Pannen bei Einführung
Auf der Suche nach den Sepa-Schuldigen

Kurz nach der Verschiebung der Sepa-Einführung hagelt es Kritik. Ein frühzeitiger Start wäre möglich, erklären Bundesregierung, Zentralbanken und Wirtschaftsverbände. Doch wer ist Schuld an den Problemen?
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DüsseldorfSechs Monate Gnadenfrist – jeder der schon mal ein Projekt geleitet hat, weiß solch ein Zugeständnis normalerweise zu schätzen. Umso mehr erstaunt die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Vorschlag von EU-Kommissar Michel Barnier, bei der Einführung des Zahlungssystems Sepa eine Karenzzeit von sechs Monaten zu gewähren. EU-Parlament und EU-Rat müssen diesem Vorschlag allerdings noch zustimmen.

Hierzulande stehe einer planmäßigen Einführung der neuen europaweiten Sepa-Bank-Überweisungen schon zum 1. Februar nichts im Wege, erklärte etwa eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums: „In Deutschland wäre das machbar“.

Schon bei einem Treffen der Notenbank-Vorstände mit der EU-Kommission Ende Dezember habe es starken Widerstand gegen den Vorschlag gegeben. Für die Zentralbanker kann der Vorschlag offenbar völlig überraschend.

Die Idee traf auf wenig Gegenliebe, auch weil diejenigen bestraft werden könnten, die ihre Umstellung bereits erfolgreich vorbereitet haben. „Trotzdem waren wir zuversichtlich, dass das gesteckte Ziel erreicht werden kann“, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Auch die Deutsche Kreditwirtschaft reagierte überrascht: „Die Fristverlängerung wäre nicht notwendig gewesen, bringt aber Erleichterungen für Unternehmen und Vereine, bei denen es mit der Umstellung auf die neuen Sepa-Verfahren zum 1. Februar 2014 möglicherweise knapp geworden wäre“, hieß es knapp in einer Mitteilung.

Deutlicher wurde der Chef des Sparkassenverbands, Georg Fahrenschon. Die deutsche Wirtschaft sei „im Endspurt“ bei der Umstellung. Sie brauche verlässliche Rahmenbedingen „und keinen Wechsel zwischen Gaspedal und Bremse“. Es bestehe in der deutschen Kreditwirtschaft „Einigkeit darüber, dass sie die Sepa-Umstellung fristgerecht bewältigen kann“.

Auch andere Verbände wettern. „Aus Sicht der deutschen Wirtschaft wäre die Verschiebung nicht zwingend notwendig gewesen“, sagte Tim Gemkow vom Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor einem falschen Signal. „Wer einmal verschiebt, der kann das auch ein zweites Mal machen – das ist nicht ungefährlich“, sagte BDI-Geldpolitik-Experte Reinhard Kudiß.

Angesichts der seltenen Eintracht zwischen Regierung, Notenbanken, Wirtschaftsverbänden und Banken stellt sich die Frage: Warum möchte die EU-Kommission die Reißleine ziehen? Und wer trägt die Schuld an dem verpatzten Projekt Sepa?

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  • Das ist so nicht richtig. Die SEPA-Basis-Lastschrift kann sogar 8 Wochen lang storniert werden.
    Die SEPA-Firmen-Lastschrift kann nicht storniert werden, das ist richtig. Jedoch kann diese nur von Unternehmen genutzt werden, der private Haushalt ist somit geschützt! Darüber hinaus muss der Zahlungspflichtige bei seiner Hausbank erst ein Mandat einreichen, damit die Lastschrift gebucht werden. Das Unternehmen entscheidet also bewusst wem es das Vertrauen einräumt, sich an sei Konto zu bedienen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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