Riester-Tarife im Vergleich
Wie das Zinstief an Ihrer Riester-Rente nagt

Erstmals seit 2007 schließen die Deutschen mehr neue Riester-Verträge ab. Doch auch das Instrument der staatlich geförderten Altersvorsorge leidet in Zeiten des Zinstiefs. Eine Analyse zeigt, was Sparer erwarten können.
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DüsseldorfDie deutsche Versicherungswirtschaft freut sich: Deutschland riestert wieder mehr. Wie der Branchenverband GDV gerade bekanntgegeben hat, ist die Zahl der neu abgeschlossenen Riester-Versicherungen 2014 das erste Mal seit acht Jahren wieder gestiegen. Knapp 464.000 klassische und fondsgebundene Riester-Policen kamen im vergangenen Jahr insgesamt dazu. Das sind rund 11.000 Neuverträge mehr als 2013. Netto – also abzüglich der Verträge, die ausgelaufen sind oder storniert wurden – legte der Bestand um 17.000 Verträge zu. Damit halten die Deutschen knapp elf Millionen Riester-Versicherungen.

In Zeiten, in denen das gesetzliche Rentenniveau sinkt, die Rente zunehmend besteuert wird und auch die klassische Vorsorge im Niedrigzinsumfeld schwächelt, greifen also wieder mehr Deutsche auf staatlich geförderte Produkte zurück. Seit 2002 existiert das Riester-Sparen. Damals rechnete die Regierung Schröder aus, dass Angestellte die erwartete Lücke bei der gesetzlichen Rente kompensieren könnten, wenn sie vier Prozent ihres versicherungspflichtigen Bruttoeinkommens an einen Riester-Vertrag abzwacken würden. Inklusive staatlicher Zulage können Sparer seither mit maximal 2.100 Euro im Jahr vorsorgen.

Eine Auswertung des Analysehauses Morgen & Morgen zeigt jetzt allerdings, dass staatlich geförderte Verträge die Vorsorgenot nur zum Teil lindern können. Allen voran leiden klassische Riester-Verträge, bei der die Beiträge inklusive der Zuschüsse in eine Lebensversicherung fließen, genauso im Zinstief wie eine klassische Lebensversicherung.

Besonders stark treffen die Niedrigzinsen Policen mit kurzer Ansparphase von zwölf Jahren. Für einen Single, der jährlich den Maximalbetrag an Beitrag leistet und die volle Zulage erhält, halten etwa zwölf von 25 gelisteten Tarifen gar kein Angebot bereit: Die Barmenia und die Neue Leben verlangen eine Mindestansparzeit von 14 beziehungsweise 15 Jahren.

Das bringen klassische Riester-Renten

Bei anderen Anbieter, etwa der Ergo Leben oder PB Leben dürfen Sparer nicht älter als 47 beziehungsweise 48 Jahre alt sein, wenn sie zu riestern beginnen. Bei Renteneintritt mit 67 Jahren vergehen bei diesen Anbietern 20 beziehungsweise 19 Jahre. Doch auch, wer von Vornherein zustimmt, 20 Jahre lang anzusparen, wird nicht immer fündig:

Vier Anbieter verwehren solchen mittelfristig orientierten Sparern einen Riester-Vertrag. „In all diesen Fällen gelingt es den Versicherern nicht, die Kosten des Produkts in kürzerer Zeit auszugleichen“, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. „Versicherer können ihren Kunden die Beiträge nicht garantieren.“ Sparer, die sich maximal mittelfristig an feste Beitragszahlungen binden wollen, müssen bei klassischen Riester-Verträgen also gegebenenfalls länger suchen, bis sie einen geeigneten Tarif finden.

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Wie das Zinstief an Ihrer Riester-Rente nagt

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Kosten variieren stark

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Forderung nach höheren Riester-Zulagen

Kommentare zu " Riester-Tarife im Vergleich: Wie das Zinstief an Ihrer Riester-Rente nagt"

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  • Sehr geehrter Herr Hetzer,

    Sie wissen hoffentlich, dass wegen der Beitrags- und Zulagengarantie auch Ihr Produkt unter den nicht mehr vorhandenen Zinsen leidet? Diese wird in der Regel durch Investitionen in Rentenfonds gewährleistet. Nicht umsonst führt die DWS bei Ihren Riesterfonds eine Mindestlaufzeit ein.

  • Sehr geehrter Herr Meyer,

    Ihre Aussage über Die Förderrente ist falsch. Insofern sind Sie eher ein Fehlinformierter, denn ein SPD-Geschädigter.

  • Wer Riestert verliert.
    zumindest derjenige, der im Alter gesetzlich versichert ist. Er darf dann nämlich von seiner Riester-Rente mind. 17% abziehen für Kranken- und Pflegeversicherung. Das gilt auch für die betriebliche Altersvorsorge (auch für die, die man vollständig über Gehaltsverzicht finanziert). Aus der gesetzlichen Rentenversicherung wird lediglich die Hälfte ca 8,5 % fällig.

    So gesehen ist ist Riester, Rürup und "betriebliche Altersvorsorge" wahrscheinlich ein Negativgeschäft und dient nur Banken und Versicherungen.
    Vielen Dank Gerd ! (ein SPD-Geschädigter)

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