Patientenverfügung - Teil II der Serie
Vorsorge, nicht sexy, aber wichtig

Wer entscheidet für mich, wenn ich es selbst wegen Krankheit, Alter oder Unfall nicht kann? Antwort: ein Bevollmächtigter. So verfassen Sie die Regieanweisungen an ihn – unter anderem die wichtige Patientenverfügung.
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DüsseldorfUnabhängig sein und selbst über das eigene Leben entscheiden – das ist für die meisten Menschen der größte Vorteil des Erwachsenenlebens. Doch was, wenn man durch einen Unfall oder eine Krankheit nicht mehr selbst entscheiden kann? Dann ist es gut, eine Vorsorgevollmacht verfasst zu haben. Die regelt beispielsweise, wer im Notfall medizinische Entscheidungen treffen darf, über den Aufenthaltsort bestimmen, einen Pflegeplatz organisieren und Bankgeschäfte erledigen kann.

Was zu beachten ist, wenn man eine Vorsorgevollmacht erstellen möchte, konnten Sie bereits im ersten Teil dieser Serie lesen. Doch einen Bevollmächtigten zu benennen, reicht allein noch nicht aus. Man sollte ihm auch Regieanweisungen geben. Was soll er tun, was muss er lassen? Das schafft zum einen die Gewissheit, dass später tatsächlich alles gemäß den persönlichen Wünschen geschieht. Und zum anderen hilft es auch dem Bevollmächtigten. Hat er feste Vorgaben, muss er sich nicht selbst überlegen, was wohl der mutmaßliche Wille des Vollmachtgebers gewesen wäre.

In diesem zweiten Teil der Vorsorge-Serie geht es also um das sogenannte Innenverhältnis zwischen Vollmachtgeber und Bevollmächtigtem. „Grundsätzlich sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt. Der Vollmachtgeber kann all seine Wünsche und Handlungsanweisungen niederschreiben, egal ob es um die Gesundheit, die Verwaltung des Vermögens, den Aufenthaltsort oder den Verbleib der Haustiere geht“, sagt Gudrun Doering-Striening, Fachanwältin für Familien- und Sozialrecht.

Eine solche Innenregelung mit Außenwirkung gegenüber Ärzten und Pflegern ist auch die Patientenverfügung. Sie nimmt vorweg, was der Vollmachtgeber für sich in gesundheitlichen Fragen wünscht, wenn er einmal nicht mehr selbst entscheiden kann. Vor fünf Jahren wurde die Möglichkeit dazu gesetzlich geregelt (Paragraph 1901a, BGB). Laut einer Umfrage des Vereins Vorsorgeanwalt haben immerhin schon 28 Prozent der Erwachsenen in Deutschland eine solche Verfügung verfasst und 34 Prozent planen diese für die nähere Zukunft. Frauen sorgen demnach etwas besser vor als Männer und mit dem Alter nimmt der Anteil der Personen mit Patientenverfügung zu.

Die meisten, die noch keine hatten, gaben als Grund an, sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt zu haben (66 Prozent). 27 Prozent wollen, dass im Notfall andere für sie entscheiden. „Diese Menschen verzichten auf eine wichtige Chance zur Selbstbestimmung und sie belasten ihre Angehörigen oder ihren Bevollmächtigten, denen im Ernstfall ohne Patientenverfügung die Orientierung fehlt“, sagt Dietmar Kurze, Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer des Vereins Vorsorgeanwalt.

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