf einen weiteren Link klicken („Vorab können Sie das Dokument hier herunterladen“), bevor sich eine neue Seite öffnet und die Option „Legitimation per Video-Call“ erscheint. Ich finde, das ist wenig bis gar nicht intuitiv. Derzeit sei die Variante auf der Homepage noch nicht so ohne Weiteres zu entdecken, erklärt mir ein Sprecher der ING Diba. Das ist schön gesagt.

Ich frage mich, wie viele Kunden wie ich bereits verdutzt vor dem Bildschirm saßen und vergeblich nach einem Hinweis zur Legitimation per Videoübertragung gesucht haben. Man werde bei der Kontoeröffnung die Möglichkeit zur Video-Legitimation „zeitnah prominenter aufzeigen“, heißt es von der Bank. Ich frage mich, wieso man daran nicht gearbeitet hat, bevor man die Neuheit über alle Kanäle verbreitet hat? Nun gut. Ich will mich auf das Wesentliche konzentrieren.

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(K)ein Konto für Stubenhocker

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Dumm, wenn die Bildqualität zu schlecht ist

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  • Es gibt hier bereits eine wesentlich ausgereiftere Videoberatungs-Software auf dem Markt, die die beschriebenen Probleme der Legitimation bereits gelöst hat und alle Nutzer erreicht.

    Im Übrigen finde ich die Nutzung von Skype im Zusammenhang mit einer Legitimation mehr als grenzwertig, jedoch zumindest fragwürdig. Vor allem im Bankbereich. Was sagt eigentlich der ING-Datenschützer dazu?

    Für mich wäre das als Kunde schon ein Showstopper.

    Mal sehen, wohin die Reise führt. Die Idee an sich ist sehr gut.

  • Vielleicht ist ja der Verbindungsbutton für die Web-Identifizierung auch deshalb so "schwer" zu erreichen, weil vermieden werden soll, dass Hinz und Kunz die Verbindung anwählen um guten Tag zu wünschen. Bei dem geschilderten Ablauf (heisst übrigens "Prozess") weiss der MitarbeiterINNen am anderen Ende wenigstens, dass es nicht Hinz oder Kunz ist, sondern Huber.

    Ausserdem hätte ich mir gewünscht, dass die gute Frau Zinnecker mal geschrieben hätte, welcher Laptop in Benutzung war. Möglicherweise war es doch eine Dampfmaschine mit mieser Kameraauflösung?!

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