Pflegenotstand
Im Alter droht der finanzielle Ruin

Die Deutschen verweigern sich der Vorsorge für die Pflege. Die Folge: Im Alter drohen leere Haushaltskassen und immense Kosten für die Kinder. Welche finanziellen Risiken das Alter bringt und was die Vorsorge kostet.
  • 77

BerlinDass man Vorsorge im Alter kaum noch nachholen kann, erkannte ein Ehepaar aus Norddeutschland auf schmerzliche Weise. Erst nach der Diagnose einer Krebs- und Blutzuckererkrankung realisierten sie, dass sie ihren Lebensabend mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Pflegestation eines Altersheimes oder mit Betreuerin in den eigenen vier Wänden verbringen dürften.

Bislang lehnte das kinderlose Paar jeden Gedanken an eine solche Situation ab: „Wir sind doch fit, wenn es soweit ist, kümmern wir uns darum.“ Nun ist es wegen der Vorerkrankungen zu spät für die Vorsorge. Die Beiträge für eine entsprechende Police wären horrend teuer, wenn überhaupt ein Versicherer einen umfänglichen Schutz anbieten würde.

Die Folge: Das Paar muss selbst vorsorgen und schichtet das in langen Jahren angesparte Vermögen um. Um jedes Risiko zu vermeiden wandert die stolze Summe von einer dreiviertel Million Euro auf ein schwach verzinstes Geldmarktkonto. Im aktuellen Zinsumfeld bedeutet das realen Kapitalverlust. An die Option, dass sie das Geld bei einem seriösen Risikoschutz auch hätten ausgeben können, möchten die Senioren lieber nicht denken.

Nicht jeder kann in seiner Rentenzeit aber sein Zinskonto mit 750.000 Euro fluten. „Vorsorge für den Pflegefall ist nicht nur für Vermögende absolut wichtig“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer der unabhängigen Vermögensverwaltung Packenius, Mademann und Partner. „Die Kosten sind kaum berechenbar und können schnell im sechsstelligen Eurobereich liegen“.

Im Pflegefall droht daher den meisten der finanzielle Ruin. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung beteiligt sich bei stationärem Aufenthalt in Pflegestufe III maximal mit 1.550 Euro pro Monat. Die Kosten variieren aber je nach Bundesland zwischen 2300 Euro und knapp 3200 Euro. „Auf einem gehobenen Niveau kann die Pflege schnell 8000 Euro kosten“, sagt Vermögensverwalter Löschen.

In der Regel reichen die Alterseinkünfte nicht, um die Pflegekosten zu decken. Die durchschnittlichen Renten-Ansprüche liegen bei Männern bei 1050 Euro und bei Frauen bei 530 Euro. Kranke oder altersschwache Menschen werden schnell zu Sozialfällen.

Trotzdem ignorieren die Menschen das Risiko eisern. Nur zwei Prozent der Deutschen haben eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Das statistische Bundesamt rechnet aber bis zum Jahre 2030 mit 3,4 Millionen Pflegefällen, 900.000 mehr als heute. Jeder dritte Bundesbürger über 80 Jahren ist aktuell auf Pflege angewiesen, Tendenz steigend. Vor allem Frauen sind wegen der tendenziell eher niedrigeren Renten und längeren Lebenserwartungen dann von Armut betroffen.

Vorsorge ist also wichtig und mit Pflegetagegeld- oder Pflegerentenpolicen möglich. Im Folgenden erklärt Handelsblatt Online, welche Tarife etwas taugen und welche weiteren Verfügungen und Vollmachten Senioren zusätzlich geben sollten.

Kommentare zu " Pflegenotstand: Im Alter droht der finanzielle Ruin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich dagegen finde es richtig, dass die Wahlversprechen von Politikern an Menschen, die noch nie oder noch nicht in die GRV einzahlen, durch Staatszuschuss aus Steuergeldern finanziert werden. So werden die Zahlen transparent und Nutzen (z.B. Gerechtigkeit) und Kosten können diskutiert werden. Die Leute, die auf den Kinderlosen herumhacken, übersehen, dass die meisten gerne Kinder gehabt hätten, und dass ihre Rechnung nur dann ufgeht, wenn die Kinder anschließend sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Eine Horde von HartzIV-Beziehern dagegen belastet das System nur.

  • Es ist aus meiner Sicht ein reines Marketingproblem: Wir alle neigen dazu, Unangenehmes zu verdrängen. Allein schon der Begriff Pflegeversicherung ruft ein derart unschönes Bild vor Augen, dass sich damit kein Mensch intensive beschäftigen möchte. Unsere mobilen Pflegedienste heißen in Frankreich Assistenz zur Autonomie - mit ihrer eigenen Autonomie im Alter beschäftigt man sich dagen gern.

  • "Die Deutschen verweigern sich der Vorsorge für die Pflege."

    Die Deutschen wählen ja auch immer den gleichen Scheiß!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%