Reichen-Report Wer am meisten auf dem Konto hat

Das Vermögen der Sparer weltweit ist gestiegen - allerdings weniger stark als in den Jahren zuvor. In vielen Ländern frisst die Inflation die Guthaben auf, auch in Deutschland. Das meiste Geld liegt aber woanders.
Update: 18.09.2012 - 17:00 Uhr 23 Kommentare
Tresor in der Schweiz. Quelle: dpa

Tresor in der Schweiz.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Industriestaaten sind hochverschuldet, vielen Bürgern dagegen geht es finanziell prächtig, auch wenn die Vermögen zuletzt nicht mehr so rasant gewachsen sind. Das ist das Ergebnis des "Global Wealth Report", den der Münchener Versicherungskonzern Allianz heute vorgestellt hat. Um rund 1,6 Prozent legte das Vermögen in den insgesamt 52 untersuchten Ländern im vergangenen Jahr zu. Das ist nicht allzu viel, wenn man bedenkt, dass die Inflationsraten vielerorts deutlich über der Marke von zwei Prozent liegen. Und doch besteht wenig Grund zur Klage: Insgesamt belief sich das Brutto-Geldvermögen der untersuchten Privathaushalte auf 103,3 Billionen Euro.

Noch geringer waren die Wachstumsraten des Netto-Geldvermögens; das ist das Brutto-Vermögen abzüglich der Schulden. Mit 71,5 Billionen Euro legte es nur um 1,4 Prozent zu. Pro Kopf gerechnet betrug das Bruttovermögen 21.500 Euro, also gerade einmal 0,8 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2010.

Der Grund für das schwache Wachstum ist die Finanz- und Schuldenkrise in Europa und den USA. Viele verzinsliche Anlagen, Festgeld oder Anleihen beispielsweise, werfen kaum noch etwas ab. Um die Krise zu bekämpfen halten die Notenbanken das Zinsniveau künstlich niedrig. Viele Sparer trifft das hart.

In Deutschland legte das Brutto-Geldvermögen sogar noch relativ deutlich zu, nämlich um 1,1 Prozent auf insgesamt 4,71 Billionen Euro; das sind pro Kopf mehr als 57.000 Euro. Die Inflationsrate hierzulande stieg im selben Zeitraum allerdings auf 2,3 Prozent. Unter dem Strich wird das Vermögen der Sparer entwertet.

Die Studie zeigt auch, dass das Vermögen nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch weltweit sehr ungleich verteilt ist. Demnach besitzen die reichsten Länder 85 Prozent des weltweiten Nettovermögens, obwohl in ihnen weniger als 20 Prozent der Menschen leben. In kommenden Jahren dürfte sich diese Statistik allerdings ändern; die Schwellenländer, China oder Indien beispielsweise, holen auf.

Im laufenden Jahr erwartet die Allianz etwas stärker steigende weltweite private Geldvermögen. Im ersten Halbjahr habe der Zuwachs ersten Schätzungen zufolge zwischen 2,5 und 3,0 Prozent gelegen. "Aber das liegt auch nicht höher als die Inflationsrate im ersten Halbjahr", sagte Chefvolkswirt Heise. Die Sparer erzielten also keinen realen Vermögenszuwachs. Das sei schon die vergangenen elf Jahre so gewesen: Das weltweite Geldvermögen pro Kopf seit dem Jahr 2000 im Schnitt 3,1 Prozent pro Jahr gewachsen. Dies entspreche aber ziemlich genau der durchschnittlichen Inflation in diesem Zeitraum. "Die Sparer sind die Leidtragenden der Tatsache, dass sowohl die Neuordnung der Finanzmärkte als auch die Lösung der Krise im Euroraum noch immer nicht entscheidend vorangekommen sind." Wegen der niedrigen Zinsen werde das wohl auch erst mal so bleiben. "Bei diesen Niedrigzinsen muss die Sparquote noch viel höher sein, um die Altersvorsorge zu sichern", erläuterte Heise die Konsequenzen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

23 Kommentare zu "Reichen-Report : Wer am meisten auf dem Konto hat"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Willi Westerholt
    Warum muss Deutschland die reichen Südländer retten?
    Da stimmt doch etwas nicht.
    Warum fordert Frau Merkel nicht endlich die Länder auf, zuerst ihre Reichen anzuzapfen?

  • Der Reichtum besteht nicht im Besitz von Schätzen,sondern in der Anwendung, die man von ihnen zu machen versteht.
    Napoleon I.

