Pflegenotstand

Im Alter droht der finanzielle Ruin

Die Deutschen verweigern sich der Vorsorge für die Pflege. Die Folge: Im Alter drohen leere Haushaltskassen und immense Kosten für die Kinder. Welche finanziellen Risiken das Alter bringt und was die Vorsorge kostet.
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Flur in einem Pflegeheim: Die wenigsten Deutschen sorgen vor. Quelle: dpa

Flur in einem Pflegeheim: Die wenigsten Deutschen sorgen vor.

(Foto: dpa)

BerlinDass man Vorsorge im Alter kaum noch nachholen kann, erkannte ein Ehepaar aus Norddeutschland auf schmerzliche Weise. Erst nach der Diagnose einer Krebs- und Blutzuckererkrankung realisierten sie, dass sie ihren Lebensabend mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Pflegestation eines Altersheimes oder mit Betreuerin in den eigenen vier Wänden verbringen dürften.

Bislang lehnte das kinderlose Paar jeden Gedanken an eine solche Situation ab: „Wir sind doch fit, wenn es soweit ist, kümmern wir uns darum.“ Nun ist es wegen der Vorerkrankungen zu spät für die Vorsorge. Die Beiträge für eine entsprechende Police wären horrend teuer, wenn überhaupt ein Versicherer einen umfänglichen Schutz anbieten würde.

Die Folge: Das Paar muss selbst vorsorgen und schichtet das in langen Jahren angesparte Vermögen um. Um jedes Risiko zu vermeiden wandert die stolze Summe von einer dreiviertel Million Euro auf ein schwach verzinstes Geldmarktkonto. Im aktuellen Zinsumfeld bedeutet das realen Kapitalverlust. An die Option, dass sie das Geld bei einem seriösen Risikoschutz auch hätten ausgeben können, möchten die Senioren lieber nicht denken.

Nicht jeder kann in seiner Rentenzeit aber sein Zinskonto mit 750.000 Euro fluten. „Vorsorge für den Pflegefall ist nicht nur für Vermögende absolut wichtig“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer der unabhängigen Vermögensverwaltung Packenius, Mademann und Partner. „Die Kosten sind kaum berechenbar und können schnell im sechsstelligen Eurobereich liegen“.

Im Pflegefall droht daher den meisten der finanzielle Ruin. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung beteiligt sich bei stationärem Aufenthalt in Pflegestufe III maximal mit 1.550 Euro pro Monat. Die Kosten variieren aber je nach Bundesland zwischen 2300 Euro und knapp 3200 Euro. „Auf einem gehobenen Niveau kann die Pflege schnell 8000 Euro kosten“, sagt Vermögensverwalter Löschen.

In der Regel reichen die Alterseinkünfte nicht, um die Pflegekosten zu decken. Die durchschnittlichen Renten-Ansprüche liegen bei Männern bei 1050 Euro und bei Frauen bei 530 Euro. Kranke oder altersschwache Menschen werden schnell zu Sozialfällen.

Trotzdem ignorieren die Menschen das Risiko eisern. Nur zwei Prozent der Deutschen haben eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Das statistische Bundesamt rechnet aber bis zum Jahre 2030 mit 3,4 Millionen Pflegefällen, 900.000 mehr als heute. Jeder dritte Bundesbürger über 80 Jahren ist aktuell auf Pflege angewiesen, Tendenz steigend. Vor allem Frauen sind wegen der tendenziell eher niedrigeren Renten und längeren Lebenserwartungen dann von Armut betroffen.

Vorsorge ist also wichtig und mit Pflegetagegeld- oder Pflegerentenpolicen möglich. Im Folgenden erklärt Handelsblatt Online, welche Tarife etwas taugen und welche weiteren Verfügungen und Vollmachten Senioren zusätzlich geben sollten.

