Rentenfonds
Jäger der verlorenen Prozente

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Der Flaute auf dem Rentenmarkt entkommen

Manager Kerth hat als derzeit beste Zinsquelle Anleihen aus Spanien und Italien ausgemacht. Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bieten ihm gerade mal 0,3 Prozent Rendite. Vergleichbare spanische und italienische Bonds werfen 1,5 und 2,1 Prozent ab, deshalb machen sie 15 Prozent von Kerths Portfolio aus. Bundesanleihen kommen auf 20 Prozent. Doch auch 2,1 Prozent italienische Rendite nützen nichts, sollten Inflation und Zins nach oben drehen.

In den eigentlich ruhigen Ecken des Marktes, bei Bundesanleihen, sind die Anleiherenditen bis zur Laufzeit von sieben Jahren negativ, wer eine fünfjährige Bundesanleihe kauft, verliert jährlich 0,43 Prozent – das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt grüßen. Die EZB kauft seit März 2016 Papiere auf, inzwischen schon für über eine Billion Euro, davon ein Drittel Bundesanleihen.

Die Gefahr für Rentenfondsanleger: Schon ein minimaler Zinsanstieg wird teuer. Steigt die Rendite nur 0,25 Prozentpunkte, gibt der Kurs fünfjähriger Bundespapiere um 1,2 Prozent nach, warnt Andrew Bosomworth, Investmentchef bei Pimco in Deutschland. Um Rendite zu erzielen, kaufen manche Rentenfonds jetzt Anleihen von Banken, die im Pleitefall nicht einmal zum Teil zurückgezahlt werden (sogenannte Nachrangpapiere); dazu kommen Hochzinspapiere wackliger Unternehmensschuldner oder Anleihen, die in Aktien umgewandelt werden können oder müssen (Wandelanleihen). „Dann stellt sich die Frage, ob die Manager in diesen Bereichen genügend Expertise haben“, sagt Natalia Wolfstetter, Fondsanalystin bei Morningstar. Wegen der niedrigen Renditen rät sie Anlegern, die Kosten ihrer Fonds zu kontrollieren. „Börsengehandelte Indexfonds, die sogenannten ETFs, können in den Standardbereichen des Rentenmarktes eine günstige Alternative sein“, so Wolfstetter.

Der Mainzer Finanzberater Antonio Sommese rät vielen Kunden ganz von Rentenfonds ab. „Wer Sicherheit sucht, ist beim Tagesgeld richtig. Zu dem passen keine volatilen Hochzinsanleihen.“ Die Zyklen in Schwellenländern oder von bonitätsschwachen Unternehmen sind gefürchtet und denen von Aktien sehr ähnlich. „Dann könnten Anleger gleich in einen Aktienfonds investieren, da sind die Gewinnchancen höher und die Dividenden interessant“, meint Sommese. Sein Tipp: Aus gut gelaufenen Euro-Staatsanleihefonds monatlich kleine Beträge in Aktien- oder Mischfonds umschichten, um der Flaute auf dem Rentenmarkt zu entkommen.

Als Alternativen zu den mageren Anleiherenditen bieten sich Fonds an, die in den Teilen der Welt Anleihen kaufen, in denen es noch Zinssenkungen geben könnte. Das wären etwa Schwellenländer. Templeton-Manager Hasenstab verspricht sich von Investments in Brasilien, Argentinien und Kolumbien viel. Andere Fondsmanager wie Paul Brain, Rentenfondschef bei Newton BNY Mellon, halten Anleihen aus Australien und Neuseeland für attraktiv, weil dort die Wirtschaft schwächelt.

Auch die in der Finanzkrise in Verruf geratenen verbrieften Immobilienkredite, werden unter Experten als renditestarke Alternative zum traditionellen Rentenmarkt gehandelt. Pimco-Fondsmanager Dan Hyman beobachtet den Markt seit der Finanzkrise, er checkt die Viertel, in denen die finanzierten Häuser stehen, deren Darlehen in Anleihen gebündelt sind, schaut sogar die Kriminalitätsstatistik an. Der Aufwand lohnt: Das jetzt auch in Deutschland erhältliche Portfolio wirft im Durchschnitt 4,25 Prozent ab.

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