    Und die Auffassung von Ulrich Parzany:
    http://www.gottesdienste-als-entdeckungsreise.de/_daten/downloads/2012-09-16/2012-09-16.pdf

    Die erste Generation schafft Vermögen,
    die zweite verwaltet Vermögen,
    die dritte studiert Kunstgeschichte
    und die vierte verkommt vollends.
    Otto von Bismarck

    Mit guten Segenswünschen
    Claus F. Dieterle

  • DIE REICHEN - DIE ANDEREN
    unsere Gesellschaft läßt seinen Bürgern viele Freiheiten, zu wirtschaften, Vermögen zu kumulieren. Eine gewisse Ungleichverteilung wirtschaftl. Ressourcen, "relative Armut" u. "relativer Reichtum", sind unvermeidbarer Teil einer solchen Gesellschaftsform und bedingen einander. Ein solcher Zustand ist nur stabil, Wohlstand sinnvoll verteilt, solange ein Gleichgewicht der Kräfte herrscht. Die Gesellschaft muß also um sog. "Sozialer Gerechtigkeit" bemüht sein. Es ist nichts Neues, daß Bildung das wichtigste Mittel zur Armutsbekämpfung ist, aber auch Gründerförderung, Chancengleichheit u.v.m. sind Bestandteile einer transparenten fairen Gesellschaft. Entscheidend ist aber, daß dieses Gleichgewicht der Kräfte zunehmend Unwuchten aufweist, wie eine steigende Ungleichverteilung der Einkommen u. Vermögen, Alters- u. Kinderarmut, Niedriglohnsektor u.v.m. zeigen. Im Besonderen geht es auch um diejenigen, die durch das soziale Netz fallen: Menschen mit großer Schuldenlast, verursacht durch Arbeitslosigkeit, Krankheit, geschäftl. Fehlschläge, Familien, Alleinerziehende am/unter dem Existenzminimum, Obdachlose, Straßenkinder. Es sind alles Mitmenschen, die es nicht verdient haben als "Collateral-Schaden" abgetan zu werden. Jedes einzelne Kind, das in unserer Leistungsgesellschaft in Armut u. sozial benachteiligt aufwächst, leidet darunter, lebenslange Schäden nicht auszuschließen. Es sollte uns wert sein, niemanden zurückzulassen. Über die Formen des Wirtschaftens sollte nachgedacht und das „Gemeinwohl“ wieder in den Vordergrund gestellt werden, statt Schichtung nach wirtschaftl. Stärke. Vorbild könnte das Handeln u. Denken in den vielen kleinen Gemeinden und Dörfern in Deutschland sein, wo man sich kennt, hilft, füreinander einsteht. Genossenschaftliches, soziales, charitatives Handeln u. Denken sind nur einige Begriffe, die in diesem Zusammenhang überdacht u. wieder an Bedeutung gewinnen sollten. RICHARD BEN MARTIN (Autor: "Aufstand der Obdachlosen!")

  • vor Jahren wurde ein früherer SPD-Vorsitzender gefragt, was er sich unter einem "Besserverdienenden" vorstellt. Er faselte was von zweitausend Mark, brutto oder netto war nicht ganz klar. Die gleichen Leute werden irgendwann eine Vermögenssteuer einführen und dabei ihre überproportionalen Ansprüche auf Abgeordnetenrente unberücksichtigt lassen! Und das Ganze wird sich an Festbeträgen orientieren und jegliche Inflation außer Betracht lassen! Und das so eingenommene Geld geht nach Südeuropa zur Bankenrettung und Rentenfinanzierung!

  • fast noch erschreckender als der Dilettantismus der Politik ist das Niveau einiger Beiträge in diesem Forum - die "Reichen" sind schuld (reich sind übrigens immer nur die anderen), das "System", die "Eliten"...Fakt ist, dass Deutschland immer noch eines der reichsten Länder der Welt ist, in dem es den Armen immer noch besser geht als in fast allen anderen Ländern weltweit. Dass wir hier eine ungute Umverteilung nach oben erlebt haben, ist ebenfalls unbestritten. Sinnvolle Vorschläge zur Stabilierung und Verbesserung des Systems liegen aber seit geraumer Zeit auf dem Tisch und müssen "nur noch" umgesetzt werden (Zerschlagung zu großer Banken, Regulierung von Schattenbanken, Verschuldungsgrenzen etc.). Die derzeitige Krise ist, trotz ihrer Dimension, nicht einzigartig. War alles in der einen oder anderen Form schon mal da ...