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77 Kommentare zu "Pflegenotstand: Im Alter droht der finanzielle Ruin"

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  • Ich dagegen finde es richtig, dass die Wahlversprechen von Politikern an Menschen, die noch nie oder noch nicht in die GRV einzahlen, durch Staatszuschuss aus Steuergeldern finanziert werden. So werden die Zahlen transparent und Nutzen (z.B. Gerechtigkeit) und Kosten können diskutiert werden. Die Leute, die auf den Kinderlosen herumhacken, übersehen, dass die meisten gerne Kinder gehabt hätten, und dass ihre Rechnung nur dann ufgeht, wenn die Kinder anschließend sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Eine Horde von HartzIV-Beziehern dagegen belastet das System nur.

  • Es ist aus meiner Sicht ein reines Marketingproblem: Wir alle neigen dazu, Unangenehmes zu verdrängen. Allein schon der Begriff Pflegeversicherung ruft ein derart unschönes Bild vor Augen, dass sich damit kein Mensch intensive beschäftigen möchte. Unsere mobilen Pflegedienste heißen in Frankreich Assistenz zur Autonomie - mit ihrer eigenen Autonomie im Alter beschäftigt man sich dagen gern.

  • "Die Deutschen verweigern sich der Vorsorge für die Pflege."

    Die Deutschen wählen ja auch immer den gleichen Scheiß!

  • Don Sarkasmo, wenn man jung ist, ist halt das Alter sehr weit weg und "in" muss man ja auch sein. Ohne Smartphone ist das schwierig in einem gewissen Alter.

    Trotzdem haben Sie recht. Aus diesem Grund habe ich mir heute auch ein Mietshaus gekauft. Bei den Zinsen wäre man ja bescheuert um irgendetwas in 1 % Papieren anzulegen.

  • "Die Deutschen verweigern sich der Vorsorge für die Pflege"

    Zynischer kann man es nicht mehr formulieren!

    Allso sind die Geringverdiener es selber Schuld das sie dank unsozialer Gesetzgebung von Schwarz/ROT/GRÜN
    immer mehr enteignet werden!
    Seit 30 Jahren sinkendes Realnettoeinkommen!

    Ziel ist die Versklavung, die Schaffung eines Heeres von kostenlosen Arbeitern!

    Danke Rockefeller und Co!

    Und als nächstes wird die Nahrung weltweit rationiert!

  • Vollkommen richtig, aber Sie werden aus Fröschen keine Opernsänger machen.
    Ich denke, die meisten hätten es in der Hand, es ist eine Frage von Prioritäten:
    Kümmere ich mich um meine persönliche Vorsorge oder stelle ich mich die ganze Nacht für das jeweils neueste Smartphone an. Ich überzeichne natürlich, aber die Richtung stimmt meiner Meinung nach.
    Eine Silbermünze zu einer Unze kostet zur Zeit ca.18.- Euro. Der neueste technische Tandaradei 300 - 500 Euro.
    Irgendwie muß man auch wissen, wo man hin will.
    Und denen, die sagen, raus mit der Kohle, ist doch eh bald nichts mehr wert, soll mich doch der Staat später erhalten, denen sage ich:
    Ob der Wohlfahrtsstaat so bleiben kann, wie er jetzt ist, darf gewaltig bezweifelt werden.
    Es hat auch mit lebenslanger persönlicher Freiheit zu tun. Die möchte ich auch noch in späteren Jahren haben.
    Der Satz: "Ich denke nicht an morgen, deshalb hab' ich übermorgen Sorgen" ist für mich keine Option.

  • Ich habe mir nun ausreichend Zeit genommen, die Kommentare zu lesen. „Verschwendung“ bei dem einen oder anderen aber nun gut..
    Wie nun genau das System zu hinterfragen ist, war bzw. ist, ist hier doch nicht das Thema.
    Es geht für jeden einzelnen darum, was Er/Sie mit dieser Information anstellt.

    Das ignorante Denken bzw. das selbstverständliche Nichtdenken (in meinen Augen machen das viel zu viele..) ist nicht das Resultat einer „schlechten“ schulischen Bildung oder Vorenthaltung von Informationen aber es wird zum Resultat des eigenen Lebens.
    Bei einer nichtvorhanden Eigenverantwortung gibt es demnach auch nur einen Weg: „Die Schuld hat immer jemand anderes“

    Also tut anderen Lesern doch bitte einen Gefallen und macht es wie manch andere und ändert eure Lebenssituation, sei es durch Auswandern oder mit dem Beginn sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

    Ich für meinen Teil, bezahle „gerne“ meinen Anteil an der Rente meiner Eltern und Großeltern, für Straßenbau, Kindergärten etc…
    Auch wenn ich denen zustimme, die auch der Meinung sind, dass das System neu durchdacht werden muss ändert das nichts an der Tatsache wie es aktuell ist und auch noch lange Zeit so bleiben wird.

