Rente und Sparen

Wie das Zinstief die private Altersvorsorge eliminiert

Die niedrigen Zinsen erschrecken die Deutschen. Viele denken, private Altersvorsorge sei nicht mehr attraktiv und geraten in einen Teufelskreis. Was Lebenspolicen noch bringen und warum es im Alter bei vielen knapp wird.
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Vorsorge fürs Alter: Die Deutschen verzichten trotz Zinstief auf ihre private Absicherung. Quelle: dpa

Vorsorge fürs Alter: Die Deutschen verzichten trotz Zinstief auf ihre private Absicherung.

(Foto: dpa)

Beinahe fünf Jahre ist es jetzt her, seitdem die Notenbank EZB ihren Leitzins sukzessive von 4,25 Prozent auf aktuell 0,5 Prozent absenkte. In der Folge sinken die Renditen für Tages- und Festgeld, Sparbücher und Lebenspolicen, die liebsten Sparformen der Deutschen. Die langen Jahre der Minizinsen – einige Sparbücher bringen nur noch 0,05 Prozent Zinsen, Tagesgeld teilweise nur noch 0,1 Prozent – zermürben allmählich selbst die treuesten Sparer.

Den Frust der Vermögenden fasst jetzt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag der Postbank zusammen. Das beunruhigende Kernergebnis: Die Deutschen verlieren die Lust an der privaten Altersvorsorge.

Jeder dritte Berufstätige beklagt die niedrigen Zinsen. Knapp die Hälfte der insgesamt 1553 Befragten will die persönliche Altersvorsorge nicht mehr ausbauen. Das ist der höchste Wert, den die Postbank seit zehn Jahren gemessen hat, vor zehn Jahren lag die Quote der Verweigerer noch 17 Prozentpunkte niedriger.

Noch nie in den vergangenen fünf Jahren nahmen so wenige Berufstätige eine Beratung zur Altersvorsorge in Anspruch. Beunruhigend: 42 Prozent der Befragten hatten noch nie eine Beratung zur Vorsorge, 31 Prozent der Befragten gibt an, überhaupt nicht privat für das Alter vorzusorgen. Mehr als jeder vierte Berufstätige aus den neuen Bundesländern erklärt, dass er sich im Alter nicht aus eigenen Mitteln finanzieren kann.

Banker schlagen Alarm. „Eine zentrale Ursache für den Rückgang der Sparquote ist die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank“, mahnt Andreas Martin, Vorstand beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die Sparquote sei auf nur noch zehn Prozent des verfügbaren Einkommens gesunken. „Die niedrigen Zinsen verringern die Erträge konventioneller Zukunftsvorsorgeprodukte und damit auch die Sparanreize“, sagt Martin.

Der Teufelskreis der Altersvorsorge
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39 Kommentare zu "Rente und Sparen: Wie das Zinstief die private Altersvorsorge eliminiert"

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  • Mach Dich nicht in die Hose, Deutschland geht es, dank Euro, prächtig. You can't have the cake and eat it too.

  • Kann ich irgendwie nicht lesen. Jammern und CDU wählen.
    Die Leute haben es so verdient.

  • Hier muß ich aber für das HB Online und auch Papier eine Lanze brechen.
    Das HB hat des Öfteren über Inflation, seine Folgen, Geldentwertung und Vernichtung von Altersvorsorge geschrieben.

    20.09.2013 Über den Ausverkauf deutscher Interessen
    13.08.2013 Soviel Rente bekommen Sie
    30.06.2012 Inflation schadet den Alten von morgen
    12.04.2012 Inflation - ein Leerstück
    und, und

    Letzterer ist absolut köstlich und wiederlegt die verlogenen und bezahlten Schreiberlinge.

    Ich verstehe diese ganze Aufregung derzeit nicht. Die Richtung ist vorgegeben und seine Folgen für D ebenso.
    Eine Änderung ist die nächste Zeit nicht möglich. Eine Steigerung der Verzinsung müßte über der realen Preissteigerung von über 5% liegen, um auf Null zu kommen. Die Euro Zwangsjacke läßt sowas nicht zu.

    Sie hätten schon vor einigen Jahren handeln müssen, Ihren Kopf benutzen müssen.
    Nichts wird besser werden, ausser Sie kümmern sich selbst.

    Trotzdem einen schönen Abend noch.

  • @aj1968
    Das sehe ich wie Sie!

