Schuldenfalle
Junge Schuldner oft bei Telefonfirmen in der Kreide

Der falsche Umgang mit dem eigenen Geld: Unwirtschaftliche Haushaltsführung und Arbeitslosigkeit führen junge Menschen oft in die Schuldenfalle. Besonders hoch sind die Schulden für Telefon und Internet.
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WiesbadenJunge Schuldner haben überdurchschnittlich hohe Verbindlichkeiten bei Telekommunikationsanbietern. Unter 25-Jährige, die im vergangenen Jahr eine Schuldenberatung aufsuchten, hatten im Schnitt Außenstände über 1.350 Euro bei Anbietern etwa von Handy- oder Internetdiensten, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Damit seien 18,1 Prozent aller Verbindlichkeiten der jungen Schuldner auf Telekommunikationsanbieter entfallen.

Das monatliche Nettoeinkommen junger Schuldner habe bei Aufnahme der Beratung im Schnitt bei 725 Euro gelegen. Fast zwei Monatseinkommen wären damit also notwendig gewesen, um ausschließlich die Forderungen der Telekommunikationsanbieter zu begleichen, rechnen die Statistiker vor. Nur direkt bei Banken und Sparkassen hatten die Betroffenen demnach mit durchschnittlich 1.424 Euro (19,1 Prozent der Gesamtforderungen) noch tiefer in den roten Zahlen gestanden.

Bei jungen Verbrauchern spielten damit die Schulden für Telefon und Internet eine deutlich größere Rolle als bei älteren Schuldnern. Über alle Altersklassen hinweg hätten derartige Rechnungen mit durchschnittlich 851 Euro nur 2,6 Prozent der Verbindlichkeiten eines Schuldners ausgemacht. Kreditinstitute, Inkassobüros und öffentliche Gläubiger hätten eine bedeutend größere Rollen gespielt. Allein auf Banken und Sparkassen seien mit im Schnitt 17.882 Euro 54 Prozent der Schuldenlast entfallen.

Der Hauptauslöser für eine überhöhte Schuldenlast war bei den jungen Verbrauchern Arbeitslosigkeit. Ein Viertel der Betroffenen sei dadurch in die Schuldenfalle geraten, teilte das Bundesamt weiter mit. Aber auch unwirtschaftliche Haushaltsführung habe viele in die Miesen getrieben. So sei ein Fünftel der jungen Schuldner durch den falschen Umgang mit dem eigenen Geld in die roten Zahlen gerutscht.

Auch bei Älteren sei Arbeitslosigkeit die meistgenannte Ursache für eine Überschuldung gewesen (23,6 Prozent). Aber auch eine Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners (13,6 Prozent) sowie eine Erkrankung oder ein Unfall (12,7 Prozent) hätten die Verbindlichkeiten anwachsen lassen. Bei jungen Schuldnern spielten Trennungen (3,8 Prozent) oder Erkrankungen (8,3 Prozent) den Zahlen zufolge hingegen nur eine untergeordnete Rolle.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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