Rente
Der Beitrag soll schneller steigen

Die Regierung zeigt sich gegenüber Rentnern spendabel. Nicht nur für die Rente mit 63 steigen die Kosten. Der Präsident der Rentenversicherung plädiert jetzt für eine schnellere Erhöhung des Rentenbeitrags für Berufstätige
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BerlinAngesichts der für die kommenden Jahre erwarteten wachsenden Defizite bei der Rentenversicherung hat sich deren Präsident Axel Reimann dafür ausgesprochen, die bislang erst für 2019 erwartete Wiederanhebung des Rentenbeitrags um mindestens ein Jahr vorzuziehen. „Es geht mir um die finanzielle Mindestausstattung der Rentenversicherung. Die Untergrenze von 0,2 Monatsausgaben für die Nachhaltigkeitsrücklage hat sich in der Vergangenheit als zu niedrig erwiesen“, begründet Reimann seinen Vorstoß im Gespräch mit dem Handelsblatt .

Er plädiert daher dafür, diese Grenze auf mindestens 0,4 Monatsausgaben zu erhöhen und so für eine auskömmliche Mindestausstattung der Rentenversicherung zu sorgen. „Dann wäre freilich der Rentenbeitrag nach unseren jetzigen Rechnungen schon 2018 anzuheben,“ fügte Reimann hinzu.

Der Präsident der Rentenversicherung wies darauf hin, dass der Rentenversicherung nach einer langen Zeit guter Nachrichten auch wegen der aktuellen Rentenbeschlüsse magere Zeiten bevorstehen. „Nach der Senkung des Rentenbeitrags auf 18,7 Prozent im Januar und wegen der Kosten des Rentenpakets, aber auch wegen der demografischen Entwicklung greifen wir zur Finanzierung unserer laufenden Ausgaben auf unsere Rücklagen zurück. Nach unseren Schätzungen werden die Reserven 2019 die gesetzliche Untergrenze von 0,2 Monatsausgaben unterschreiten, so dass der Beitragssatz dann in jedem Fall wieder erhöht werden muss.“ Bis dahin werde die Rentenversicherung nur Defizite auswiesen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sieht derweil nach eigenen Worten „keinen Run auf die Rente mit 63". Bis Ende Dezember habe es 206.000 Anträge gegeben, sagte Nahlesin der vergangenen Woche. Nach Schätzungen hätten aber bis zu 240.000 Menschen im Jahr 2014 einen Anspruch geltend machen können. „Es gehen also bei weitem nicht alle in die Rente nach 45 Arbeitsjahren, die das theoretisch tun könnten“, sagte Nahles.

Die Arbeitsministerin sprach sich zudem für eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge aus. „Gerade in kleineren und mittelgroßen Unternehmen muss diese Säule der Alterssicherung selbstverständlicher werden“, sagte Nahles.

Ein Gesetz der großen Koalition erlaubt es langjährig Beschäftigten, bereits mit 63 Jahren in Rente gehen, ohne Abschläge in Kauf nehmen zu müssen. Voraussetzung ist allerdings, dass 45 Beitragsjahre nachgewiesen werden.

Kommentare zu " Rente: Der Beitrag soll schneller steigen"

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  • Prof. Bosbach hat in seinem Vortrag "Lügen mit Zahlen" darauf hingewiesen, das die Riesterrente mit 4% Eigenvorsorge an den Kapitalmärkten, die eben nicht paritätisch von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen getragen wird, in der gesetzlichen Rentenversicherung investiert, bei Löhnen die mit der Produktivität und Inflation mitsteigen eine Absenkung der gesetzlichen Rente, wie es vorgesehen ist auf 43% des letzten Netto nicht notwendig wäre - ohne Zahlungsprobleme der Rentenkasse - dieses Rentendesaster ist hausgemacht mit ideologischer Finanzmarkt-Gläubigkeit.

  • Sind wir denn schon im Sommerloch?
    Die Finanzierung der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung ist doch ein typisches Sommerlochthema, oder? Plädiert der Präsident der Rentenversicherung denn tatsächlich "für eine schnellere Erhöhung des Rentenbeitrags für (alle) Berufstätige(n)"? Sind nicht erst zum Januar die Beiträge gesenkt worden? Nun sollen die wieder und sogar schneller erhöht werden? So steht das im Beitrag gar nicht drin!
    Wie kommt der Präsident der Rentenversicherung zu einer Schätzung, die bereits bis 2018 den völligen Verbrauch der Rücklagen in Höhe von 34 Milliarden Euro vom 31 12. 2014. Das waren über 3,3 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor, trotz Mütterrente und Rente nach 45 Beitragsjahren. Die Senkung des Rentenbeitrags zum 1. Januar betrifft gerade diese 3,3 Milliarden.
    Wovon hängt denn die Summe der Rentenbeiträge ab? Die hängt ab, von der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Diese Anzahl ist 2014 um über eine Halbe Million angestiegen. Wird diese Zahl 2015 weitersteigen? Nimmt man die Schätzung des DIHK, steigt diese Zahl weiter. Bei Durchschnittseinkommen zahlen diese halbe Million aus dem Vorjahr ca. 5 bin 6 Milliarden Rentenbeiträge zusätzlich zu den Mehrbeiträgen aus Lohnsteigerungen. Schon in drei Monaten werden die Leser wissen, ob 2015 die Reserven der GRV beansprucht werden müssen. Voraussichtlich nicht! Mehr noch gilt das für die Folgejahre. Das bedeutet zugleich, dass bei mehr Beitragszahlern die Rentenbeiträge gesenkt werden können. Diese könnten 2019 bei 17,9 Prozent liegen, ohne dass die Reserven angegriffen werden müssen. Hier steht also Aussage gegen Aussage. Bald werden wir wissen, wer recht behält.

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