Riester-Rente Die höhere Zulage entpuppt sich als Luftnummer

Seite 2 von 2:
Altersvorsorgetypen lassen sich nicht einfach vergleichen
Wofür die Deutschen so viel sparen
Sparen macht glücklich
1 von 7

80,4 Prozent der Deutschen haben 2016 gespart – das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Postbank. Damit ist die Zahl zum Vorjahr um mehr als fünf Prozentpunkte gestiegen. Sparen fördert dabei das Gefühl von Sicherheit und soll deshalb glücklich machen. Doch wofür genau sparen die Deutschen?

Platz 6: Notfälle
2 von 7

Drei Prozent der Bundesbürger sparen für den Notfall. Dies können beispielsweise Unfälle, Arbeitsunfähigkeit oder Krankheiten sein. Im Vorjahr waren es noch vier Prozent.

Quelle: Frühjahrsumfrage 2017 des Verbands der Privaten Bausparkassen

Platz 5: Kinder
3 von 7

Etwa genau so viele Deutsche sparen für die Ausbildung ihrer Kinder. Besonders Schulbücher, Exkursionen und das spätere Studium oder eine Ausbildung können das Portemonnaie belasten.

Platz 4: Kapitalanlage
4 von 7

Trotz Risiken rückt das Sparmotiv „Kapitalanlage“ wieder mehr in den Fokus. 29 Prozent der Bundesbürger sparen dafür. Neben Investmentfonds, Aktien und festverzinslichen Wertpapieren spielen hier auch Kapitallebensversicherungen eine Rolle.

Platz 3: Haus
5 von 7

42 Prozent der Deutschen sparen für den Traum vom eigenen Heim. Rechtzeitiges Vorsparen sei dabei der beste Weg, um die Verschuldung so gering zu halten, erklärt Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen.

Platz 2: Altersvorsoge
6 von 7

Das Sparmotiv Altersvorsorge wird wichtiger für die Deutschen. Im Vergleich zur letzten Umfrage legte das Motiv um vier Prozentpunkte zu und liegt damit bei 58 Prozent. Besonders die Nullzinspolitik entwertet die bestehende Absicherung und bereitet den Bundesbürgen Sorgen, im Alter arm zu sein.

Platz 1: Konsum
7 von 7

Die meisten Deutschen sparen, um sich auch mal etwas zu gönnen. Für 61 Prozent ist Konsum der Hauptgrund, Geld zurückzulegen Angesichts der von der Europäischen Zentralbank weiter verordneten Nullzinsen sei das nicht überraschend.

Verschiedene Altersvorsorgetypen mit ganz unterschiedlichen Steuerregeln lassen sich daher nicht so einfach vergleichen. Für einen sinnvollen Vergleich muss man etwa errechnen, wie viel Beitrag aus eigener Tasche heute nötig ist, um eine spätere Rente nach Steuern in gleicher Höhe zu finanzieren. Oder, wie hoch die Renditen auf die Einzahlung aus eigener Tasche je nach erreichtem Lebensalter sind – wieder unter Berücksichtigung eventueller staatlicher Förderung, aber auch der Steuern.

Eigentlich ist die Steuerfreiheit der Riester-Beiträge in der Einzahlungsphase nur das Gegenstück zur vollen Besteuerung der Renten in der Auszahlungsphase. Die Steuer wird faktisch gestundet. Ein Finanzvertriebler, der Kunden das so sagt, wird den Job aber vermutlich nicht lange machen.

Dabei gibt es bei Riester in der Praxis durchaus einen echten Steuervorteil. Der entsteht dadurch, dass die Steuersätze im Berufsleben (also in der Einzahlungsphase) meist höher sind als die im Ruhestand (der Auszahlungsphase). Nur ist dieser Vorteil längst nicht so groß, wie es ein direkter Vergleich allein der Einzahlungen in Riester-Verträge und andere Altersvorsorgetypen vermuten lässt. Und durch den Übergang zur vollen Besteuerung der gesetzlichen Rente dürften in Zukunft auch Rentner deutlich mehr Steuern zahlen müssen als heute.

Wenigstens fällt auf die Riester-Rente später in aller Regel kein Krankenkassenbeitrag an. Auch bei betrieblichen Riester-Verträgen  – wo dies bislang der Fall war – wird die Beitragspflicht durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz abgeschafft. Endlich, denn sie war eine klare Benachteiligung dieser Verträge gegenüber normalen, privat abgeschlossenen Riester-Verträgen.

Doch dass auf Riester-Renten kein Kassenbeitrag anfällt, ist im Vergleich mit anderen Altersvorsorgevarianten kein Pro-Riester-Argument: Auch auf andere Kapitalerträge müssen die meisten gesetzlich Krankenversicherten im Alter keine Kassenbeiträge zahlen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn Ruheständler in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens nicht nahezu durchgehend gesetzlich versichert waren und sie keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben. Dann müssten sie sowohl auf Riester-Renten als auch auf andere Kapitalerträge Kassenbeiträge zahlen.

