Sparbuch und Tagesgeld

Beliebt, aber nicht ungefährlich

Sparbücher, Tages- und Festgeld galten lange als völlig veraltete Finanzprodukte. In der Krise besinnen sich die Anleger wieder auf Altes. Doch die Strategie ist gefährlich. Und viele sind sich dessen nicht bewusst.
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Solide, aber wenig ertragreich: das gute alte Sparbuch. Quelle: gms

Solide, aber wenig ertragreich: das gute alte Sparbuch.

(Foto: gms)

FrankfurtDie Deutschen sind Sicherheitsfanatiker: Der Arbeitsplatz muss in erster Linie sicher sein, im Auto schnallt man sich klaglos einen Gurt um Bauch und Schulter und im Reisekoffer finden sich jede Menge Tabletten gegen Kopfschmerzen und Durchfall. Da ist es nur konsequent, dass die Deutschen auch beim Geld auf Nummer sicher gehen. Und das tun sie: Seit Jahrzehnten legen die deutschen Bundesbürger immer mehr Geld auf Sparbücher, mittlerweile lagern dort rund 600 Milliarden Euro. Das ist das Dreifache dessen, was die Deutschen in Aktien investiert haben. Noch mehr Geld steckt sogar in Sparschweinen oder liegt auf dem Sparbuch.

Doch das viele Geld bringt so manchen ins Schwitzen. Schließlich muss man sich heutzutage gut überlegen, wo man sein Geld investiert, damit es nicht weniger wird. Auf dem Sparbuch macht sich schließlich angesichts der niedrigen Zinsen schon die Inflation negativ bemerkbar.

Doch was sind die Alternativen? Aktien waren einmal das Gesprächsthema auf jeder Party, doch nachdem die Blase am Neuen Markt platzte, hat auch das Vertrauen in stetig steigende Aktienmärkte einen tiefen Knacks bekommen. Durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, der als einer der Auslöser der Finanzkrise gilt, und durch die Schuldenkrise in Europa hat das Vertrauen der Privatanleger weitere Risse bekommen. Es überrascht daher nicht, dass die Zahl derer, die Aktien kaufen, kaum wächst.

Zwar heißt es immer, an Aktien komme keiner mehr vorbei, doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Nur rund zwölf Prozent der Deutschen über 14 Jahren sind Aktionäre. Und momentan macht der Dax nicht eben Werbung für sich. Das Aktienbarometer aus Frankfurt hat seit Jahresanfang zwar über neun Prozent zugelegt, doch die heftigen Schwankungen dürften so manchen Kleinanleger vergrault haben.

Sind Anleihen eine Alternative? Auch festverzinsliche Wertpapiere haben ihre Tücken, mussten viele Investoren vermeintlich sicherer Staatsanleihen zuletzt erleben. Und Papiere, die immer noch als fast risikolos gelten, sind mittlerweile extrem teuer. Wer sein Geld in eine Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit steckt, bekommt aktuell nur noch eine Rendite von 1,24 Prozent. Bei Fonds haben die letzten Jahre ebenfalls Spuren hinterlassen. Jeder dritte Anleger spare weniger als noch vor einem Jahr, sagte Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der Union Asset Management Holding kürzlich. „Einmalanlagen werden mit Blick auf die Staatsschuldenkrise derzeit lieber ausgesetzt.“

„Die Menschen suchen verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten“
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51 Kommentare zu "Sparbuch und Tagesgeld: Beliebt, aber nicht ungefährlich"

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  • Na ja, Aktien sind inzwischen wieder ein Thema. Die ganze Dramatik um das Ende des Euro ist aus dem Markt raus. Und auf Einlagensicherheit schaut auch nicht mehr jeder bei der Geldanlage. Business as usual. Bi s um nächsten Crash.
    Ulrich Fielitz

  • Nicht jede Aktie ist auch heute noch eine Aktie. Viele sind pleite gegangen. Wenn der Euro crasht, wird auch der Aktienmarkt crashen. Zum Einsteigen ist es mE zu früh!

  • Die Garantie von Steinbrück und Merkel wurde ohne Legitimation des Bundestages gegeben und ist auch nicht mehr wert, als ein Schnipsel buntes Papier.
    Steinbrück hat dies im Kamingespräch mit Jörg Schönenborn öffentlich zugegeben,dass sie das "tun mussten", da in D bereits ein Bankrun angelaufen war.
    "Es hat ja auch funktioniert", sagte er. Man fragt sich nur, wie lange sich die Menschen für dumm verkaufen lassen. Das Video ist leider nicht mehr verfügbar - warum wohl? Googeln Sie mal nach!

