Schufa-freie Kredite
Die Masche der „Kreditversprecher“

Eine ZDF-Reportage zeigte am Mittwochabend, wie vermeintliche Kreditanbieter im Internet auf Kundenfang gehen. Der Kunde bekommt nicht das beworbene „Schufa-freie“ Darlehen, sondern muss selbst zahlen.
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Eine halbe Million Deutsche geraten pro Jahr „in die Fänge von professionellen Abkassieren“, indem sie im Internet nach Schufa-freien Krediten suchen. Das ZDF hat am Mittwochabend eine sinnvolle kleine Reportage über dieses Phänomen gezeigt. Die Schadenssummen sind in den Einzelfällen zwar nicht besonders hoch, aber es trifft Menschen, die ohnehin schon in Finanznot sind.

„Jede Strafanzeige und jede Art von Öffentlichkeit macht es der Branche ein bisschen schwerer“, lautete der letzte Satz der halbstündigen Reportage „Das Geschäft mit der Armut – Die Lüge vom 'Schufa-freien' Kredit. Die Macher zeigten, wie die Masche funktioniert und was dagegen getan werden kann.

Auf ihren Internetseiten versprechen die Firmen Kredite – und das angeblich ohne die Bonität der Kreditnehmer bei der Auskunftei Schufa zu prüfen. Tatsächlich aber erhielten die Opfer Formschreiben mit täuschenden Formulierungen wie „Genehmigung in Höhe von 5000 Euro“ und sollten für eine „Finanzsanierung“ Summen von 250 Euro per Vorkasse zahlen, bevor sie bemerkten, dass sie gar keine Kredite bekommen. Das ist das Prinzip, dem ZDF-Autor Marc Rosenthal nachging, teilweise begleitet vom Schuldnerberater des Landkreises Main-Spessart.

„ZDF-Zoom“ ist ein Reportageformat auf unterschiedlichen Sendeplätzen, das sich um eine innovative Bildgestaltung bemüht: Zahlen, Personen- und Ortsnamen werden nicht wie gewohnt statisch eingeblendet, sondern wabern bewegt schräg durchs Bild. Viele Szenen sind mit Musik unterlegt, was bei Fernsehmachern längst als probates Mittel zur Zuschauerbindung dient, bei skeptischen Zuschauern aber den Eindruck erwecken kann, dass die Fernsehmacher ihren Bildern nicht ganz trauen.

Die Dramaturgie, die am Mittwochabend zu sehen war, ist aus zahllosen Reportagen mit investigativem Verbraucherschützer-Gestus bekannt: Erst berichteten Betroffene in ihren Wohnzimmern, auf welche Angebote sie hereingefallen sind. Und dann sah man, wie Rosenthal an Bürogebäuden etwa im Nürnberger Gewerbegebiet vergeblich klingelt oder wie aufgespürte „Hintermänner“ mit verpixelten Gesichtern und nachgesprochener Stimme ihm Hausverbot erteilten. Einmal traf ein „Lockvogel“ des Filmteams einen „Kreditversprecher“ persönlich, den er auch mit versteckter Kamera filmte.

Allerdings war das Gesicht des Vermittlers so breit verpixelt, das nicht einmal das milieutypische Goldkettchen, das er angeblich trug, zu erkennen war. Und was er sagte, war einem „Gedächtnisprotokoll“ nachgesprochen – ungeheuer beweiskräftig wirken solche Szenen natürlich nicht. Die Justiziare des ZDF haben offenbar vorsichtig agiert. Auch ein Insider sowie einige Firmennamen auf gefilmten Briefen waren verpixelt. Andere Firmennamen wurden mit Logos und auf Internetseiten gezeigt. „Finanzen im Griff“ lautet einer dieser Namen.

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Erstes Google-Ergebnis muss nicht das Beste sein

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  • Hallo Handelsblatt, vielen Dank für diesen unspektakulären aber guten Artikel. Ich musste lediglich laut lachen, als nach dem Artikel die Werbung "Kredite ohne Schufa" angezeigt wurde.

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