  • Die Forderung mehr Deutsche sollten sich privat Pflegeversichern ist Unsinn!
    Warum?
    Klar ist die Zahl der Pflegebedürftigen steigt weiter. Warum? Weil es mehr alte Leute gibt.
    Klar ist aber auch, das Risiko jedes einzelnen pflegebedürftig zu werden sinkt seit Jahren! Warum? Weil die Menschen immer älter und immer gesünder im Alter sind.
    Senioeren die heute 90 Jahre alt sind haben nicht immer eine optimale Ernährung und Gesundheitsversorgung genossen. Wohl aber die heute 60 jährigen und noch Jüngeren. Das hat natürlich Folgen bis ins hohe Alter!
    Die jetzigen privaten Pflegeversicherungen sind für Männer um 60% überteuert. Warum?
    Weil Männer und Frauen den gleichen Beitrag zahlen, Männer aber nach den neuesten Daten des stat. Bundesamtes nur halb so viel Pflegebedarf haben. Auch hier: Tendenz in Bezug auf den Einzelnen sinkend.
    Aber auch für Frauen sind die Tarife allesamt viel zu teuer. Ich habe mit den Daten des stat. Bundesamtes die Tarife für Frauen der Jahrgänge 1930 bis 1950 gerechnet. Fazit: Auch Frauen sollten das Geld lieber niedrigverzinst aber sicher sparen, ggf. Wohneigentum, statt eine Pflegeversicherung abzuschließen. Nur in weniger 10% der Fälle wird sich im Nachhinein eine Pflegeversicherung als sinnvolle Entscheidung erweisen. Denn wer eine Pflegevers. bekommt hat nun mal ein niedrigere Risiko als der Durchschnitt. Risikoselektion!!!

  • Hallo Phil, zu Ihrer Frage - meine Antwort.

    Politikerbezüge, Benefits und Pensionen orientieren sich am Beamtenstand. Von daher sehen diese natürlich keinerlei Handlungsbedarf was z. B. das Drei-Säulen-Prinzip der Altersvorsorge analog Schweiz anbelangt. Dadurch würde die Altersvorsorge auf eine breitere Basis gestellt, weil sowohl Beamte als auch Selbstständige einzahlen müssen. Eine privilegierte Altersvorsorge für Beamte entfällt. Desweiteren bleibt der Beitrag in die betrieblichen Altersvorsorge/Pensionskasse immer erhalten. Soweit ich(emigriert) über die betriebliche Altersvorsorge in D informiert bin ist die Mindestzugehörigkeit auf 5 Jahre gesetzt bei vorheriger Kündigung geht das Pensionsguthaben des Arbeitnehmers verloren. Falls das noch zutrifft ist hier dringender Reformbedarf. Aber wie gesagt die Politiker betrifft das nicht.

    Auch die Ignoranz der Kalten Progression Einkommenssteuer geht darauf zurück. Die Hauptinflationstreiber sind die Sozialversicherung. Politiker und Beamte haben durch die Beamtenbeihilfe hier extra ordinäre Vorteile. Die Kalte Progression dient dem Staat dazu, diese Vorteile für seine Beamten zu finanzieren.

    Deutschland stellt sich als sozialer Staat dar und rechtfertigt damit eine fiskale Umverteilung. Umverteilung schafft zuallererst teure Bürokratie und löst keine Probleme - schafft neue.

    ES WIRD ZEIT IN DEUTSCHLAND ÜBER STEUERWÜSTEN UND DEREN URSACHE ZU REDEN!

  • Ich empfinde es als eigentlich frech und Nötigung zugleich einen solchen Artikel in die Welt zu setzen, wenn ich daran denke, daß ich in der Zeit kein Geld hatte, um es für die Not anzusparen.

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