Sechs Fragen an: Thorsten Rudnik
„Es fallen relativ hohe Kosten an“

Thorsten Rudnik ist Vorstand beim Bund der Versicherten. Im Handelsblatt-Interview sagt er, was man bei der Rürup-Rente beachten sollte, welche unterschiedlichen Lösungen es gibt und warum Beitragsfreistellungen ein Problem sind.

Was sollten Interessierte bei einer Rürup-Rente bedenken?

Bevor man einen unkündbaren Vertrag unterschreibt, muss man darüber nachdenken, ob man mit den starren Vertragsbedingungen auf Dauer leben kann. Der Rürup-Sparer kann den Vertrag nicht kündigen, die Beiträge oft nur unter Abstrichen variieren und sich kein Kapital auszahlen lassen. Auch Vererben und Beleihen kann man den Vertrag grundsätzlich nicht. Wer dies akzeptiert, fährt mit dem Rürup-Vertrag allerdings besser als mit einem normalen Rentenversicherungsvertrag ohne Steuer-Bonus.

Was müssen Arbeitnehmer beachten?

Die immense Steuerförderung ist eher für Selbstständige konzipiert, die in der Regel keine andere Förderung für das Alterssparen bekommen. Arbeitnehmer müssen von der geförderten Höchstsumme ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und zur betrieblichen Altersvorsorge abziehen. Daher sollten Angestellte zunächst die betriebliche Vorsorge und die Riester-Rente nutzen, für die sie bis zu 4 344 Euro und bis zu 2 100 Euro im Jahr einzahlen können. Wer darüber hinaus noch sparen will, kann eine Rürup-Rente abschließen. Dabei gilt: Je höher der persönliche Steuersatz und je kürzer die Einzahlphase des Vertrags, desto größer die Förderung. Denn der Anteil der zu versteuernden Rente steigt kontinuierlich bis 2040 auf 100 Prozent.

Welche Rürup-Lösungen bieten Versicherungen?

Es gibt die klassische und die fondsgebundene Rürup-Rentenversicherung. Die klassische Variante bietet vor allem Sicherheit: Der Versicherte erhält seine Beiträge plus eine garantierte Verzinsung von aktuell 2,25 Prozent auf den Sparanteil der Beiträge als Rente ausgezahlt. Die fondsgebundene Variante bietet dagegen die Chance auf höhere Renditen aus den Fondsanlagen in der Ansparphase. Kapitalverluste sind aber möglich, was in Zeiten schwacher Börsen auf die Rentenhöhe drückt. Versicherungen sind generell relativ teuer. Denn es fallen hohe Vertriebs- und Verwaltungskosten an, und auch die Kosten für die Absicherung des Risikos einer langen Rentenzahlung fließen nicht in den Sparanteil. Interessierte sollten die Kosten der Versicherer genau prüfen, die zudem stark variieren.

Was bieten die Fondslösungen?

Die Fondsgesellschaften investieren die Beiträge ihrer Kunden in Fonds. Zu Beginn der Rentenphase wird das Kapital in eine Rentenversicherung eingezahlt. Bei den Fonds können die Beiträge flexibler geleistet werden als bei vielen Versicherern. Zudem werden Fonds mit Kapitalgarantie angeboten. Interessierte sollten sich allerdings erkundigen, wie viel am Kapitalmarkt angelegt wird und somit für höhere Renditechancen sorgt. Auch hier fallen Gebühren beim Kauf der Fondsanteile sowie laufende Kosten an.

Warum sind Beitragsfreistellungen bei der Rürup-Rente ein Problem?

Wer seinen Rürup-Vertrag beitragsfrei stellen muss, weil er die Zahlungen für eine Weile nicht leisten kann, zahlt dafür Gebühren. Außerdem kann es in den ersten zwei bis drei Jahren passieren, dass das eingezahlte Geld weg ist, weil noch keine Mindestrentenhöhe erreicht ist. Wer einen Rürup-Vertrag unterschreiben will, sollte unbedingt die Bedingungen für eine Beitragsfreistellung klären.

Was halten Sie von Kombi-Produkten aus Rürup-Renten etwa mit einer Absicherung der Berufsunfähigkeit ?

Gar nichts. Solche Mehrfach-Versicherungen schmälern erstens die Rendite des Rürup-Vertrages, weil ein noch größerer Teil des Beitrags für die Absicherung von Risiken verwendet wird und entsprechend weniger in die Rente fließt. Zweitens läuft der Versicherte Gefahr, diesen Schutz genau dann zu verlieren, wenn er ihn vielleicht braucht. Kann er nämlich seine Rürup-Beiträge nicht mehr bezahlen, fällt der Schutz großenteils weg.

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