Sechs Fragen an Arno Gottschalk
„Mehr Freiheit für den Aufbau des Vermögens“

Arno Gottschalk ist Finanzberater bei der Verbraucherzentrale in Bremen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die Bedeutung des neuen Wohn-Riesters und erklärt, in welchen Fällen auf eine Förderung für 2008 verzichtet werden sollte.

Welche Bedeutung messen Sie dem neuen Wohn-Riester bei?

Dass der Staat seit dem 1. November auch selbst genutzte Wohnungen und Häuser fördert, ist generell zu begrüßen. Die Zuschüsse für die private Altersvorsorge kommen auf eine breitere Basis. Der Bürger erhält mehr Freiheit für den langfristigen Vermögensaufbau.

Wie bewerten Sie die drei Varianten des Wohn-Riester?

Bei den geförderten Bausparverträgen sollte der Anleger genau auf die Verzinsung achten. Die meisten Bausparkassen bieten zu wenig Zinsen, so dass sich das jahrelange Sparen kaum lohnt – mit oder ohne Staatszuschuss. Die Riester-Hypothekendarlehen können sehr interessant sein, da die Förderung den Kreditnehmer bei der Tilgung unterstützt und Steuervorteile bietet. Die dritte Variante, Bausparvertrag plus vorab finanziertes Darlehen, sehen wir kritisch. Bei ihnen muss zwar jetzt der Effektivzins ausgewiesen werden. Es bleiben aber Risiken, weil zunächst keine Kredittilgung erfolgt.

Was bringt das Riester-Darlehen dem Häuslebauer konkret?

Ein Riester-gefördertes Darlehen kann zu einer schnelleren Tilgung verhelfen. Allein die Zulagen lohnen, die für eine Familie mit zwei kleinen Kindern immerhin knapp 800 Euro im Jahr betragen. Zu den Zulagen kommen mögliche Steuervorteile. Beides lässt sich als Sondertilgung nutzen.

Sollten sich Interessierte die Wohn-Riester-Förderung für 2008 noch sichern?

Generell sollte niemand nur wegen der staatlichen Zuschüsse einen Wohn-Riester-Vertrag unterschreiben. Es ist besser, auf die Förderung 2008 zu verzichten, als einen nicht passenden Vertrag abzuschließen. Wer ohnehin eine Immobilie kaufen möchte, kann sich die Angebote genauer anschauen. Bisher sind kaum Details zu den rund 500 von der Finanzaufsicht BaFin zertifizierten Wohn-Riester-Verträgen auf dem Markt. Nach dem ersten Eindruck wird es viele Riester-Bausparverträge und Vorfinanzierungen geben. Viele Hypothekenfinanzierer, vor allem kostengünstigere Direktbanken, halten sich dagegen zurück mit Angeboten.

Warum?

Die Banken begründen es damit, dass sie erstmal den Bedarf ermitteln wollen. Allerdings wird man den Verdacht nicht los, dass sie den mit den Riester-Verträgen verbundenen Aufwand scheuen. Für jeden Wohnriester-Kunden müssen Anbieter ein Konto führen, auf dem die geförderten Tilgungsleistungen plus Zulagen als fiktiver Sparplan mit einer Rendite von zwei Prozent im Jahr verbucht werden. Auf das so errechnete Endkapital wird bei Rentenbeginn die Steuerschuld ermittelt, da Riester-Kapital im Rentenalter versteuert wird.

Warum heißt es, die Rendite bei Wohn-Riester-Verträgen sei vergleichsweise hoch?

Das gilt vor allem für das Hypothekendarlehen. Der Kreditnehmer spart de facto Kreditzinsen, weil er sein gefördertes Geld in die Tilgung steckt. Außerdem baut er im Vergleich zu anderen Riester-Verträgen eine geringe Steuerschuld auf, da sein fiktives Sparkapital stets nur mit zwei Prozent im Jahr verzinst wird. Die Steuerzahlungen sind beim Wohn-Riester überdies auf 25 Jahre begrenzt, bei anderen Varianten zahlt der Riester-Rentner, so lange Auszahlungen fließen. Und es gibt einen Nachlass von 30 Prozent auf die Steuerschuld, wenn er bei Rentenbeginn alles auf einen Schlag begleicht.

Die Fragen stellte Anke Rezmer.

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