Ruhestand und Vorsorge
Deutsche blicken optimistisch auf die Rente

Wenn es um den Ruhestand geht, denken die meisten Deutschen zuerst an angenehme Beschäftigungen. Finanziell rechnen viele zwar mit Einbußen, doch Altersarmut ist kein Thema. Der Optimismus könnte aber gefährlich sein.
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DüsseldorfEndlich Zeit für Familie und Freunde haben, Freizeit und Hobbies genießen und auf Reisen gehen – so stellen sich viele Deutsche den Ruhestand vor. Laut einer repräsentativen Studie des Versicherungskonzerns Gothaer verbindet die große Mehrheit der befragten Personen ein positives Grundgefühl mit dem Alter. Bei Männern sind der Optimismus und die Vorfreude sogar noch etwas größer als bei Frauen. Zwar erwartet jeder dritte der Befragten ab 60-Jährigen und jeder Zweite der ab 45-Jährigen im Alter finanzielle Einschränkungen, doch mehr als 90 Prozent gehen davon aus, dass sie die eigenen Grundbedürfnisse durch laufende Einnahmen und ihr Vermögen decken können.

Befragt wurden für die repräsentative Studie 1005 Personen ab 45 Jahren mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 2500 Euro. Die Studienergebnisse decken sich mit früheren Umfragen dieser Art. So hatten kürzlich 68 Prozent der Teilnehmer in einer Umfrage von MLP und Aegon angegeben, dass sie mindestens sehr gut auf den Ruhestand vorbereitet seien. Doch Theorie und Praxis gehen häufig weit auseinander: So konnten lediglich 31 Prozent ihr voraussichtliches Einkommen im Ruhestand tatsächlich beziffern.


Rentenexperten wundert das nicht, schließlich sei die riesige Rentenlücke gerade für jüngere Leute schwer abzuschätzen. Hinzu kommt: „Viele überschätzen sich beim Thema Finanzen selbst. Sie erkennen die Breite des Spektrums gar nicht und fühlen sich deshalb gut vorbereitet“, sagt etwa der unabhängige Vermögensverwalter Andreas Grünewald.

Dagegen warnt ZEW-Rentenexperte Holger Bonin im Handelsblatt-Interview vor Schwarzmalerei: Die Sorge vor Altersarmut sei übertrieben und die Menschen seien im Alter längst nicht nur auf die schrumpfende gesetzliche Rente angewiesen.

Die Studie der Gothaer zeigt jedoch, dass finanzielle Sicherheit für viele Befragte oberste Priorität hat. Nur jeder Fünfte gab an, sein Vermögen für sich selbst ausgeben und das Leben genießen zu wollen. Die meisten Befragten wollen mit ihrem Vermögen in erster Linie ihren Lebensunterhalt sowie Lebensrisiken absichern (53 Prozent). Insbesondere Frauen (57 Prozent) zeigen sich eher sicherheitsbewusst. Insgesamt geben aber auch 13 Prozent der Befragten an, sich über den Umgang mit dem eigenen Vermögen im Alter keine Gedanken zu machen.

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  • Es zeigt die gnadenlose Wirkung der Mainstreampropaganda - hier anhand der Rente. Alles wird gut. Der Euro ist alternativlos, die Renten sind sicher. Alles Andere sind Verschwörungstheorien!

  • Wie kann ein heute 20 jähriger optimistisch auf die Rente in 50 Jahren schauen?
    Er wird nichts mehr vorfinden, dass ihm das Leben versüssen könnte, wie es die Rentner von heute noch zum Großteil genießen dürfen.

  • Meine Mutter bekommt eine Rente von knapp € 800,00 und die muss wirklich jeden Cent zweimal umdrehen.
    Dafür das sie 3 Kinder groß gezogen hat, geschieden ist und die Rentenansprüche auch noch teilen mußte mit ihrem Ex-Mann. Toll was die Gesellschaft daraus macht. Genauso werden die Trümemrfrauen behandelt die keinerlei gesellschaftliche Anerkennung erhalten, aber Hauptsache ist doch die Rentner unter den BEamten ein großzügiges Rentensolär erhalten. (Ironie off)

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