    Hören Sie sich auch mal dieses Video an:

    https://www.youtube.com/watch?v=woCK0gBWS9A

    Prof. Sinn liefert konkrete Zahlen. Geben Sie bei youtube.com Prof. Sinn, Prof. Hankel und Prof. Schachtschneider ein. Sie werden staunen, was sie alles finden. Schäuble beschimpft die "Milchmädchenrechnung" von Prof. Sinn - nur widerlegen kann er sie nicht!!!

  • Was ist denn das für eine reisserische Überschrift? "Gefährlich?" Dass die Inflation die Renditen oftmals auffrisst, ist nichts Neues. Aber auch nicht gefährlich! Gefährlich ist, wenn Totalverlust wegen eines Defaults droht und nicht genügend Sicherheiten gegeben sind. Die Überschrift ist unnötig! Warum nicht treffender "Alternativen zu Sparbuch, Tagesgeld und Co"...

  • Wenn Sie schon den Futter-Trog ansprechen, dann ist Ihnen auch bekannt, daß auch in der Tierwelt, der Natur, immer die größten Schweine in der ersten Reihe am Schweinetrog stehen. Insoweit wäre es mehr als natürlich, wenn die "kleinen" Mitbürger eben nicht an den Futtertrog kommen.

    Ungeachtet dessen bin auch ich der Meinung, dass einiges, ja vieles, bei uns in Deutschland nicht in Ordnung ist. Die Beispiele würde ich allerdings nicht so auswählen, um das Problem darzustellen.

  • Gute Tipps von Ihnen. Die EZB und auch die FED versuchen ja gerade durch diese expansive Geldpolitik die Deflation, die eine rückläufige Wirtschaft und steigende Arbeitslosigkeit zur Folge hat, zu verhindern.
    Und genau das ist auch der gravierende Fehler, der in diesem Artikel steckt. Denn falls die Wirtschaft wieder ordentlich in Schwung kommt, werden die Zinsen wieder steigen. Und dann steigen auch die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld wird attraktiver.
    Insofern ist absolut nicht nachvollziebar, warum Tagesgeld gefährlich sein sollte.
    Tagesgeld ist das beste, was es gibt. Eventuell sogar für manche Experten und Profis. Die Performance der Aktien über einen langen Zeitraum ist negativ.
    Mit Tagesgeld kann man recht einfach sein sauer verdientes Geld wertmäßig erhalten. Ich würde jedem empfehlen damit sein Geld anzulegen. Ich selbst bin auch mit Einzelaktien durchaus erfolgreich. Ich habe aber auch das Selbstbewußtsein, dass 95% aller Anleger nicht so schlau in Aktien investieren, wie ich...

  • Kein Provisionsertrag für die Investmentbranche?
    Aha?
    Dies ist für die Investitionsbranche ärgerlich, dürfte für sie aber insgesamt nicht gefährlich sein.
    Wenn ich "gefährlich" höre, danke ich immer an eine Gefahr an Leib und Leben.

  • Da hat der Autor aber Murks gemacht.
    Dreimal soviel Geld wie in Aktien hat der Bundesbürger auf dem Sparbuch. Noch mehr hat er im Sparschwein oder auf dem Sparbuch. Das ist doch doppelt gemoppelt.

    Im Übrigen schnalle ich mich auch an, weil es sowas wie Anschnallpflicht gibt, und es teuer wird, wenn man unangeschnallt beim Autofahren erwischt wird.

    Ich kann T.Euro darin zustimmen, daß man am besten so wenig wie möglich mit den Banken zu tun hat.
    Ohne Girokonto zu leben erscheint mir allerdings noch utopisch :-)

    Was ist daran so schlimm, wenn es auf dem Tagesgeldkonto 0,5 % weniger Zinsen gibt, als mir die Inflation wegknabbert?
    Sobald ich Bares bei der Bank einzahle, ist es sowieso nur noch Zahlen auf Papier bzw. Bytes in der EDV.

    Man sollte sich nicht so sehr auf Geld fixieren!
    Und bei all den pekuniären "Sorgen" nicht vergessen zu LEBEN...

  • Warum lasst ihr euch von den Banken so knechten? Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als es das Geld in der Lohntüte gab. Will jetzt jemand behaupten das hätte nicht funktioniert? Banken sind so überflüssig wie ein Krebsgeschwür. Seit 3 Jahren habe ich nicht ein Konto mehr und oh Wunder, ich lebe immer noch.
    Zieht euer Vermögen von den Banken ab und lasst sie den Weg alles Irdischen gehen oder lasst euch weiter belügen und betrügen. Falls ihr euch für letzteres entscheidet werdet ihr und das wird nicht mehr lange dauern froh sein das ihr noch lebt und Klamotten am Ar... habt.

  • Die angegebenen Zinssätze sind ja wohl mehr als veraltet.

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