Rentenfonds: Starre Grenzen als Nachteil für Anleger

Rentenfonds
Jäger der verlorenen Prozente

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Starre Grenzen als Nachteil für Anleger

Vor allem die in Euro-Staatsanleihen investierenden Rentenfonds wie der UniEuroRenta, aber auch die viel verkauften Allianz Rentenfonds (1,5 Milliarden Euro Volumen) und DWS Euro Government Bonds (1,4 Milliarden) gelten traditionell als risikoarme Geldanlage. Viele Fonds, die seit Jahrzehnten auf dem Markt sind, setzen in ihren Statuten den Fondsmanagern aber starre Anlagegrenzen, was jetzt zum Nachteil werden kann.

So darf Kerth nicht einfach auf renditestarke Nischen im Markt umschwenken, wie es Fondsmanager anderer Portfolios versuchen. Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und mit Immobilienkrediten unterlegte Pfandbriefe kann Kerth kaufen, aber auch nur, wenn Ratingagenturen die Schuldner als zahlungskräftig einschätzen.

Die Gefahren für eine Wende zum Schlechten für Anleiheinvestoren sind für jedermann sichtbar: In diesem Jahr wächst die Wirtschaft in den Industrieländern weltweit, und die Notenbank in den USA hat eine zumindest kleine Zinswende eingeläutet. Für bereits in Rentenfonds investierte Anleger sind das miese Nachrichten, weil Papiere, die neu auf den Markt kommen, bald einen höheren Zinskupon haben könnten. Altanleihen, die bereits in den Fonds stecken, können diesen Nachteil nur über günstigere, sprich fallende Kurse ausgleichen, sonst würde sie niemand mehr kaufen. Da die Kurse der Rentenfonds täglich neu berechnet werden, schlägt ein Minus bei den Anleihekursen auf ihre Wertentwicklung durch.

So schon geschehen bei Bill Gross: 5,4 Prozent verlor der von ihm gelenkte Janus Global Unconstrained Rentenfonds seit Januar. Dabei könnte Gross weltweit, „unconstrained“, also ohne Zwänge und Einschränkungen, in jeder Zinsnische nach attraktiven Renditen suchen. Die Streuung über verschiedene verzinste Wertpapiere, die von Staaten, Banken oder Unternehmen als Schuldner ausgegeben werden, soll Verluste dämpfen. Den Ertrag maximieren und das Kapital schützen, so heißt es großspurig zu den Zielen des Bill-Gross-Fonds, aber der Spagat gelang in diesem Jahr nicht mehr.

Bei global gemischten Anleiheportfolios haben die Manager zwar die Freiheit, zwischen sämtlichen Anleihearten, Weltregionen und Währungen dort zu investieren, wo sie Chancen wittern. Doch derzeit wertet der Euro gegenüber dem Dollar und anderen Währungen auf, schnelle Gewinne durch Investments in Fremdwährungen sind nicht mehr drin.

Aber auch der Rentenmarkt im Euro-Land bleibt ein schwieriges Pflaster. Im Februar kletterte die Teuerungsrate schon auf zwei Prozent, die Renditen für sichere Anleihen blieben aber weiter darunter. Im Mai war die Preissteigerungsrate zwar wieder auf 1,5 Prozent abgeflaut, aber für Peter Huber, Chef des Vermögensverwalters StarCapital aus Oberursel, wird Inflation zur dauerhaften Gefahr: „In drei bis vier Jahren werden wir in Europa über fünf Prozent Inflation haben.“ Huber geht von weiterem Wirtschaftswachstum und steigenden Rohstoffpreisen aus, die das Preisniveau anheben würden. Folgten Anleihen einer solchen Inflation, dann würde es einen Crash am Rentenmarkt geben. Der würde auch etablierte Fonds wie den UniRenta in die Tiefe ziehen.

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