Rentenalter
Länger leben und bis 70 arbeiten

Menschen werrden immer älter, und auch die körperliche Konstitution alter Menschen wird sich in den kommenden Jahrzehnten stetig verbessern. Schon heute kann man ausrechnen, dass die Rente mit 67 nicht reicht – Wissenschaftler diskutieren bereits über eine weitere Anhebung des Rentenalters.

FRANKFURT. Dem englischen Premierminister Winston Churchill wird der Satz zugeschrieben: "Ich glaube nur an die Statistik, die ich selbst gefälscht habe." Wer sich mit seiner Lebenserwartung und der Rente beschäftigt, dem geht es schnell genauso. Was kann man noch glauben? Und selbst wenn die Statistik nicht lügt: Was bedeutet das? Klar ist: Die Deutschen werden immer älter. Im Schnitt liegt die Lebenserwartung von Frauen und Männern um 90 Jahre - mit steigender Tendenz. Da weniger Kinder geboren werden, verschlechtert sich die Relation von jungen zu alten Menschen. Das wird ab Mitte des nächsten Jahrzehnts noch deutlicher spürbar, erwartet die Bundesbank – wobei sich der Trend bis 2050 dramatisch verstärken soll.

Dies hätte gravierende Konsequenzen für das staatliche Rentensystem. "Um das System zu stabilisieren, sind vor allem Änderungen an den zentralen Stellgrößen Beitragssatz, Rentenniveau, Rentenalter oder Bundeszuschuss notwendig", urteilt die Bundesbank. Bleiben wir beim Rentenalter: Im vergangenen Jahr wurde eine allmähliche Anhebung von 65 auf 67 Jahre beschlossen. Ab 2012 soll das Rentenalter um einen Monat pro Jahr und ab 2024 dann um zwei Monate pro Jahr steigen. Betroffen sind die Jahrgänge 1947 bis 1963. Wer 1952 geboren ist, geht nicht mit 65 in Rente, sondern ein halbes Jahr später. Der Jahrgang 1960 muss 16 Monate länger arbeiten. Und ab dem Geburtsjahrgang 1964 sind es generell zwei Jahre: Das wäre die Rente mit 67.

Der Sinn: Die Bundesbürger sollen länger in das Rentensystem einzahlen. "Auf Grund dieser Maßnahme, die sowohl auf die Einnahmen- als auch auf die Ausgabenseite wirkt, soll der Beitragssatz 2030 um einen halben Prozentpunkt niedriger festgesetzt werden können", so die Bundesbank. Schon heute kann man sich aber ausrechnen, dass dies nicht reicht. Deshalb propagiert die Bundesbank bereits die Rente mit 68,5. Ökonomen wie Martin Gasche vom Allianz Dresdner Economic Research fordern die "Rente mit 69". Da ist 70 nicht weit. In den Köpfen der Menschen ist die Zahl bereits drin.

Wohl wissend, wie viel Sprengsatz in Rentendebatten steckt, stellt die Bundesbank fest: "Zur Stabilisierung der Staatsfinanzen (Steuern und Sozialbeiträge) wie des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotenzials ist eine längere Beschäftigung Älterer in jedem Fall von großer Bedeutung." Der Arbeitsminister weist dies – natürlich – weit von sich. "Es gibt viele unqualifizierte Äußerungen", sagte Olaf Scholz. "Die Forderung, das Renteneintrittsalter auf über 68 Jahre anzuheben, ist der neueste Quatsch." Das war eine Ohrfeige an die Adresse der Bundesbank.

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