Reichen-Report
Wer am meisten auf dem Konto hat

Das Vermögen der Sparer weltweit ist gestiegen - allerdings weniger stark als in den Jahren zuvor. In vielen Ländern frisst die Inflation die Guthaben auf, auch in Deutschland. Das meiste Geld liegt aber woanders.
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DüsseldorfDie Industriestaaten sind hochverschuldet, vielen Bürgern dagegen geht es finanziell prächtig, auch wenn die Vermögen zuletzt nicht mehr so rasant gewachsen sind. Das ist das Ergebnis des "Global Wealth Report", den der Münchener Versicherungskonzern Allianz heute vorgestellt hat. Um rund 1,6 Prozent legte das Vermögen in den insgesamt 52 untersuchten Ländern im vergangenen Jahr zu. Das ist nicht allzu viel, wenn man bedenkt, dass die Inflationsraten vielerorts deutlich über der Marke von zwei Prozent liegen. Und doch besteht wenig Grund zur Klage: Insgesamt belief sich das Brutto-Geldvermögen der untersuchten Privathaushalte auf 103,3 Billionen Euro.

Noch geringer waren die Wachstumsraten des Netto-Geldvermögens; das ist das Brutto-Vermögen abzüglich der Schulden. Mit 71,5 Billionen Euro legte es nur um 1,4 Prozent zu. Pro Kopf gerechnet betrug das Bruttovermögen 21.500 Euro, also gerade einmal 0,8 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2010.

Der Grund für das schwache Wachstum ist die Finanz- und Schuldenkrise in Europa und den USA. Viele verzinsliche Anlagen, Festgeld oder Anleihen beispielsweise, werfen kaum noch etwas ab. Um die Krise zu bekämpfen halten die Notenbanken das Zinsniveau künstlich niedrig. Viele Sparer trifft das hart.

In Deutschland legte das Brutto-Geldvermögen sogar noch relativ deutlich zu, nämlich um 1,1 Prozent auf insgesamt 4,71 Billionen Euro; das sind pro Kopf mehr als 57.000 Euro. Die Inflationsrate hierzulande stieg im selben Zeitraum allerdings auf 2,3 Prozent. Unter dem Strich wird das Vermögen der Sparer entwertet.

Die Studie zeigt auch, dass das Vermögen nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch weltweit sehr ungleich verteilt ist. Demnach besitzen die reichsten Länder 85 Prozent des weltweiten Nettovermögens, obwohl in ihnen weniger als 20 Prozent der Menschen leben. In kommenden Jahren dürfte sich diese Statistik allerdings ändern; die Schwellenländer, China oder Indien beispielsweise, holen auf.

Im laufenden Jahr erwartet die Allianz etwas stärker steigende weltweite private Geldvermögen. Im ersten Halbjahr habe der Zuwachs ersten Schätzungen zufolge zwischen 2,5 und 3,0 Prozent gelegen. "Aber das liegt auch nicht höher als die Inflationsrate im ersten Halbjahr", sagte Chefvolkswirt Heise. Die Sparer erzielten also keinen realen Vermögenszuwachs. Das sei schon die vergangenen elf Jahre so gewesen: Das weltweite Geldvermögen pro Kopf seit dem Jahr 2000 im Schnitt 3,1 Prozent pro Jahr gewachsen. Dies entspreche aber ziemlich genau der durchschnittlichen Inflation in diesem Zeitraum. "Die Sparer sind die Leidtragenden der Tatsache, dass sowohl die Neuordnung der Finanzmärkte als auch die Lösung der Krise im Euroraum noch immer nicht entscheidend vorangekommen sind." Wegen der niedrigen Zinsen werde das wohl auch erst mal so bleiben. "Bei diesen Niedrigzinsen muss die Sparquote noch viel höher sein, um die Altersvorsorge zu sichern", erläuterte Heise die Konsequenzen.

Kommentare zu " Reichen-Report : Wer am meisten auf dem Konto hat"

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  • Willi Westerholt
    Warum muss Deutschland die reichen Südländer retten?
    Da stimmt doch etwas nicht.
    Warum fordert Frau Merkel nicht endlich die Länder auf, zuerst ihre Reichen anzuzapfen?

  • Der Reichtum besteht nicht im Besitz von Schätzen,sondern in der Anwendung, die man von ihnen zu machen versteht.
    Napoleon I.

    Und die Auffassung von Ulrich Parzany:
    http://www.gottesdienste-als-entdeckungsreise.de/_daten/downloads/2012-09-16/2012-09-16.pdf

    Die erste Generation schafft Vermögen,
    die zweite verwaltet Vermögen,
    die dritte studiert Kunstgeschichte
    und die vierte verkommt vollends.
    Otto von Bismarck

    Mit guten Segenswünschen
    Claus F. Dieterle

  • DIE REICHEN - DIE ANDEREN
    unsere Gesellschaft läßt seinen Bürgern viele Freiheiten, zu wirtschaften, Vermögen zu kumulieren. Eine gewisse Ungleichverteilung wirtschaftl. Ressourcen, "relative Armut" u. "relativer Reichtum", sind unvermeidbarer Teil einer solchen Gesellschaftsform und bedingen einander. Ein solcher Zustand ist nur stabil, Wohlstand sinnvoll verteilt, solange ein Gleichgewicht der Kräfte herrscht. Die Gesellschaft muß also um sog. "Sozialer Gerechtigkeit" bemüht sein. Es ist nichts Neues, daß Bildung das wichtigste Mittel zur Armutsbekämpfung ist, aber auch Gründerförderung, Chancengleichheit u.v.m. sind Bestandteile einer transparenten fairen Gesellschaft. Entscheidend ist aber, daß dieses Gleichgewicht der Kräfte zunehmend Unwuchten aufweist, wie eine steigende Ungleichverteilung der Einkommen u. Vermögen, Alters- u. Kinderarmut, Niedriglohnsektor u.v.m. zeigen. Im Besonderen geht es auch um diejenigen, die durch das soziale Netz fallen: Menschen mit großer Schuldenlast, verursacht durch Arbeitslosigkeit, Krankheit, geschäftl. Fehlschläge, Familien, Alleinerziehende am/unter dem Existenzminimum, Obdachlose, Straßenkinder. Es sind alles Mitmenschen, die es nicht verdient haben als "Collateral-Schaden" abgetan zu werden. Jedes einzelne Kind, das in unserer Leistungsgesellschaft in Armut u. sozial benachteiligt aufwächst, leidet darunter, lebenslange Schäden nicht auszuschließen. Es sollte uns wert sein, niemanden zurückzulassen. Über die Formen des Wirtschaftens sollte nachgedacht und das „Gemeinwohl“ wieder in den Vordergrund gestellt werden, statt Schichtung nach wirtschaftl. Stärke. Vorbild könnte das Handeln u. Denken in den vielen kleinen Gemeinden und Dörfern in Deutschland sein, wo man sich kennt, hilft, füreinander einsteht. Genossenschaftliches, soziales, charitatives Handeln u. Denken sind nur einige Begriffe, die in diesem Zusammenhang überdacht u. wieder an Bedeutung gewinnen sollten. RICHARD BEN MARTIN (Autor: "Aufstand der Obdachlosen!")

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