Steuerreform
Besitzer von Anleihen müssen umdenken

Während die Experten für Aktien und Zertifikate gegen die geplante Steuerreform Sturm laufen, sind die Fachleute für Anleihen relativ gelassen.

FRANKFURT. "Für Anleihebesitzer ist die Reform nicht so gravierend wie für andere Investoren", sagt Gernot Griebling, der bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Research für Volkswirtschaft und Rentenmärkte leitet. Für Anleihebesitzer, die einen hohen persönlichen Grenzsteuersatz - die Spitze für die Einkommensteuer liegt bei 42 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer - haben, ist die geplante Reform sogar positiv. Denn diese Investoren müssen durch den Pauschalsatz künftig weniger Steuern auf ihre Einnahmen aus den Zinskupons der Anleihen zahlen. Die große Koalition will Einkünfte aus privaten Wertpapiergeschäften, also auch Zinseinnahmen, ab 2008 mit einer pauschalen Abgeltungsteuer von 30 Prozent belegen. Bislang werden Zinserträge oberhalb des Freibetrags mit dem persönlichen Grenzsteuersatz verrechnet.

Unabhängig von der geplanten Abgeltungsteuer steht aber jetzt schon fest, dass der Freibetrag für Zinserträge halbiert wird. Schon ab kommendem Jahr sind für Alleinstehende nur noch Zinseinnahmen in Höhe von maximal 750 Euro steuerfrei, für Verheiratete liegt die Grenze künftig bei 1 500 Euro.

Anleihebesitzer und Käufer, deren Grenzsteuersatz unter 30 Prozent liegt, werden durch die Reform nicht schlechter gestellt. Der Grund: Anleger sollen nach den vorläufigen Plänen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück für die Abgeltungsteuer zwischen dem pauschalen und ihrem persönlichen Satz wählen können. "Diese Wahlfreiheit ist prinzipiell gut, aber natürlich würde sie das Steuerrecht komplizierter machen", heißt es bei einer deutschen Großbank, die sich offiziell nicht äußern will, bevor die Pläne der Regierung konkreter werden. Der entsprechende Gesetzentwurf soll ab Oktober formuliert werden.

Dafür sollen auch bei Anleihen künftig die Kursgewinne selbst nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerpflichtig werden. "Anders als bei Aktien und Zertifikaten sind für Privatanleger bei Anleihen mögliche Kursgewinne allerdings nicht das zentrale Kaufargument", meint Griebling. Die meisten Anleger hielten Anleihen ohnehin bis zur Fälligkeit, betont der LBBW-Experte. Dann werden die Bonds zum Nominalwert von 100 Prozent zurückgezahlt, zu dem sie in der Regel auch emittiert werden. Deshalb sei die Einführung einer Steuer auf Kursgewinne bei Anleihen nicht so gravierend, wenn auch nicht ideal.

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