  • bzw.:

    As Eccles wrote in his memoir Beckoning Frontiers (1966):

    "As mass production has to be accompanied by mass consumption, mass consumption, in turn, implies a distribution of wealth ... to provide men with buying power. ... Instead of achieving that kind of distribution, a giant suction pump had by 1929-30 drawn into a few hands an increasing portion of currently produced wealth. ... The other fellows could stay in the game only by borrowing. When their credit ran out, the game stopped."


    Erbschaftsmasse deckeln --> sozialisierte Kapitalerträge zu BGE.

    Bargeld und Substitute verbieten - den Sumpf aus Verbrechen, Korruption, Steuerhinterziehung trocken legen.

    ... wer mehr will als BGE, der muß dann eben etwas leisten.

    Weg von der Verbrecher und Eigentümergesellschaft - hin zu einer Leistungsgesellschaft.

    Ja, richtig: ich packe die Eigentümer und die Verbrecher in einen Sack. (Beweislastumkehr... bevor nicht der Nachweis erbracht ist daß das Eigentum durch Eigenleistung erbracht wurde gehe ich -wie eine US-Finanzbehörde- von Verbrechern aus. "Irgendwo" muß die ganze Kohle aus dem organisierten Verbrechen ja schließlich landen - bei "irgednwelchen" Reichen ...

  • Reich ist nicht der, der viel hat.
    Sondern der, der nicht viel braucht!

  • @babsack69
    So ist es und noch viel schlimmer!
    Die Republik muss und wird sich verändern,
    es kann nicht sein, daß wir Arbeitsplätze vernichten,
    die Menschen unwürdig bezahlen, einseitige Bezahl- und
    Vorsorgesysteme haben. Volksvermörgen privatisiert wird,
    Renten- und Sozialkassen, je nach Stimmungslage geplündert
    werden. Der Deutsche Normalbürger hat mit der Euroeinführung schon viel zu viel bezahlt, durch Betrug der
    Polit- Bankster- Industrie- und Handelskaste.
    Man kann es nicht oft genur wiederholen: Einführungs-
    kurs 1:1.95583. Anpassung der Preise 1:! erfolgte fast
    unmittelbar, Einkommen der Bankster- Polit- und der genannten Industrie- und Handelskasten mehr als 1:1,
    Einführung von HartzIV, Minijobs etc. etc.
    Dann wird über Jahre dem Bürger vorgemacht, der Euro ist
    ein Stabilitätsanker? Die Deutschen haben vor allem vom
    Euro profitiert.
    Ja, welche Deutschen ? Die genannten Kasten, die sog. Elite!
    Die Einkommen der normalen Bürger wurden halbiert die
    Ersparnisse ebenso. Die wahre Inflation liegt bei weit
    über 50% seit Einführung des Euro. Der Souverän wird
    belogen und verarscht. Die "Exportnation" Deutschland
    bezahlt bzw. finanziert ihre Ausfuhren in die EU überwiegend selber. Dieser Betrug und diese Sauerei muss
    geändert werden, radikal und nachhaltig, sonst wird unser
    Staatswese über kurz oder lang untergehen.

  • Nicht "die Politiker" und "der Staat" verschleudern unser Geld und "veruntreuen" unsere Rente sondern die Umverteilung durch neoliberale Politik steht dahinter.Weg vom Staat,hin zu Privat.Deshalb wird das Vermögen bestimmter "Privatleute",die an der "Quelle""sitzen immer mehr,und das Staatsvermögen immer weniger.Gewitzter Lobbyismus sorgt dafür,dass manche Abgeordnete benutzt werden wie Marionetten.
    Und der Staat sind,oder sollten sein,immer noch WIR ALLE zusammen.Und da sind solche krassen Unterschiede einfach unfair.Ab einer bestimmten Geldmenge ist Geld nichts anderes als Macht.Da reden wir logischerweise nicht mehr von Millionen-,sondern Milliardenvermögen.
    Das Abschmelzen der Rentenbeiträge durch eine Abwanderung in "private Vorsorge"z.B.(zum Vorteil der Versicherungswirtschaft)und die Reduzierung Sozialversicherungpflichtiger Arbeit,sind ein schönes Beispiel dafür.Eine Gruppe plündert die andere aus.Es macht da auch keinen Unterschied,ob die Plünderer aus dem eigenen Land stammen.In früheren Zeiten war es der Adel,heute bestimmte Konzerne.Globalisierung eben.

  • "The United States economy is like a poker game where the chips have become concentrated in fewer and fewer hands, and where the other fellows can stay in the game only by borrowing. When their credit runs out the game will stop."
    Marriner Eccles, der bemerkenswerte FED Präsident (und der letzte Anständige FEDler) über die 1930er - hört sich an als wäre es gestern vormittag gesagt worden.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%