Schuldneratlas
Immer mehr Deutsche sind überschuldet

Trotz der guten Konjunktur wächst die Zahl der überschuldeten Deutschen. Jeder Zehnte gibt mittlerweile mehr aus als er einnimmt. Dabei ist Überschuldung nicht allein ein Problem der einkommensschwachen Schichten.
  • 3

DüsseldorfDie Konjunktur brummt, die Zahl der Arbeitslosen ist auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken - und dennoch können immer mehr Menschen in Deutschland ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Nach dem am Donnerstag veröffentlichten „Schuldneratlas Deutschland“ der Wirtschaftsauskunftei Creditreform stieg die Zahl der überschuldeten Personen in der Bundesrepublik in diesem Jahr um rund 65.000 auf über 6,9 Millionen. Bei gut jedem zehnten Erwachsenen sind demnach die Gesamtausgaben dauerhaft höher als die Einnahmen.

Dabei ist Überschuldung längst nicht mehr allein ein Problem der Bundesbürger mit geringem Einkommen. Im Gegenteil: In diesem Jahr stammten laut Creditreform praktisch alle neuen Überschuldungsfälle aus der Mittelschicht. Die Zahl der Fälle aus den „gehobeneren Schichten“ und den „unteren Schichten“ habe dagegen leicht abgenommen, berichteten die Forscher.

Gerade für die Betroffenen aus der Mittelschicht ist es aber sehr schwer, mit den persönlichen und sozialen Auswirkungen der Überschuldung umzugehen, so das Ergebnis einer Studie der Universität Duisburg-Essen. Denn Überschuldung gelte in der Mittelschicht als Stigma. Die Folge sei häufig eine - oft aufgrund von Scham - selbst gewählte soziale Isolation der Betroffenen.

Die Gründe für den Sturz in die Überschuldung haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund der guten Konjunktur spürbar verändert. Zwar ist nach wie vor Arbeitslosigkeit der Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, wie das Statistische Bundesamt herausfand. Doch ganz so dominierend wie noch vor einigen Jahren ist das Thema Arbeitsplatzverlust in Zeiten des Fachkräftemangels nicht mehr. Stattdessen gewannen in den letzen Jahren Erkrankungen, Suchtprobleme und Unfälle, aber auch unwirtschaftliche Haushaltsführung immer größere Bedeutung als Auslöser für Überschuldungsfälle.

Seite 1:

Immer mehr Deutsche sind überschuldet

Seite 2:

Altersüberschuldung nimmt stark zu

Kommentare zu " Schuldneratlas: Immer mehr Deutsche sind überschuldet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jeder Zehnte gibt mittlerweile mehr aus als er einnimmt. ...
    Na also, geht doch, hoch leben die Pleitiers.

  • Glückwunsch Mr. Draghi,
    genau so war es doch gewollt. Nicht sparen sondern hemmunglos konsumieren.
    Und damit es noch doller getrieben wird, werden die Zinsen in den Keller gejagt, sodass die Finanzierung von Auto, neuestem Mobiltelefon, Reisen...kein Problem darstellt. Naja, so lange die Gläubiger bedient und die Raten beglichen werden.
    Viele leben deutlich über ihre Verhältnisse, weil sie nicht verzichten wollen. Jüngere Generationen haben Verzicht nie gelernt; viele davon wieder einiges von den Eltern in den Hintern geschoben bekommen. Belohnungsprinzip? Nix da. Ich will. Kann ich mir nicht leisten? Egal, ich will trotzdem.
    Scham? Da lache ich mal laut. Es gilt das Geltungsbedürfnis zu befriedigen...auf das der Nachbar vor Neid erblassen möge. Wenn man da plötzlich zugibt, dass man auf zu großem Fuß gelebt hat, hat man sich beim Nachbarn aber mal sowas von blamiert.
    Vielleicht sollten die Leute insgesamt vernünftiger werden und mal kürzer treten.
    Was die Altersarmut angeht, so sollte unsere Regierung mal ernsthaft handeln und vielleicht mal darüber nachdenken, wie man hier sinnvoll die oft zitierten Überschüsse einsetzen kann...

  • Wie der Herr , so`s Gescherr !
    Wir sind alle reich , Schuldenreich !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%