Rentenfonds
Jäger der verlorenen Prozente

Anleiheportfolios brachten dank steigender Kurse über Jahrzehnte gute Renditen. Mit der Zinswende ist das vorbei – außer bei exotischen Papieren. Mit welchen Rentenfonds Anleger noch eine Chance auf Rendite haben.
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Bill Gross war der Anleihekönig schlechthin. Seinen guten Ruf als Experte für Zinspapiere hatte sich der Gründer des US-Fondshauses Pimco über Jahrzehnte erarbeitet. Nicht nur die beachtlichen Renditen des einst größten Anleihefonds der Welt brachten ihm zahlreiche Lorbeeren ein, sondern auch ein gutes Gespür für Risiken. So hat der 73-Jährige, der heute den ziemlich kleinen Janus Global Unconstrained Bond-Fonds lenkt, die Gefahren der US-Immobiliendarlehen lange vor dem Lehman-Desaster erkannt. Das hängt nach.

Doch in den Jahren, in denen er erfolgreich war, war es für Rentenfondsmanager auch ein Leichtes, Performance zu erzielen. Die Zinsen waren hoch, und seit den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts gaben weltweit sinkende Zinsen den Kursen der Anleihen in ihren Portfolios Auftrieb. Gehen die Renditen am Markt zurück, steigen die Kurse von Altanleihen, weil diese höhere Zinskupons besitzen als zu aktuellen, niedrigeren Marktrenditen begebene Neuanleihen. Die Anleihekurse profitierten in den vergangenen Jahren auch davon, dass immer mehr Geld auf der Suche nach Sicherheit bei ihnen landete.

Diese Sicherheit aber ist bedroht. Noch zeigen die langfristigen Ergebnisse der Fonds gute Zuwächse. Über zehn Jahre brachte der hierzulande größte Rentenfonds UniEuroRenta jährlich 3,4 Prozent. In den vergangenen drei Jahren aber waren es nur 1,3 Prozent jährlich, in diesem Jahr ist der Fonds leicht im Minus.

Nur kaufen und liegen lassen gilt 2017 für Rentenfonds nicht mehr: Nur noch 70 von 420 weltweit anlegenden Rentenfonds liegen 2017 im Plus. Der mit drei Milliarden Euro von heimischen Anlegern zu einem der größten Rentenfonds in Deutschland aufgestiegene Templeton Global Bond verlor seit Januar vier Prozent. Fondsmanager Michael Hasenstab gelang es in der Vergangenheit nach solchen Phasen relativ schnell wieder, ins Plus zu kommen. Aber die Strategie strapaziert mit hohen Kursschwankungen die Nerven der Anleger.

Angesichts der niedrigen Zinsen und der zahlreichen Fallen, die durch hohe Staatsverschuldung sowie Zins- und Währungsänderungen am Anleihemarkt drohen, sind die Fondsmanager nervös. Deutsche Anleger hat das aber noch nicht angesteckt. Sie halten ihre knapp 200 Milliarden Euro in den Rentenfonds heimischer Fondshäuser. Netto 2,9 Milliarden Euro zahlten sie in den ersten vier Monaten des Jahres sogar noch neu in die Anleiheportfolios ein. Viele hoffen offenbar, dass sie mehr bringen als den Nullzins, den ein Tagesgeld verspricht.

Eine Hoffnung, die trügen könnte. „Die guten Zinsjahre sind vorbei, die Zinsen sind tief, die Risikoaufschläge der Anleihen sind eingedampft. Wir sind auf einem Niveau, wo alles schwieriger ist“, sagt Rüdiger Kerth, beim Volksbanken-Fondshaus Union Investment zuständig für den milliardenschweren UniEuroRenta. Sein Minus von nur 0,4 Prozent ist nicht dramatisch, doch von einem auf den anderen Tag in ein Plus verwandeln lässt sich das nicht. „Eine schwarze Null bis zum Jahresende wäre aufgrund der moderat steigenden Zinsen eine realistische Erwartung“, sagt Kerth.

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