Strafzinsen auf Spareinlagen

„Das brennt ein Loch in die Tasche“

Die deutschen Sparer haben lange geschlafen. Jetzt stellen sie erschreckt fest: Die ersten Banken verlangen Strafzinsen auf Ersparnisse. Lohnt sich Sparen überhaupt noch? Und wo soll man Geld anlegen? Experten antworten.
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Verkehrte Welt: Strafe für Sparer? Belohnung für Kredite?

DüsseldorfEs war der Aufreger der vergangenen Woche: Als erste Großbank hat die Commerzbank Strafzinsen eingeführt, die zum jetzigen Stand institutionelle Anleger und Firmenkunden mit hohen Guthaben treffen sollen.

Den Frankfurtern zuvor gekommen waren bereits die DZ-Bank Luxemburg und die thüringische Skatbank. Die Düsseldorfer WGZ-Bank zog am Freitag nach. Weitere Banken dürften folgen. Wer künftig viel Geld auf dem Konto liegen lässt, muss dafür bezahlen.

Seit dem Sommer müssen die Banken selbst eine Art Strafzins zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Die Notenbank will damit erreichen, dass weniger Kapital auf Konten schlummert, sondern mehr davon in Umlauf kommt. Die negativen Einlagezinsen sollen ein Anreiz zum Geld ausgeben sein, was wiederum die schwache Konjunktur in der Euro-Zone beleben soll. Daher dürfte es der EZB ganz recht sein, dass die Privatbanken nun beginnen, die Strafzinsen an vermögende Kunden weiterzugeben.

Die Deutschen, die das Sparbuch traditionell lieben und mehr Geld in sicheren Anlagen parken als etwa in Aktien zu investieren, sind davon besonders betroffen. Laut einer Statistik der Deutschen Bundesbank vom Juni lagern die Bundesbürger immerhin insgesamt 2,092 Billionen Euro bar oder in sicheren Anlageformen, zum Beispiel auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto. Das sind rund 40 Prozent des Geldvermögens in Deutschland. Zum Vergleich: Auf Aktien entfallen rund 300 Milliarden Euro oder sechs Prozent.

Die Zinsen für Spareinlagen wie Tages- oder Festgeld fallen zwar schon seit geraumer Zeit verschwindend gering aus, doch erst die negativen Zinsen haben die deutschen Sparer wachgerüttelt. Viele fragen sich nun, was sie mit ihren Ersparnissen anfangen sollen. Wir haben Experten, die sich mit Geld auskennen, um eine Antwort gebeten.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wie Hendrik Leber (Acatis Investement), Asoka Wöhrmann (Deutsche Asset & Wealth Management), Andrew Bosomworth (Pimco), Max Otte (Investor und Buchautor) und Karl Stäcker (Frankfurt Trust) die Situation einschätzen und was sie Privatanlegern jetzt empfehlen.

In einem Punkt sind sie sich einig: Wer mehr Rendite will, muss mehr Risiko wagen. Trotzdem sollten Anleger nicht überstürzt handeln und schon gar nicht alles auf eine Karte setzen - denn wer aus Angst vor kleinen Zinsen alles riskiert, macht sehr wahrscheinlich große Verluste.

Leber: „Mehr Vertrauen in Unternehmen als in Staaten“
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32 Kommentare zu "Strafzinsen auf Spareinlagen: „Das brennt ein Loch in die Tasche“"

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  • "Die Altersvorsorge der redlichen Deutschen wird von Merkel und Schäuble kalt lächelnd geopfert zu Gunsten des gescheiterten Euro-Projektes." Das brauchen die gar nicht, denn die Altersversorgung ist schon längst weg: Von unserem Schuldenberg von 8,0 Bio. Euro oder 300% BIP bzw. fast 100% des inländischen Nettovermögens entfallen 5,0 Bio. Euro auf bisher nicht bilanzierte Verbindlichkeiten des Nachhaltigkeitshaushaltes für soziale Sicherheit (Krankheit, Pflege, Alter). Glauben Sie, daß die noch einer zahlen kann? Ja, mein Lieber: Die Rente geht gegen Null; das ist unsere Wirklichkeit, die in den Köpfen der Leute noch gar nicht mal angekommen ist - die träumen immer noch von einer Staatsversorgung und Schäuble denkt: Schulden, die keiner kennt, sind keine.

  • Erstens werden sie zwecks Vermeidung von Gewalttätigkeiten gegen Administratoren die Kleinen schonen - die Großen verschwinden ohnehin ins Ausland.

    So bleiben nur Mittelstand und das Rückgrat deutscher Wirtschaft. Die werden dann - weil schon gewohnt daran - kräftig abgemolken.

    Offenbar möchte die regierende Einheitspartei erreichen, daß Deutschland über diesen Umweg doch noch entindustrialisiert wird.

    Merkel und Gabriel kann das schon gelingen - bestimmt.

  • Sie brauchen vorallem ärztliche Hilfe. Und das ganz dringend.

  • Was ist denn jetzt Ihre Rede?

    Wollen Sie etwa die vorherige Aussage unterstreichen und lediglich hinzufügen, dass die AfD nicht anders wäre?

    Wenn Sie der Meinung sind, dass alle im Bundestag vertretenen Parteien zuzüglich der AfD "von unten nach oben verteilen" (wollen), dann sind wir nicht mehr vor sondern nach 12!

    Wir brauchen ein neues Bretton Woods, das die Politiker und die EZB, wie die anderen Notenbanken auch, in die Schranken weist.

    Es muss mit der Korruption Schluss sein!

    Wenn ein ehemaliger Bundeskanzler seine Biographie an einen Dritten verscherbelt und dafür über 2 Mio. € statt marktgerechten 300 TEuro kassiert, dann ist das Korruption.

    Man muss von Investmentbankern nicht viel halten, aber ein Händler in diesem Metier findet sich schon im Knast wieder, wenn er 1 Cent neben dem Marktkurs handelt. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass ausgerechnet die, die als "Gerechte" über der Sache stehen sollten, scheinbar die korruptesten sind.

    Hätte die Staatsanwaltschaft die Funktion, die ihr vom Volk unterstellt wird, wäre der Fall schon abschließend aufgeklärt und das Urteil vollstreckt. Aber kein Politiker hat aus Eigenschutz daran Interesse angemeldet.

    Vielleicht gibt es in Deutschland auch einmal eine "französische Revolution". Damals wurde deren Revolution auch nicht von deren Elite angeführt.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Schau doch mal allgemein in Gold.de

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  • Wenn alle ihr Geld holen, hat Draghi ja schon sein halbes Ziel erreicht. Wenn wir es dann auch noch alle ausgeben (möglichst für südeuropäische Konsumgüter), dann boomt die Wirtschaft (dort) und alles wird gut. Bestimmt.

    Vielleicht sollten wir aber auch noch ein paar Euronen aufheben und in Gold, Immobilien oder sonstigen aktiennäheren Investments unterbringen. Das bringt den Commandante vielleicht auf andere Ideen als die Zinsen immer weiter zu senken...

  • Dank Draghi werden wir noch einen sehr, sehr langen Bullenmarkt erleben dürfen. Bis 2016 ist ja schon garantiert und dann kommen neue QE-Pakete. Die nächsten 10 Jahre werden sehr wichtig zur Altersvorsorge mit Aktien. Diese Chance gibt es so schnell nicht wieder.

  • Aktien sind alternativlos. Immer diese ständige Sorgenmachen und Grübeln. Just do it.

    Ich danke Herrn Draghi zutiefst für die Vermögensvermehrung, die er mir die letzten Jahre beschert hat.

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