Russland und das Tagesgeld
Die Sberbank hat genug

Mit Top-Konditionen beim Zinskonto sammelte die Tochter der russischen Sberbank in Deutschland große Summen ein. Jetzt rudert das Institut zurück und senkt seine Zinsen drastisch.
  • 0

DüsseldorfDie Vergleichsrechner von Tages- und Festgeldern in Internet verlieren einen exotischen Spitzenreiter. Die Sberbank Direct, eine österreichische Tochter eines Instituts aus Russland, senkte zum 25. Juni ihre Sätze für Tages- und Festgelder. Bei Festgeldern mit einer Laufzeit von zwei Jahren geht es um 0,2 Prozentpunkte runter auf 1,5 Prozent. Bei einer Laufzeit von drei Jahren senkt das Institut um 0,3 Punkte auf 1,9 Prozent. Das ist die erste Senkung seit Markteinführung im Oktober 2014.

Auch beim Tagesgeld geht es um 20 Basispunkte runter. Für kurzfristige Anlagen gibt es nur noch 0,9 Prozent. Das ergab ein Zinsvergleich der FMH Finanzberatung für das Handelsblatt. Im Tagesgeldvergleich des Anbieters schafft es die Sberbank damit nicht unter die Top Ten. Offenbar möchte die Bank nicht mehr in dem Maße Kunden anlocken, wie das Institut das in den vergangenen Monaten gemacht hat.

Das Institut spart nicht nur beim Zins, sondern auch beim Marketing. Wenn Kunden über Internetvergleiche vermittelt werden, fallen so genannte Leads an, eine Honorierung für die Vermittlung von Neukunden. In der Regel sind das kleine Eurobeträge, die sich bei einem größeren Neukundengeschäft aber summieren können. Nach Angaben des Betreibers eines großen Vergleichsportals hat die Sberbank diese Leads eingestellt. Lediglich beim Marktführer Check 24 ist sie beim Festgeld noch mit einem Leads-Modell vertreten, beim Tagesgeld bereits nicht mehr.

„Wir sind da längst nicht mehr ganz oben unter den Anbietern“, erklärte Sergej Gorkow, stellvertretende Vorstandsvorsitzender der russischen Sberbank in einem Interview mit dem Handelsblatt in dieser Woche. „Sogar einige deutsche Onlinebanken bieten höhere Zinsen als wir“.

Erst seit weniger als einem Jahr ist das Institut in Deutschland präsent und hat nach eigenen Angaben die in mehreren europäischen Ländern eingeworbenen Gelder mit Stand Ende Mai auf 1,5 Milliarden Euro erhöht. Ende 2014 waren es aus Deutschland 500 Millionen Euro, hatte es zuvor in einem Geschäftsbericht des Instituts geheißen. In Deutschland tritt die Sberbank als Sberbank Direct auf.

Kommentare zu " Russland und das Tagesgeld: Die Sberbank hat genug"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%