Bleibt also die Frage, ob die Riester-Rente lohnt. Für einige Gruppen, Geringverdiener, Eltern mit mehreren Kindern, lässt sich das bejahen. Trotzdem sollten sie darauf achten, eine möglichst renditereiche Vertragsart zu wählen: Nicht die wenig aussichtsreichen geförderten Rentenversicherungen, sondern eher Fondssparpläne, die theoretisch mehr Chance auf Rendite bieten. Leider spielen in der Praxis längst nicht alle ihre Stärken aus, empfehlenswert ist etwa ein Riester-Angebot auf ETF-Basis vom Berliner Start-up fairr.de.

Alle anderen können getrost auch ohne Riester-Förderung fürs Alter vorsorgen, etwa mit Ratensparplänen auf kostengünstige Indexfonds. Denn allein die Riester-Förderung bringt ihnen keine hohen Renditen. Die WirtschaftsWoche hat für verschiedene Musterfälle mit 25 und 45 Jahren die Renditen einer klassischen Riester-Rentenversicherung ausgewertet. Ob bei 30.000, 52.500 oder 100.000 Euro Einkommen, die Ergebnisse unterschieden sich wenig: Allein auf Basis der garantierten Renten lagen die Nettorenditen (bei Berücksichtigung der staatlichen Förderung und der Steuervorteile bei der Einzahlung und späteren Steuernachteile bei der Auszahlung) nach 85 Jahren Lebensdauer zwischen -0,6 und -1,1 Prozent.

Erst bei Berücksichtigung der unverbindlichen Überschüsse, die in Zukunft eher geringer ausfallen dürften, lagen die Renditen zwischen 1,4 und 2,0 Prozent. Es brauchte schon ein Lebensalter von 95 Jahren, damit auch die garantierten Renditen wenigstens 0,8 bis 1,3 Prozent erreichten.

Das heißt nicht, dass diese Sparer auf keinen Fall eine Riester-Rente abschließen sollten. Wenn sie ein kostengünstiges und renditeträchtiges Produkt wählen, können sie damit durchaus sinnvoll fürs Alter vorsorgen. Nur sollten sie eben nicht denken, dass ihnen die staatliche Förderung einen Rendite-Turbo beschert. Wer nachrechnet, stellt fest, dass von diesem Turbo wenig zu spüren ist.

Allein die Förderung macht aus einer schlechten Altersvorsorge längst keine gute. Auch ein paar Euro mehr Zulage ändern daran nichts.

Update: Zu diesem Stück haben die WirtschaftsWoche einige Leserfragen erreicht, auf die hier näher eingegangen worden ist.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Riester-Rente - Die höhere Zulage entpuppt sich als Luftnummer

4 Kommentare zu "Riester-Rente: Die höhere Zulage entpuppt sich als Luftnummer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Diese einseitige Sichtweise zeigt, wie ungenau und mit welchen fachlichen Lücken über die Riester-Rente berichtet wird. Leider fallen Bürger auf diese evtl. bewusst manipulativen Berichterstattungen rein und werden dank solcher Berichte und einiger Poliker zwangsläufig in der Altersarmut enden, da "Lästern über staatliche Förderungen Damals viel wichtiger war als über Vorzusorgen nachzudenken"

    Fakt ist, wer nicht vorsorgt wird bei heutigen Gehältern bis zu 2.250€ an der Armutsgrenze Rente erhalten.

    Und nun zur uneffektiven Riester-Rente und dieser sehr einseiten Auswertung.
    Aufgrund solcher Berichte habe ich selber in wochenlanger Rechenarbeit eine Rentabilitätsstudie erstellt. Was ist also an solchen o.g. Aussagen wirklich drann?
    Denn auch wurde davon gesprochen,dass doch alles im Alter versteuert wird!
    Berechnet wurde das ganze über viele Tabellen hinweg mit Gehältern vom Mindestlohn bis 4.500€, für Singles, Familien mit 1&2 Kindern und einem geplanten Sterbedatum von 90.
    Und jetzt auch mal eine fachliche Information für den Autor:
    Nach Abzug der gesamten Steuerlast von 67-90 blieben zwischen 2,7%-3,8% Rendite des Riester Vertrages übrig. Selbst wenn ich nicht nur die erhöhte Rentensteuer, ausgelöst durch Riester, betrachte sondern die gesamte Rentensteuer inkl auf die GRV.
    Also bitte erst richtig recherchieren, bevor man dies als unrentabel dar stellt. Maximal kann man sagen, dass minimal von dem o.g. Vorteil bei höheren Gehältern verloren geht.

    Nach zulesen hier:
    https://richtigervorsorgen.wordpress.com/2017/06/26/maerchenstunde-mit-und-von-politkern-es-war-einmal-eine-riester-rente-die-sich-ueberhaupt-nicht-loht/

    Und eine weitere fachliche Inkompetenz in diesem Bereich möchte ich ebenfalls für die Bürger einmal erwähnen.
    Die angesprochenen Banksparpläne, die vermeidlich besser sein sollen, sind keine Riester Rente! Diese wird erst mit 65 abgeschlossen und mit 85 erstmalig ausbezahlt.Diese Riester Rente ist dann 20% teurer sein wird und weniger Rente!

