Special: Die jungen Alten
Generation 50 plus als Innovationsmotor

Die Macht der jung gebliebenen Alten wächst. Sie haben Zeit, Geld und stellen als Konsumenten hohe Ansprüche - eine Herausforderung, an der viele Unternehmen noch scheitern. Wie die Generation 50 plus zum Innovationsmotor der deutschen Wirtschaft werden kann.

Spontane Besuche sind normalerweise zwecklos. Gerda Kayser und ihr Mann Peter sind sowieso fast nie daheim. Mal sind die beiden mit ihren Tourenrädern unterwegs, mal auf einen Kaffee im benachbarten Köln, im Fitnessstudio, in der Sauna oder zum Einkaufsbummel in der kleinen Kreisstadt Düren. Ansonsten sind sie auf Reisen. Außer zur Fußball-WM. "Ich schaue mir natürlich die Deutschland-Spiele an", sagt Gerda Kayser. "Mein Mann guckt jedes Spiel. Dann surfe ich." Per Flatrate streift sie durchs Web, durchforstet ihr Postfach und die abonnierten Newsletter, googelt Urlaubsziele, Ratgeber und Shoppingseiten. Vor ein paar Tagen hat sie online bei Otto einen Badeanzug und bei Quelle ein Kleid bestellt - "weil ich das auch mal ausprobieren wollte". Gerda Kayser und ihr Mann sind kein junges Szenepaar: Sie ist 64, er drei Jahre jünger.

Gerda und Peter sind die neuen Alten. Sie sind keine rüstigen Rentner, die einmal die Woche nachmittags beim Seniorentee landen und Sonntag Mittag in der Wirtschaft den Seniorenteller bestellen. Arbeiten müssen sie nicht mehr, jetzt haben sie Zeit, wollen jede Menge erleben und die Welt entdecken. Wohl achten sie mehr als früher auf Bequemlichkeit und Gesundheit. Aber alt fühlen sie sich noch lange nicht. Schon gar nicht, wenn sie Geld ausgeben.

Wichtigste Verbrauchergruppe

Und das tun sie. Die Generation der quicklebendigen Senioren wird in den kommenden Jahrzehnten zur wichtigsten Gruppe von Verbrauchern in Deutschland. Denn die Deutschen werden aufgrund höherer Lebenserwartung und Geburtenrückgang immer älter. Bis Mitte des Jahrhunderts wird sich der Anteil der über 60-Jährigen von einem Viertel auf mehr als ein Drittel erhöhen, der Altersdurchschnitt von heute 40 Jahren voraussichtlich auf 52 Jahre steigen. Das Zentrum der Gesellschaft wird bis dahin längst jenseits der 14- bis 49-Jährigen liegen, die von der Wirtschaft "viel zu lange verhätschelt wurden", sagt Marktforscher und Seniorenexperte Franz-Josef Stubert von bbw Marketing in Neuss. "Erst in der Konsumflaute dämmert es den Unternehmen langsam, dass sie etwas falsch gemacht haben."

Ein Fehler, der sich rächen kann: "Das Konsumverhalten der Generation 50 plus entscheidet über die Zukunft vieler Unternehmen", sagt Andreas Reidl, Chef der Agentur für Generationen-Marketing in Nürnberg. "Wer sich jetzt nicht darauf einstellt, wird verlieren", warnt Stubert. Denn bei den Senioren spielt schon heute die Musik: Die über 50-Jährigen disponieren über mehr als die Hälfte der Kaufkraft und des Geldvermögens in Deutschland, sie kaufen 45 Prozent aller Neuwagen, 50 Prozent aller Gesichtspflegemittel und buchen 35 Prozent aller Pauschalreisen.

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