    Ich halte auch die Überschrift heute (!) nicht für korrekt. Das "Spiel" war von Anfang an genau so geplant. Deshalb steht es der Presse heute nicht zu, sich entrüstet zu zeigen. Es hätte der Presse sehr gut zu Gesicht gestanden, die Bürger mit Beiträgen zeitnah und sachlich aufzuklären und ihnen klar zu machen, dass hier Enteignung in größtem Spiel läuft.

    Das ist geplante Altersarmut, in die Politiker das Volk schicken und sich gleichzeitig großzügigst Pensionen genehmigen und sichern.

    Das ist nicht fair. Es ist insbesondere nicht fair, das Geld der Altersvorsorge entschädigungslos in den Süden Europas zu schicken und dem Bürger keinen klaren Wein darüber einzuschenken.

    Wer will die Rentner vor der Altersarmut schützen? Eine Altersarmut auf die wir zu steuern, wenn keine private Vorsorge betrieben wird. Eine Vorsorge, die keine Vorsorge darstellt, ist unsinnig. Und ausgerechnet das bieten uns die Politiker an?

    Hoffen wir, dass Frau Kraft außerhalb und innerhalb sich ihrer Herkunft erinnert und die nötige Kraft und Ausdauer hat, die Reihen zu säubern.

    Das ist unlauter. Das ist unsozial. Das ist nicht fair. Das ist vorsätzlich. Das ist Betrug am Bürger!

  • ... und wer seine Altersvorsorge mit einer Eigentumswohnung sichern will, der wird im Rentenalter von der Krankenkasse geschröpft. Es ist eigentlich egal, was man macht, der Staat greift zu. Nachgelagerte Rentenbesteuerung,Krankenkassenbeiträge auf Riestereinnahmen, Miete, Zinseinnahmen. Besser ists sein Geld zu verbrassen, noch besser dieses im Ausland zu verbrassen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wer seine Zukunft Banken, Versicherungen oder staatlicher Verwaltung anvertraut wird auf Sand gebaut haben, wenn das aktuelle Zinsgeldsystem implodiert. Und das wird sicher passieren. In zwei Wochen oder erst in 15 Jahren, keine Ahnung, aber selbst mit 0,5% Zins greift die Exponentialfunktion des Zinseszinsen erbarmungslos zu. Verschuldungsgrenzen werden immer weiter in den Bereich verschoben, wo selbst Wunschdenken und Rechentricks keine Tilgung mehr möglich machen. Das tatsächliche Wachstum kann die Verschuldung nicht mehr ausgleichen.

    Kauft euch Dinge, die ihren Wert behalten und zur Not vor immer gieriger werdenden Staatsschergen versteckt werden können. Dann habt ihr wenigstens Tauschmaterial für die unmittelbare Zeit nach dem grossen Finanzbeben, das alle vorher zu kleinen Erschütterungen degradieren wird.

    Und dann muss ein Neuaufbau mit direkt vom Staat erzeugtem zinsfreiem Tauschgeld gemacht werden, statt das gescheiterte System neu zu starten. Ein solcher Staat muss natürlich per direkter Demokratie quasi täglich die Legitimation des Volkes einholen. Nur so kann die Menschheit einen Schritt nach vorne machen.

  • In anderen Laendern wie England und die USA ist die Nullzinspolitik kein Thema in Bezug auf die Rente. Da wird auf dem Sparbuch nicht fuer die Rente gespart. Auch die Lebensversicherung ist was sie eigentlich ist: eine Lebensversicherung und nicht eine Kapitalversicherung. Es wird wohl Zeit das Versicherungen und Banken auch in Deutschland Fonds fuer Kleinanleger anbieten, damit sie am Erfolg am Kapitalmarkt teilnehmen koennen. Das Geschaeftsmodell der Sparkassen ist ueberholt. Niedrige Zinsen zahlen und Kredite zu hohen Zinsen vergeben, ist zu einfach und duerfte wohl vorbei seien. Opas Sparbuechse in der Kneipe oder Omas Sparbuechse im Konsumladen, aus den Anfaengen der Arbeiterbewegung, ist Geschichte.

  • "Der Staat bringe mit kleinen, verwickelten und engen Regeln jede Nation schliesslich dahin, dass sie nur noch eine Herde furchtsamer und geschäftiger Tiere ist, deren Hirte die Regierung". (Alexis de Tocqueville)

  • wenn es für geld keinen realen gegenwert gibt

    nur den in der fantasie einzelner

    dann bricht die fatamorgana zum zeitpunkt X zusammen.

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