Riester-Rente Verbraucherschützer kritisieren Kosten scharf

Die Riester-Rente soll die Lücke bei der gesetzlichen Rente stopfen. Doch es gibt scharfe Kritik – insbesondere an den Kosten. Verbraucherschützer fordern nun neue Wege in der privaten Altersvorsorge.
Update: 04.01.2018 - 09:44 Uhr Kommentieren
Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten. Quelle: dpa
Altersvorsorge

Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten.

(Foto: dpa)

BerlinDie Kosten für die Riester-Rente sind aus Sicht von Verbraucherschützern in den meisten Fällen zu hoch. Von wenigen Ausnahmen abgesehen würden Produkte angeboten, „die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen“, kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Die Experten hatten insgesamt 18 Produkte – klassische Rentenversicherungen und fondsgebundene Modelle – mit unterschiedlichen Laufzeiten unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Die Effektivkosten – Wertminderung durch Kosten – waren in den meisten Fällen höher als Wert, der sich aus den Annahmen des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung ergibt. Das geht aus einer Analyse des vzbv hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffacher höher“, hieß es darin. Günstiger waren je nach Laufzeit nur bis zu maximal zwei Angebote für das staatlich geförderte Zusatzplus im Alter. Die Verbraucherschützer werteten die Produktinformationsblätter (Stand: April 2017) verschiedener Anbieter aus.

So unterschiedlich altert Deutschland
Deutschland wird älter
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2015 bekam eine Frau im Schnitt 1,5 Kinder – und lag damit unter dem EU-Durchschnitt. Dementsprechend werden die Deutschen älter. Unterschiede sind vor allem zwischen Ost- und Westdeutschland zu sehen.

Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Ostdeutschland
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In einigen ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten liegt das Durchschnittsalter bei 49 Jahren, wie beispielsweise in Suhl, im Altenburger Land und in Dessau. Der Anteil der über 64-Jährigen ist hier groß und liegt bei knapp 60 Prozent.

Universitätsstädte
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Im Gegensatz dazu sind in Heidelberg nur rund 16 Prozent der Menschen älter als 64 Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt hier 39,9 Jahre, ähnlich wie in der Universitätsstadt Freiburg: Hier sind die Einwohner durchschnittlich 39,8 Jahre alt.

Landflucht
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Viele strukturschwache Gebiete verlieren junge Menschen und altern deswegen schneller. Die Kluft zwischen wachsenden Groß- und Universitätsstädten und den Gebieten jenseits der Ballungsräume hat sich in den letzten Jahren vertieft. Besonders stark macht sich die Alterung der Bevölkerung in strukturschwachen Gebieten bemerkbar. Allein zwischen 2000 und 2015 haben Landkreise wie Suhl (minus 22 Prozent), Oberspreewald-Lausitz (minus 21,7 Prozent) und Spree-Neiße (minus 19,9 Prozent) jeden fünften Einwohner verloren.

Junges Deutschland
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Neben Universitätsstädten wie Tübingen, Erlangen, Regensburg oder Eichstätt haben auch einige Umlandkreise der wirtschaftsstarken Metropolen ein niedriges Durchschnittsalter, beispielsweise Freising (40,6) und Erding (41,4) bei München. Viele Familien zieht es hier aus den Kernstädten ins engere Umland.

Land heißt nicht unbedingt alt
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Aber nicht alle ländlichen Räume überaltern. Generell ist das Durchschnittsalter in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sowie im Nordwesten Deutschlands besonders niedrig. So haben einige Landkreise im Westen – wie Vechta (40,0) oder Cloppenburg (40,1) – eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Ein Grund dafür sind hohe Geburtenraten.

Landeshauptstadt Mainz – ein recht junges Pflaster
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Die jüngsten Landeshauptstädte Deutschlands sind Mainz, Stuttgart und München. Ihre Einwohner sind durchschnittlich unter 42 Jahre alt.

„Wir sind bei der Vielzahl der Produkte angesichts des Kosten weit davon entfernt, ausreichend Kapital für die private Absicherung neben der gesetzlichen aufzubauen“, kritisierte die Leiterin des vzbv-Finanzmarktteams, Dorothea Mohn. Insbesondere wegen der Vertriebskosten sei es offenbar nicht möglich, kosteneffiziente Produkte anzubieten.

Das Bundesarbeitsministerium wies darauf hin, dass es sich im Alterssicherungsbericht um modellhafte Berechnungen handele und nicht um Prognosen. Es gehe darum, „das Spektrum künftiger Veränderungen, die letztlich bei jedem Einzelfall individuell verschieden sind, auf wesentliche Erkenntnisse zu verdichten“.

In dem Modell wird grundsätzlich von einer Verzinsung der eingezahlten Beiträge (Eigenbeiträge plus Zulagen) von 4,0 Prozent ausgegangen. Als Verwaltungskosten werden 10 Prozent der eingezahlten Beiträge angesetzt. Daraus leiteten die Verbraucherschützer die Effektivkosten ab und verglichen sie mit den Angaben in den Produktinformationsblättern.