  • Lieber Herr Hoyer,

    sie müssen beachten, dass zur Berechnung des Eigenbeitrages Brutto x 4 % die Zulagen noch abgezogen werden. Somit ist der Effekt bei vielen Kindern besonders groß ( 2100-Eigenzulage-KInderzulagen). Der Steuereffekt wird dann bei Ihnen überschätzt. https://www.riester-rente.net/foerderung/mindestbeitrag/. Der Steuervorteil ist dann (Grenzsteuer x (Brutto*0,04 - Zulagen).
    Auch wird der Effekt noch viel größer wenn das EInkommen geringer ist. Dann lohnt es sich insbesondere bei kinderreichen Familien. Mit 60 Euro im Jahr kann man im Extremfall mehrere hundert Euro Zuschüsse bekommen. Sozialpoltisch kann das doch gewollt sein. Was fraglich ist, dass man es nicht schafft alle Kinder gleich zustellen. Es wäre besser hier hätte die Politik reagiert als bei dem Eigenbeitrag für Erwachsende.
    Noch ein Effekt entsteht wenn die Frau bzw. Mann nicht zulagenberechtigt ist. Dann erhält man auch die Zulage für Erwachsende für 60 Euro im Jahr.

    Für den Gutverdiener ist die Sparmöglichkeit sicherlich begrenzt, aber für die die wenig haben kann es sich lohnen. Insbesondere auch bei Personen die im Alter geringe Einkünfte (geringe Steuerlast) haben. Also im Ergebnis ein gutes Instrument gegen Altersarmut, dass leider von der Personengruppe noch zu wenig genutzt wird. Auch ist es geschützt gegen Pfändungen auch gut bei Personen die armutsgefährdet sind.

    Viele Grüße

  • Sehr geehrter Herr Beyer,

    vielen Dank für Ihre Rückmeldung. In der Tat ergeben sich bei vielen Riester-Fondssparplänen die beschriebenen Probleme. Beim als empfehlenswert angesehen Sparplan von fairr.de besteht dieses Problem allerdings nicht. Mehr Details dazu auch im Artikel der WirtschaftsWoche "Warum absurde Regeln die Rendite vermiesen", hier zu finden: http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/riester-rente-warum-absurde-regeln-die-rendite-vermiesen/19621302.html

    Freundliche Grüße

    Niklas Hoyer

  • Sehr geehrter Herr Hoyer,

    in Ihrem Artikel sprechen Sie die Problematik der Riester-Förderung objektiv an.

    Ich stimme Ihnen zu, dass tendenziell Fondssparpläne lukrativer sind. Nur nicht unbedingt im Rahmen von Riester-Sparplänen. Für alle Riesterprodukte gilt ein Kapitalerhalt für die eingezahlten Beiträge und die erhaltenen Fördergelder. In Zeiten von fallenden Märkten werden Fondsanteile in risikoärmere Assets umgeschichtet. Wann diese wieder in lukrative Assets zurück geswitched werden bestimmen i.d.R. Computermodelle (dann wenn das Garantieniveau wieder erreicht ist). Aufgrund der gesetzlichen Vorgabe ist die Nutzung des Cost-Average-Effektes nicht effizient möglich.

    Hinzu kommt, dass beim Riester eine lebenslange Rente ausgezahlt werden muss. Dass können weder Fonds- noch Banksparpläne bieten. Deshalb werden in der Leistungsphase Guthaben in eine Rentenversicherung investiert (u.U. mit zusätzlichen Abschlussgebühren). Der Nachteil, die wenigsten Anbieter können bei Abschluss einen garantierten Rentenfaktor ausweisen. Die Vertragsformulierungen sind i.d.R. sehr schwammig und orientieren sich an die dann gültigen Kapitalmarkterträgen und Langlebigkeitsrisiken. Gegenüber Fondsgebundenen Rentenversicherung die einem "harten" Rentenfaktor bieten, ist das eine gewaltige "Blackbox" die dem uninformierten Verbraucher angedient wird. Schade, dass dieser Aspekt nicht aufgegriffen wurde.

    Quelle: Eigenrecherche und https://www.test.de/Riester-Fondssparplaene-Union-Investment-veraergert-Riester-Sparer-1755165-2755165/

    Der Hinweis auf den vertrieblichen Aspekt finde ich gelungen. Nur durch das zurückhalten von wichtigen Fakten, lassen sich Riesterverträge an ein lukratives Klientel verkaufen.

    Der Wechsel von Provisionsberatung zu einer unabhängigen honorarbasierten Beratung könnte eine objektive Beratungsleistung ermöglichen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Michael W. Beyer - unabhängiger Honorarberater

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%