Rürup-Rente
So können Gutverdiener fürs Alter vorsorgen

Die Rürup-Rente wird nur von wenigen genutzt, doch für Gutverdiener mit hoher Steuerlast kann sie sich lohnen. Eine Analyse von Franke und Bornberg für das Handelsblatt zeigt, wie sich die Angebote unterscheiden.
  • 1

KölnDie Zahl der Selbständigen in Deutschland steigt. Im Jahr 2015 waren laut Mikrozensus branchenübergreifend – ohne Land- und Forstwirtschaft – rund vier Millionen Berufstätige ihr eigener Chef. Damit gab es rund 165.000 oder 4,3 Prozent mehr Selbständige als im Jahr 2005. Vor allem Frauen wählen seit einigen Jahren immer häufiger den Weg in die Selbständigkeit.

Die zunehmende Autonomie in der Arbeitswelt hat jedoch Schattenseiten. So haben vor allem sogenannte Solo-Selbständige, die ihren Job ohne Mitarbeiter erledigen, kaum Geld für die soziale Absicherung übrig. Viele Einzelkämpfer verdienen weniger als 1.100 Euro netto im Monat. Rund 100.000 Solo-Selbständige nehmen sogar so wenig ein, dass sie ihren Verdienst mit Hartz IV aufstocken müssen. Ihnen allen droht die Altersarmut.

Damit Selbständige und Freiberufler besser vorsorgen können, hat die Bundesregierung im Jahr 2005 die sogenannte Basisrente ins Leben gerufen. Umgangssprachlich wird diese Art der privaten Altersvorsorge auch Rürup-Rente genannt, nach dem Ökonom und ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Ebenso wie die staatliche Rente gehört sie zur sogenannten ersten Schicht der Altersvorsorge. Die zweite Schicht umfasst staatlich geförderte Produkte wie die Riester-Rente, die dritte Schicht enthält rein privat finanzierte Kapitalanlageprodukte wie etwa Rentenversicherungen.


Anders als die gesetzliche Rente ist die Rürup-Rente nicht umlagefinanziert, sondern kapitalgedeckt. In der Ansparphase können Rürup-Sparer ihre Beiträge teilweise als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Der steuerlich absetzbare Teil steigt dabei stetig an: Im Jahr 2025 wird er 100 Prozent betragen. Im Gegenzug müssen die späteren Rentenzahlungen versteuert werden. Auch das passiert sukzessive: Wer dieses Jahr in den Ruhestand geht, muss 74 Prozent seiner Rürup-Rente versteuern.

In den kommenden Jahren steigt dieser Prozentsatz, so dass die Rentenzahlungen im Jahr 2040 komplett versteuert werden müssen. Dabei gilt: Wie viel Prozent der Rürup-Rente steuerfrei sind, wird im Jahr des Rentenbeginns festgelegt. Danach ändert sich der Prozentsatz nicht mehr. Idealerweise fällt die Steuerersparnis in der Ansparphase höher aus als die Steuerlast während der Auszahlungsphase.

Die Rürup-Rente lässt sich weder vererben noch übertragen, höchstens mit einer zusätzlichen Hinterbliebenenabsicherung. Man kann sie sich auch nicht auf einen Schlag auszahlen lassen, wie es mit Einschränkungen bei der Riester-Rente und bei privaten Rentenversicherungen möglich ist. Sie wird ausschließlich in monatlichen Tranchen ausgezahlt, genau wie die gesetzliche Rente, nach deren Vorbild sie gestaltet ist.

In den rund 13 Jahren ihres Bestehens hat die Rürup-Rente nicht viele Freunde gefunden. Im vergangenen Jahr umfasste der Bestand gerade einmal zwei Millionen Verträge. Das zeigen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Zum Vergleich: Der Riester-Bestand liegt bei 10,7 Millionen Verträgen. Verbraucherschützer kritisieren die hohen Kosten vieler Rürup-Produkte und ihre mangelnde Flexibilität.

Kommentare zu " Rürup-Rente: So können Gutverdiener fürs Alter vorsorgen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der ganze Blickwinkel des Artikels ist völlig schief: Wer sich als "Selbständiger" keine vernünftige Altersversorgung leisten kann, damit meine ich eine absolute Untergrenze von 1000 EUR/Monat, ist als "Selbständiger" falsch: Das Finanzamt oder sonst wer hat ihm die Gammelei als "Lebenskünstler" zu verbieten, weil das nur in der sozialen Hängematte enden kann.

    Ich beobachte das seit vielen Jahren, beispielsweise bei Übersetzern: Mit der faulen Ausrede "der Markt gibt nicht mehr her" machen sie den verantwortungsbewusst kalkulierenden Kollegen die Preise kaputt. Dafür wollen sie dann von denen durchgefüttert werden, die sie vorher geschädigt haben.

    Entweder man ist aus dem Holz, aus dem sich Unternehmer schnitzen. Oder man braucht einen Chef der einem sagt, wo's lang geht. Das durchzusetzen ist die Aufgabe des Staates.

    Alles andere führt doch nur dazu, dass bestimmte Marktteilnehmer aus eigener Machtvollkommenheit beschließen, wann und wie viele Subventionen ("Sozialleistungen") sie sich abholen wollen.

    Die Rürup-Rente hat den Vorteil, dass sie auch eine Pleite übersteht. Aber ansonsten entzieht sie dem Unternehmer Kapital, das er selber besser einsetzen kann.

    Ach ja: Ich bin seit dem letzten Jahrtausend selbständig und lebe erfolgreich nach obigen Grundsätzen. Bis 67 muss ich sicher nicht arbeiten. Aber vielleicht habe ich Lust dazu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%