Mohn schlug vor, einen Vorsorgefonds einzuführen, der sich am schwedischen Modell orientiert und ohne eigene Gewinninteressen die Kapitalanlage organisiert. In dem Land gibt es einen staatlich organisierten Aktienfonds und einen Rentenfonds für die private Altersvorsorge. Die Anlage der Gelder übernehmen nach Ausschreibungen private Investoren. Die Beschäftigten zahlen automatisch ein, es sei denn, sie widersprechen ausdrücklich. Dadurch ist der Aufwand für den Vertrieb geringer. „Die Kosten liegen daher insgesamt deutlich unter denen der Riester-Produkte“, sagte Mohn.

Wofür die Deutschen so viel sparen
Sparen macht glücklich
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80,4 Prozent der Deutschen haben 2016 gespart – das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Postbank. Damit ist die Zahl zum Vorjahr um mehr als fünf Prozentpunkte gestiegen. Sparen fördert dabei das Gefühl von Sicherheit und soll deshalb glücklich machen. Doch wofür genau sparen die Deutschen?

Platz 6: Notfälle
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Drei Prozent der Bundesbürger sparen für den Notfall. Dies können beispielsweise Unfälle, Arbeitsunfähigkeit oder Krankheiten sein. Im Vorjahr waren es noch vier Prozent.

Quelle: Frühjahrsumfrage 2017 des Verbands der Privaten Bausparkassen

Platz 5: Kinder
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Etwa genau so viele Deutsche sparen für die Ausbildung ihrer Kinder. Besonders Schulbücher, Exkursionen und das spätere Studium oder eine Ausbildung können das Portemonnaie belasten.

Platz 4: Kapitalanlage
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Trotz Risiken rückt das Sparmotiv „Kapitalanlage“ wieder mehr in den Fokus. 29 Prozent der Bundesbürger sparen dafür. Neben Investmentfonds, Aktien und festverzinslichen Wertpapieren spielen hier auch Kapitallebensversicherungen eine Rolle.

Platz 3: Haus
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42 Prozent der Deutschen sparen für den Traum vom eigenen Heim. Rechtzeitiges Vorsparen sei dabei der beste Weg, um die Verschuldung so gering zu halten, erklärt Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen.

Platz 2: Altersvorsoge
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Das Sparmotiv Altersvorsorge wird wichtiger für die Deutschen. Im Vergleich zur letzten Umfrage legte das Motiv um vier Prozentpunkte zu und liegt damit bei 58 Prozent. Besonders die Nullzinspolitik entwertet die bestehende Absicherung und bereitet den Bundesbürgen Sorgen, im Alter arm zu sein.

Platz 1: Konsum
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Die meisten Deutschen sparen, um sich auch mal etwas zu gönnen. Für 61 Prozent ist Konsum der Hauptgrund, Geld zurückzulegen Angesichts der von der Europäischen Zentralbank weiter verordneten Nullzinsen sei das nicht überraschend.

Kritik an der Methodik der Untersuchung kam vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Die Verbraucherschützer rechnen nicht richtig, wenn sie die Kostenannahmen im Alterssicherungsbericht der Bundesregierung mit den Effektivkosten im Produktinformationsblatt vergleichen“, kritisierte GDV-Geschäftsführer Peter Schwark.

Die Effektivkosten müssten den theoretischen Maximalwert vor dem Hintergrund der ungünstigsten Konstellationen von Fondsauswahl oder Überschussbeteiligung angeben. Die wirklichen Kosten für die Kunden seien fast immer deutlich niedriger. So würden Kostenüberschüsse, die den Kunden zugute kommen, bei der Effektivkostenberechnung nicht berücksichtigt.

Die Stiftung Warentest gab jüngst nur zwei klassischen Riester-Rentenversicherungen beim Thema „Rentenzusagen und Kosten“ die Note „gut“: Zum einen der Tarif „Riester Care (RA 2017S)“ der HanseMerkur (Note 2,0), zum anderen der Tarif „Riester Rente (RZU24)“ von Huk24 (2,5). Beide Tarife lagen mit der Gesamtnote „befriedigend“, das heißt mit 2,7 (HanseMerker) und 2,8 (Huk24) auf Platz zwei und drei im Gesamtranking.

Einschließlich weiterer Kriterien wie Anlageerfolg oder Flexibilität kam keines der neun getesteten Produkte über ein „befriedigend“ im Gesamtranking hinaus (Finanztest 10/2017). Auf dem ersten Platz mit der Gesamtnote 2,6 lag der Tarif „RiesterRente Klassik (ARS1U)“ der Allianz. Dieser erreichte beim Unterthema „Rentenzusagen und Kosten“ allerdings nur die Note „befriedigend“ (3,2).

Dennoch könne sich Riestern lohnen. „Hier gibt es staatliche Zulagen und Steuerersparnisse, die alleine schon für eine gewisse Rendite sorgen“, argumentierten die Tester.

Das Problem: Die Auswahl schrumpft. Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten. Dieses Modell sei jedoch ein Garant für eine planbare Altersvorsorge, argumentierte Stiftung Warentest. Vor fünf Jahren waren den Angaben zufolge noch 29 Riester-Klassiker im Test.

  • dpa
  • feho
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